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der Gegend, der die Geschichte zu wissen behauptete, verfasste ein Lied, worin die beiden Zwillingsbrüder Otto und Lorenz als Ost und West bezeichnet sind; wir überlassen es dem guten Glauben die Wahrheit davon durch Feuerprobe zu beweisen. Die Hexe Luft und die beiden Jäger Ost und West, die Zwillingssöhne Buhlten um ein Jungfräulein, Ähnlich klangen ihre Töne Vor der Schönen Fensterlein. Luft hiess ihre leichte Schöne, Federn trug sie auf dem Haupt, Dass sie ew'ge Myrte kröne, Ist ihr Fenster myrtumlaubt. Lange steht sie so im Glanze Ihr sind beide einerlei, Sie verwechselt beid im Tanze, Also ähnlich sind die zwei. Und so weit wird es noch kommen, Dass sie stiftet Bruderzwist; Ihren Zweifeln zu entkommen, Denket sie auf eine List. Einen Mann, den muss ich haben, Denkt das arme Jungferlein, Der mir kann das Herz erlaben, Denn ich bin nicht gern allein. Zweifelnd denkt sie an die Künste, Die ihr Mutter Feuer lehrt, Macht am Freitag Weihrauchdünste, Kocht den Zaubertrank am Herd. Deckt dann vor dem Bett ein Tischlein, Setzt zwei blanke Teller drauf, Und zwei Gläser und zwei Fischlein, Gleich als käm ein Gast ins Haus. "Wer dann zu dir kömmt von allen", Hat die Mutter ihr gesagt, "Ist der Stärkste im Gefallen, Und der sei dir zugesagt. Der sei deiner Liebe Meister, Mächtig deiner Schönheit Kraft, Denn es wollen stets die Geister, Dass das Mächtigste sich schafft." Es ist Nacht, die beiden Lauten Klingen vor dem Fensterlein, Und dann schaut sie ihren Trauten; Schweigend tritt er zu ihr ein. Ob es Ost, ob's West gewesen, Denket sie vergebens nun, Gleicher waren nie zwei Wesen, Dieser Zweifel will nicht ruhn! Spricht er nicht, er kann doch sehen, Wie sie ihn zum Tische winkt, Und sie fühlt des Atems Wehen, Wie er aus dem Becher trinkt. Wie er's Tüchlein wohlgefalten Nimmt vom blanken Teller ab, Lässt die Speisen doch erkalten, Und verschmähet ihre Gab. Dennoch muss sie nun empfangen Eh' er sie ins Bette führt, Eine Gabe ohn Verlangen, Die als Zeichen ihr gebührt. Abgebrannt sind beide Lichter, Und der Freund sitzt noch bei ihr, Macht so drohende Gesichter, Dass sie flieht zur Kammertür. Er das Messer aus dem Gürtel Ziehet, und ganz stille sitzt, Und der Mond aus seinem Viertel Schauet, wie es herrlich blitzt. Nein, sie wagt es nicht zu nehmen, Wie ihr vorgeschrieben ist, Sei es Schrecken, sei es Schämen, Sie verwünschet jetzt die List. Sie entschlüpfet in die Kammer, Er, das Messer wirft nach ihr; Als er flieht mit schwerem Jammer, Steckt das Messer in der Tür. Morgens kommen beide Brüder, Sie zu grüssen, doch dem West Fehlt das Messer, seine Lieder Klagen ein gestörtes Fest, Das im Traume ihn gequälet Und vergangen ist zu nichts, Weil sich alles hat verfehlet In dem Schrecken des Gesichts. Tröstend gibt sie ihm die Hände, Küsset ihm die müde Brust, Und es drehen sich die Wände Bald in hoher Hochzeitlust. Doch kein Kind will ihn erfreuen Und er wünschet es so sehr, Bis sie sich mit Zaubereien Setzt in schrecklichen Verkehr. Könnte sie's voraus nur wissen, Irrwisch, heisst des Zaubers Kind, In dem Kindbett muss sie büssen Ihres Zaubers schwere Sünd. In ein Tuch das Kind zu schlagen, Tritt der Mann zum Schrank der Frau, Hat ihn eilig eingeschlagen, Und es liegt da viel zur Schau. Alles, was sie ihm verborgen, Doch er schauet nicht danach, Reisset nur in grossen Sorgen Weiche Tücher aus dem Fach; Sieht das Messer draus entfallen, Das sie heimlich drin bewahrt, Das in jener Nacht voll Qualen Er verlor durch Zaubers Art. Jener Traum, der ihm vergessen, Denn der Zauber ist vorbei, Tritt ins Leben; wie besessen Fühlt er sich durch Zauberei; Alles glaubt er schon erlebet, Was ihm jetzo erst geschieht, Und die Qual ihn neu umschwebet, Die ihn jene Nacht durchglüht. "Also du bist es gewesen, Die mich jene Nacht geplagt, Dass ich nie vom Schreck genesen, O, das sei hier Gott geklagt. Hast du mich voraus gequälet, Lang im schweren Liebesdienst, Straf ich dich, nun wir vermählet, Und ich zahl, wie du's verdienst; Hab ich auch nicht wollen speisen Von der Fische Zauberei, Ist gehärtet doch dies Eisen In dem Trank und macht mich frei." Ihre Brust will er durchstechen, Doch das Kindlein schreit hellaut, Und die kleinen Augen sprechen, Haben sich rings umgeschaut. Blinde Wut ist ihm verschwunden, Aber nicht der harte Zorn, Als des Herzens Riss verwunden, Schmerzt im Fleische ihm der Dorn. Wenn sie weint bei seinen Schlägen, Zeigt er ihr das Messer nur, Spricht dann: "Ohne Lieb kein Segen, Und du bist die ärgste ..." Kamen so fremdartige Erzählungen in das ruhige Schloss und die älteren Kinder des Grafen verwunderten sich darüber und fragten den alten Bedienten, als er noch lebte: da pflegte er ihnen eine schöne alte Fabel zu erzählen, die wir hier, wo wir mit allen früheren Verhältnissen abschliessen, als den Sinn unseres Buches nacherzählen. Die Schule der Erfahrung Ein Sperling hatte vier Jungen in einem Schwalbenneste. Wie sie nun flügge waren, stiessen böse Buben das