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gemacht und machte noch am Mittag, als er erwachte, seine Augenlider schwer. Er blinkte durch und sah mit Verwunderung, wie Susanna ihr schlafendes Bild mit Epheu, Lilien und Rosen umkränzt hatte und auf den Knieen davor lag und in grosser Inbrunst betete; er verstand nur einzelne Worte, sie aber betete zu sich: "O lass mich werden im Wachen wie du bist, heilig im Schlaf; lass deine Engelträume mich schützen und mir gegenwärtig sein; dir ist so wohl, mir ist so weh, was wird aus mir werden?" – Anton hatte Scheu, sie aus dieser Andacht als ein Lauschender mit Spott zu erwecken, vielmehr bewegte er sich erst im Bette, dass sie sein Erwachen ahnen, sich aufraffen und zu ihm setzen konnte; dann blieb er noch einige Minuten ruhig, ehe er sich aufrichtete und nach alter Gewohnheit, als wisse er von nichts, sein Frühstück begehrte. "Nun", sagte er, "bist du noch nicht mit deinem Bilde zufrieden? ich sehe, du hast es mit einem Blumenkranz umfasst." "Ach Herr", sagte sie, "wenn das Bild nur mit mir zufrieden ist, ich habe solche Angst davor; was ich tue und denke, immer meine ich, es möchte dadurch im Schlafe gestört werden; ich habe eine grosse Angst, dass ich ihm nicht gut genug bin; wie müsst Ihr herrlich sein, dass so etwas Eurer Hände Werk, weniger Stunden Fleiss ist." Anton lachte: "Liebes Kind, wenn du so viel Schläge darum bekommen hättest wie ich, du maltest eben so gut, hast du denn gar nichts gelernt?" – SUSANNA: "Ich war zu allem, was sie mir beibringen wollten, zu ungeschickt; ich sollte singen, aber wenn es auch unter uns gegangen war, so blieben mir doch die Worte in der Kehle wie ein Vogel an der Leimrute stecken, wenn ich nun mit einem Kranze oder mit einem Becher heraustreten sollte, die Vorüberziehenden zu grüssen und in das Haus zu locken." – ANTON: "Kannst du wohl vor mir singen, liebes Kind, Sing etwas, mir ist wüst im Kopfe von der närrischen Nacht." – SUSANNA: "Wenn Euch mein Gesang nur gefallen wird, gern will ich's versuchen." Sie ging hierauf im Zimmer umher, fing leise an, bald von Küssen, bald von Rittern zu singen, wie sie in dem Frauenhause unter üppigen Buhlenliedern aufgewachsen war, aber so leise, dass Anton kaum einzelne Worte hervorschimmern sah, denn kaum hatte sie eins ausgesprochen, so schämte sie sich davor. Erst dreizehn Sommer zählt die Kleine, Da strich sie durch den grünen Wald Und sang in seinem Dämmerscheine Ein Lied, das durch die Wipfel schallt. Und von den Wipfeln steigt es nieder Wie Sonnenstrahl, wie Morgentau, Es wird so eng ihr rotes Mieder Im Paradies der grünen Au. Ich trete leise auf die Strahlen, Die in dem Grase sich ergehn Und es mit Blumen lieblich malen; Wird mir denn auch also geschehn? Es ist ein Frühling wie noch keiner, Der Atem bebend mir beginnt; Es sind die Blumen so viel kleiner Und sind doch alle hell gesinnt. O Frühlingsliebe, zarte Blume, Du süsse Angst im reinen Sinn; Im Busen, ihrem Heiligtume, Versteckt sie scheu ihr freies Kinn. Und als sie aufblickt, ist verklungen Das Lied im freudberauschten Wald, Sie fühlt sich fremd den frohen Zungen, Wovon ein jeder Baum erschallt. Anton hatte ihr selig zugesehen; die Angst gab ihrer Stimme ein Leben der Vollendung, er streckte sich auf sein Bette und sang ihr nach: Dies Liedchen drängte sich zu Ohren, Die zärtlich lauschten in dem Gras, Dies Lied ist nimmermehr verloren, Wenn sie es gleich recht bald vergass. In süsser Angst ist es geboren, Verstossen in die Einsamkeit, Ich nahm es auf in meinen Ohren, In meines Herzens Sittsamkeit. Ich weiss es mir mit Lust zu deuten; Es suchet, was es noch nicht kennt, Es suchet in den blauen Weiten, Was ihm so nah im Jagdschloss brennt. Fühlst du der Liebe Ahnung nimmer? Im Dämmerschein, im grünen Wald, Da suchet dich der Liebe Schimmer, Und ihre Sonne scheint dir bald. "Wie meint Ihr das?" fragte Susanna, und Anton stockte; er wusste nicht, was er sprechen sollte, er hatte sich so in angenehmer Bequemlichkeit gehen lassen; er sah sie jetzt verlegen an, sie wurde rot und ging zur Türe hinaus. Nach einiger Zeit kam sie ängstlich zur Tür herein: "Herr", rief sie leise, "er ist da!" "Wer?" fragte Anton, "hast du einen Geist gesehen? meines Vaters Geist?" "Nein, der Seger", sagte sie leise und legte den Finger auf die Lippen, "er hat das Vieh weggetrieben, Ihr könnt ihn noch sehen, da geht er am Walde." Bei diesen Worten erwachte eine Wut in Anton, sich an diesem seinem Verderber zu rächen, der ihn der väterlichen Liebe entführt hatte; er griff nach einem Jagdgewehre seines Vaters, das an der Wand hing, achtete nicht seines Übels, sprang ans Fenster, sah Segers hagere Gestalt deutlich bei der Herde und – schoss auf ihn; im Augenblicke vergingen ihm die Sinne. Die Aufwallung war vorüber, er seufzte: "Es wird ihm sein Recht geschehen,