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sie sinken, Schöner in glühenden Früchten zu winken, Bilden sie weichlich das Bette der Sonne, Immer sich opfernd, sich ehrend in Wonne. Ich nur bestehe den Menschen zum Zeichen, Flügel den Armen unfühlbar zu reichen, Wert ist das Glück nur der menschlichen Mühe, Genius bin ich der ahndenden Frühe. Will sich der Wärme feuriger Regen Abends und Morgens auf Ferne hinlegen, Warum verschmachten danach und erfrieren? Lass dich zur goldenen Ferne hinführen. Schuldlose Herzen trauen der Ferne, Nimmer veralten ihnen die Sterne, Warnen heut, lächeln dann morgen auch wieder, Abend und Morgen sind himmlische Brüder. Ja ich komm wieder! Schwankt dann der Boden, Fangen die Netze des Dunkels den Oden; Siehe nach mir, denn wisse, mein Flügel Wecket dich auf an dem Römischen Hügel. Das Kind Ja das ist Roma, selber die Trümmer Fügen sich wieder zum herrlichen Schimmer, Lasset die Erde taumelnd nur schwanken, Trägt sie mein Glück doch und meine Gedanken. Schimmern die Tempel bei Kirchen so dichte, Himmlische Wüste umschliesset sie lichte, Langsam die Tiber, Sehnsucht im Blicke, Fliesst sie zum Meere und wünscht sich zurücke. Bin ich geworden, bin ich vollkommen, Gestern ein Kindlein, bang und beklommen; Heut in Italien findet mein Sehnen Endlich des Busens hochherrliches Dehnen. Ist dies die Heimat? Ist dies die Fremde? Wie ist es kommen, dass ich mich grämte? Schwimmen die Äpfel nicht golden im Bache, Wenn ich erinnernd und hoffend erwache. Wisst, wo die fröhlichen Mädchen noch hausen, Nimmer die Stürme des Nordens einbrausen, Merkt, dass Italien die schwimmende Insel, Fliehend das stürmische Menschengewinsel. Lachet ihr Mädchen, sehet, sie weilet, Nicht mit dem Morgenrot wieder zerteilet, Alle Erinn'rung im Schilfe da rauschet, Alles Ersinnen im Atem sich tauschet. Sehet, auf tausend hellströmenden Wellen Herrliche Freunde zu uns sich gesellen Und in dem blumigen Meere der Wiesen Lasset die Stimmen tauchen und fliessen. Saget, was sind das für heil'ge neun Schwestern, Ferne auf Sternen erblickt ich sie gestern, Kommen mit Masken und Flöten und Leiern, Jeglichen Morgen Italiens zu feiern? Der Morgenstern Musensohn, kennest du noch nicht die Musen, Fühlst du nicht Liebe zu ihnen im Busen, Fühlst du nicht Pochen im innersten Herzen, Und auf den Lippen ein zärtliches Scherzen? Nur im Genusse kannst du dich bilden, Und nur die Armut machet den Wilden, Alles ist nahe, was zu erstreben, Was unerreichbar, lass es verschweben. Nach einigem pflichtmässigen Lobe sprach der Minister: "Nicht wahr mein junger Freund, Sie suchen eine Gelegenheit nach Italien zu reisen; sie meinen, da soll auf einmal das Dichten ganz anders gehen, da soll kein Reim fehlen, keine Silbe zu lang sein. Ich glaube, Sie irren sich darin; der Dichter muss mit seiner Nation, in seiner Sprache leben, denn wenn er auch vollendeter in sich würde, so fehlte ihm doch das Organ der Mitteilung." – DER PRIMANER: "Sollte der Dichter wegen seines Geschicks von der übrigen Welt ausgeschlossen sein, er wäre sehr zu bedauern und sein Volk könnte ihm nie etwas sein, wenn er über eine schönere Natur dessen eigentümliche Herrlichkeit vergässe. Nimmermehr! als ich von meiner ersten Fussreise aus dem Entzücken über die nie ersehenen Berge zurückkam, da rief es doch tief in mir: die Natur ist doch überall nur schlecht gegen das göttliche Menschengeschlecht – doch wenn Ihre Exzellenz befehlen." – "Nun, nun", sagte der Minister, "ich will Ihre Anschauung nicht stören, ich habe darin nichts zu befehlen; ich danke für Ihre Bemühung, das Gedicht soll besorgt werden." – Bei diesen Worten entliess er ihn; der arme Primaner, wie gerne wäre er geblieben, um noch die Wirkung seines Gedichts zu sehen; die Mamsell blieb, ungeachtet sie auch entlassen war, und der Minister nahm sie und den Kammerjunker an dem Arm, mit beiden zur Fürstin zu fahren. "Ich bin kein Kenner von Gedichten, werter Freund", sagte der Minister, "ich achte nur auf eine Stimme darüber, auf die allgemeine, wer die gewinnt, hat meine Achtung; ob er darum gut zu nennen, liegt ausser meinem Kreise, mir ist alle Poesie zu nichts gut; doch bei der Fürstin tragen Sie dort Ihr Gedicht nach bester Geschicklichkeit vor." – "Liebenswürdiger Barbar", sagte die Mamsell. – MINISTER: "Ich habe keinen Grund mich zu verstellen; nehme ich es doch auch keinem andern übel, der sich nach einem glücklichern, einfachern bestimmtern Ausdruck in Gesetzen und Anordnungen nicht mit gleichem Eifer wie ich bestrebt; warum gäbe es wohl Dachshunde und Windhunde, wenn wir die Windhunde zum Dachsgraben uns abzurichten bemühten." – Unter solchen Gesprächen donnerten sie in den Schlosshof hinein; die hohen Treppen, die weiten kühlen Säle wurden gemächlich von dem Minister durchschritten; er hatte etwas Spöttisches, wenn er die Lakaien so aufgeputzt an den Türen sah, gleichsam als wüsste er etwas mehr von der Sache, und das unterschied ihn besonders von dem Kammerjunker, dem alles noch immer den ersten Eindruck von feierlicher Beklommenheit machte. Die Mamsell fing aus Verlegenheit ein unglaubliches Schwatzen zu treiben an; alles was sie je gesagt, drängte sich zu dieser Hauptbegebenheit, und wollte auch mit am Hofe erscheinen. Die Flügel öffneten sich, die Fürstin stand vorleuchtend in einem sehr glänzenden Kreise zweier reisenden Fürstinnen; der