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Liebesnetzen zieht Und an den wesenlosen Himmel mahnt, Dem ich dich schöner Vogel hab geraubet; Ein nutzlos Mühen hast du so verloren, Sieh wie die Vögel steigen, um zu fallen, In meiner Liebe steigst du immerdar. HYLAS. Du bist mir Vaterland und Freiheit, alles Was ich verloren und – was ich gehofft. Und füttre ich die Tauben und die Schwäne, Mir sind sie lieb, weil du zu ihnen lächelst, Nach keinem Ausflug mehr verlangt mein Herz; Denn gar ein wunderbares geist'ges Leben Seh ich in deinen Künsten überschweben. Ach wär ich doch ein Bild von deiner Hand; Verachte meine kleinen Künste nicht, Der Himmel treibt die Gärtnerei mit mir. FÜRSTIN. Der Himmel will dir wohl, er denkt wie ich, Du weisst es ja, ich freu mich jeder Blume, Die du mir sorglich aufgezogen hast; Und ihre Kränze sind lebend'ger doch, Als alles, was mein Pinsel dir kann zaubern. Erfreu dich deines Werks, weil ich's bewundre, Und rühmen keine andre deinen Garten, Gedenk, ich leb darin die schönsten Stunden. O sieh die Malven, die du einst geflochten, Zum Zelte mir, wo wir so traulich schliefen, Sieh, wie die Sonne heut daran gewelkt; Gewiss, sie schmachten heut nach frischem Regen; Ich muss vergelten, wie sie mir getan, So will ich sie auch heute noch erquicken. HYLAS. Sie sind so schöner Mühe doch nicht wert. FÜRSTIN. Ich bitte dich, o lass mir diese Sorgen, Denn eine Sorge muss ich immer haben, Wie du mir oftmals liebend vorgeworfen. HYLAS. So seh ich dir hier unterm Kirschbaum zu, Und jeder deiner Schritte scheint mir Tanz, Und Anmut schwebt in jeglicher Bewegung; Ein schöner Demantstrom entrinnt der Hand, Im Lampenschimmer düftet's rings so frisch. FÜRSTIN singt während des Begiessens der Blumen. Der Himmel ist oft hell, kann dann bald weinen, Deckt seine klaren Augen zu, Die auch verhüllet noch zu trauren scheinen, So glänzest du, so scheinest du.
So traure du, so sei verlassen trübe,
Ja regne Tränen ohne Zahl,
Wenn wandelbar einst unsre Liebe,
Denn solches Glück besorgt den Fall.
In wunderbar geflochtner stummer Liebe
Ist so besorglich schon die Qual,
Dass sie so gern zur Totenfeier hübe
Den frohsten Blick zum Sternensaal.
Du stiller Winter wehest schon vom Himmel,
Ihr weissen Wolken, ew'ger Schnee,
Ihr zieht schon vor die Sterne mit Getümmel,
Der Mond stürzt weinend in die See.
Hier blüht der Garten, Lilien, deine Wangen Mit Tausendschönen mischen sich, Wo keusche Rosen schwankend überhangen, Schwül ist die Luft für mich und dich. HYLAS singt halb träumend. Der Kirschbaum blüht, ich sitze da im stillen, Die Blüte sinkt und mag die Lippen füllen,
Auch sinkt der Mond schon in der Erde Schoss
Und schien so munter, schien so rot und gross;
Die Sterne blinken zweifelhaft im Blauen
Und leiden's nicht, sie weiter anzuschauen.
Die Fürstin verliert sich unter Blumen; Hylas schläft
ein.
3.
DER KANZLER tritt durch die Gartentüre ein. Dies ist der Fürstin Schloss, ich hab's erkannt Nach dem Gemälde, das sie uns gesendet, Doch kaum erreicht hat ihrer Maler Kunst Den Reichtum dieser wunderbaren Gegend, Die weit umher in nächtlicher Beleuchtung glänzet, Als sei ein ew'ger Tag rings um sie her. Wie fühl ich mich so weich in diesem Land, Als würd ich erst in meinem Alter reif, Und grausam soll ich sie dem Land entreissen? Ich werde alt, ich wünsche auch Genuss, Wie lange soll mich noch die öde Arbeit halten, Die in sich selber ungeheuer wächst, Da meiner Kräfte Schnellkraft sich verlieret, Dass ich sie nur im steten Kampf mag zähmen; Wo find ich Ruhe bei geliebten Wesen? Und meine Fürstin hat sie hier gefunden! Ich hab nicht Weib, nicht Kinder, weh mir Armen, Und für die Liebe bin ich nun zu alt. Ja Mond, so geht es in der Welt: dem Jüngling Versprachst du viel, und so läuft alles ab.
Er sieht Hylas.
Welch schöner Jüngling ruht hier unterm
Kirschbaum!
An diesem Bild der Fürstin, das ihn ziert,
Erkenn ich ihn, es ist der schöne Grieche,
Der ihre Neigung so allmächtig fesselt.
Nie sah ich Schönheit in so wilder Stärke,
Dir soll's nicht fehlen, schlafe ruhig fort,
Ich reisse dich aus der Geliebten Armen,
Die eher deine Mutter könnte sein.
Ich führ als Vater dich ins junge Leben,
Du bist geschickt zum Kriege, wie zur Liebe;
Ich fühl an dir ein väterlich Gefallen,
Und muss ich dir auch heute wehe tun,
Ich kann es bald als Vater dir vergüten.
Wer weiss, ob du dich viel darum bekümmerst,
Denn aufwärts klimmt die Neigung gar zu selten.
Dass sie dich liebt, ich kann es wohl begreifen,
Doch deine Neigung kann nicht dauernd sein.
Ich löse schnell, was sich bald selbst vernichtet. –
Die Fürstin kommt; jetzt träge Überlegung,
Jetzt weiche, mach der Überredung Platz;
Sie ist verändert unsre Fürstin hier,
Hat gar nichts mehr vom alten Herrschertritte,
Der schnell und fest uns oftmals glauben machte,
Es käm ein fremder Held durchs Nebenzimmer.
4.
Der Kanzler, die Fürstin
FÜRSTIN. Wie? Täuscht mich nicht der Lampen farb'ger
Schimmer,