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Tage sind jetzt liebliche Geschwister, Die jüngern stets dem Mutterherzen lieber, Sie sprechen nach, was jene ältern fragen, Sie haben noch was Süsseres zu sagen, Ein schöner Morgen ist des Frühlings Frühling, Es wacht da alles auf, was je gelebt, Und wär's im tiefsten Herzen fest verschlossen. Sie geht unruhig umher. O Sonne, Mutter zahllos lieber Kinder, Warum bin Mutter ich und ohne Kind? O Sonne, einen Augenblick zum Beten! Du willst es nicht, die Augen gehn mir über. Sie hat in Gedanken Blumen gebrochen, und sie ins Gesicht gedrückt. Wie verlieren sich die Blätter Wunderbar in Flammenlicht, Drinnen haucht ein kühlend Wetter, Drück ich sie ins Angesicht; Alle die Blumen sind ohne Harm Nur die rote Rose nicht, Sie sticht! Sticht, wie die liebe Sonne so warm, Mai ist ohne die Rose nur arm, Mai ist ohne die Rose nur Qual – Ihr stillen Gründe, du einsam Tal. Sie vertieft sich allmählich abgehend mit dem Gesange in den Garten. 2. Vater und Kind beide in Kriegskleidern, das Kind sieht sich um und lässt den Vater oft allein, dass er vor sich sprechen kann, ohne von ihm gehört zu werden VATER. So ist des Unglücks und der Klugheit Fluch, Dass sie uns unterwerfen leerer Furcht! Wie schaudernd hemmt der Boden meine Eile, Ein Schritt, ein Druck der Hand, ein Wort, wie leicht, Wie schwer, wenn unser Schicksal daran hänget; Der Überraschung Wunder sind die grössten. KIND. Es wird so schwül, wir gehen doch nicht weiter? VATER. Vielleicht zu weit, um leicht zurück zu kehren. Zum Ufer wallt, vom Ufer sinkt die Woge, Was zog mich her, was weist mich nun zurück? Mich stösst zurück, was lange mich gezogen. O sie war schön, ich find für sie kein Bild, Nach ihr möcht ich die ganze Welt mir bilden, Die ohne sie ein wüstes Chaos blieb. Ich soll sie wiedersehn, wie meine Jugend! Wie rätselhaft, was unsre Jugend füllt Und wie so deutlich, was das Alter schwächt, Es will vergüten, was die Jugend fehlte. Ach Jugend macht die Jugend einzig gut! O meine Jugend, wie bist du entschwunden In steter Arbeit, wie ein trüber Nebel, Der unter sich das frohe Grün ertötet, Er will es nicht, doch so ist seine Liebe. Nach einer Pause. Es ist zu viel! Die tiefe Not ich trug, Und schwindle, da mich trägt ein neues Glück, Ein bessrer Lebensmut und reiner Wille! Ich steh im Vaterland, vor meiner Schwelle, Hier eingewiegt, als Knabe eingespielet, Mit Todesmut als Jüngling eingeschworen, Mit Liebesglut auf ewig eingebrannt, Wo Liebe noch mich eingewurzelt hält, Der ersten Liebe gleich durchwachsne Rosen, Dies ew'ge Band aus Lust und Schmerz gewoben, Wie wird mir hier so wohl und auch so weh. Ha, wo das Herz der Liebe Haus erbaut, Da haust es ewig, lässt sich nimmer bannen; Hier lebte ich und war ich fern und ferner, Hier wachte ich an dieser heil'gen Schwelle, Wie Traum bewacht der heil'gen Unschuld Schlaf, Und träumend kehr ich heim zu Jugendfreuden. Sag's frei heraus mein Mund, was lang gedacht, Sich doch in des Gehirnes Falten decket, Was meine Jugend füllt, war unerschöpflich, Doch nun ich alt, da seh ich bald den Grund Und halt zusammen, was ich sonst verschwendet. Gesteh dir alles ein, mein fester Sinn: Dort stehet noch das alte Storchennest Hoch übern Schornstein künstlich frei erhöht, Das unserm Hause ehlich Glück sollt bringen, Jetzt bringt es mir so manche Nachgedanken. Es ist dasselbe Nest, ist's auch der Storch? Ist nicht der alte Storch noch müd und ferne, Ein jüngerer hat ihm das Nest geraubet? Was hülf's dem Storch, wenn er das Nest nun findet, Und findet es erwärmt von andrer Lust, Und fänd er's kalt und könnt es nicht erwärmen? O welche Glut ist noch in meinem Mute, Und doch, ich fühl mich kalt, indem ich glühe, Denn zu viel Möglichkeiten sind in mir. KIND. Du sprichst vor dir und schauest dich nicht um, Es ist mir hier, als wär ich hier zu Hause; Hier find ich Milch und Frucht, darf ich wohl essen? VATER. Geniess mit Freuden, Milch und Frucht sind dein, Und wunderlich erschöpft ein nächtlich Wandern. – Wo hat mich Frucht von müheschweren Jahren, Wo hat die Milch der Hoffnung mich erquickt, Wo hat die Freude mich zum Tanz beflügelt, Was ist Gesundheit eines öden Sinnes? Nur in dem Kind allein, wie es sich nährt, Bewusstlos in die Welt so herzhaft fühlt, Da hol ich nach, was ich versäumte trotzend. Ich seh ihm gerne zu, wie er sich macht, Und wie er reift, sich selber zu erkennen; Ich hatte viel in diesem edlen Kinde, Ein lebend Bild von der verlassnen Frau, Ich bin ihr nah, es will mir ganz genügen; Mich fühlen ganz und froh, ich kann's nicht fassen. Mir ist's, als wär ich für mein Glück zu schwach, Was hilft ein volles Mahl im Hungertode, Der Eltern Segen Liebesterbenden! KIND. Du klagst ja Vater, kann ich dir nicht helfen? VATER.