highChunks/1810_Arnim_005_19992.txt -- topic 49 topicPct 0.232142850757

der Flötenspieler in den Büchern des Alten gelesen hat; da hat er tagelang, nächtelang gelesen, und beschworen, und hat mein vergessen, da er mir doch geschworen hatte, mich nie zu vergessen; endlich schlief er ein und ich sah, dass er schwer träumte; der Schweiss lief ihm über die Stirne, da nahm ich seine Bücher, und warf sie alle ins Feuer; da wachte er zornig auf und schalt sehr und will nicht eher wieder mit mir reden, bis ich die Bücher ihm wiedergeschafft habe." – GRAF: "Wie kommt's, dass du mir dies alles vertraut, ich hab es nicht zu wissen verlangt; werd ich es auch verdienen, sagst du es jedem?" – SIE: "Du bist der erste, dem ich es gesagt, denn du siehst wahrhaft unglücklich aus, als wäre dir die Saat deiner Liebe ganz verhagelt, und du hättest keine mehr." – GRAF: "Sag an Flötenspieler, ist alles so wahr, wie mir das liebe Mädchen gesagt?" – SIE: "Er spricht niemals, zuweilen singt er aber, wenn er recht betrübt; er setzt an: hör zu, er wird singen, und er singt so schön, so schön!" – Der Flötenspieler setzte wirklich die Flöte an, blies und sang abwechselnd folgendes Lied: Flammenruh nach Weisheit streben Senkt den Jünger tief in Schlaf, Und es glüht sein innres Leben, Als wenn Blitz die Tanne traf. Festlich statt der schwarzen Krone Trägt sie einen Flammenkranz, Weihrauch träufelt von dem Trone, Halme wirbeln rings im Tanz. Sonst da dräuten ihm die Bilder, Schrecklich rot und blau gemalt, Und die Zeichen noch viel wilder Und das Tier in Flaschen schalt; An den tausend Messingscheiben, Wo das Blei am Faden hängt, Musst er sich erst müde treiben, Eh der Schlaf ihn süss umfängt. Liebchen kommt nun ihn zu küssen, Aber er vernimmt sie nicht, Himmlisch mild die Sterne grüssen Und er steht in vollem Licht, Und sie setzt sich ihm zu Füssen Und umfasset seine Knie, Sollt sie ihn nicht wecken müssen, Er erwachet sonst wohl nie. Leise kam sie erst geschlichen, Doch nun schreit sie ihm ins Ohr, Und der Schlaf ist nicht gewichen, Es ist ein verschlossnes Tor, Und sie nimmt die Bücher alle, Die ihn magisch tief versenkt, Hat die mächt'gen Geister alle In des Ofens Glut gesenkt. Und der Ofen wollt sich wundern, Schüttelt mit dem alten Kopf, Und aus allen alten Plundern Stieg so mancher grüne Knopf; Wüst im Kopfe, wild zum Schelten, Wacht er auf und schaut sie an, Die gern alles will entgelten, Wenn sie ihn nur retten kann. Aber er mit wilden Tritten Stösset Liebchen an die Erd, Höret nicht auf ihre Bitten, Sieht die Glut nur auf dem Herd: "O ihr Zeichen, ihr verbrennet, Nun ihr sie mir zugeführt, Ach woran wird nun erkennet, Ob die rechte ich erspürt! Wärst du Mädchen mir ganz eigen, Wie ein Mädchen lieben muss, Ganz geduldig dich zu zeigen, Wär gewesen dein Genuss; Wär ich Mädchen dir ganz eigen, Nimmer zweifelte ich mehr, Sondern müsst die Kniee beugen, Und mein Herz wär mir nicht schwer. Herrschen nicht und auch nicht dienen, Zweifel war mein Weltgeschick, Nur beschwören, nicht verdienen Lässt sich jedes Götterglück: Weibervorwitz, wer beschwört dich, Da es selbst nicht lieben kann, Denn die Liebste selbst, sie stört mich, Da ich war in ihrem Bann." Ehe noch der Flötenspieler sein wunderliches Lied ausgesungen hatte, war der Doktor schon herein getreten und hatte seine grosse Laute, zusammengesetzt aus Ebenholz und Elfenbeinstreifen, hervorgeholt und mit eingestimmt; am Schlusse sagte er: "Diesen elenden Gassenhauer habe ich noch auf der Walze gefunden, vorige Nacht habe ich aber eine grosse Sonate ausgearbeitet und auf eine neue Walze gesetzt, Sie sollen hören, dass die Maschine noch mehr kann." – Bei diesen Worten eröffnete er die Figur, und wo der Graf einen Menschen versteckt gemeint hatte, waren nichts als sehr verwickelte Messingräder; im Fussgestelle war die Walze eingesteckt, die alles trieb. Der Doktor schob eine andre ein, und ein sehr künstliches Spiel überraschte den Grafen. Der Doktor, mit grosser Kraft, sprang über einen Stuhl hinaus und rief: "Kommen Sie, das sind Kleinigkeiten, Sie sollen mehr sehen." – "Ich komme wieder", sagte der Graf zu dem unsichtbaren Mädchen, "wie soll ich dich nennen in meinen Gedanken." – "Arnika Montana", sagte sie leise. – Nun führte der Alte den Grafen in seine verschlossenen Zimmer, und zeigte Wunder an Wunder, aber nichts wirkte mehr auf ihn; er fühlte eine Art Schrekken, wie der Alte da unter verzauberten Menschen mit seinen Spässen lebe, die er über alles ergoss; so sagte er, als ihm der Graf den Hund zeigte, der noch immer auf den Hinterfüssen sass: "Abgelöst, mein Tierchen, wärst du gemalt, hätte es dir keine Mühe gemacht." – Die Rechenmaschine erklärte er ihm umständlich, auch die Bewegung des Totengerippes; als aber der Graf so als müssigen Einfall sagte: "Gut, dass die Rechenmaschine im Kopfe nicht so schnurrt und rasselt, das wäre in einem Handelskomtore nicht auszuhalten!" – da ward der Alte auf einmal ernst, faltete die Hände und beschwor