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Andern sind verändert. und ich selbst schäme mich meiner Furcht. Mich hat er nicht gestört, sagte der Graf, ich kenne ihn lange und sehe gern über ihn weg. Diese Ruhe und lauernde Kälte ist ja nichts Neues bei den Heiligen der Welt, und mich befremdet nichts, was von dieser Seite kommt. Nun, sagte die Gräfinn, morgen werden Sie ihn ja sehen. Es ist eine Abendversammlung in Teresens Lustschloss. Jedermann hat Zutritt im Garten, und es werden viel lustige Masken und Aufzüge dort erscheinen, indessen Sie und wir Alle, die zum engern Ausschuss gehören, seine Heiligkeit umgeben müssen. Rodrich war unaussprechlich erfreut Miranda wiederzusehen, und hoffte, ihre ruhige Heiterkeit werde ihn vor jedem feindseligen Einflusse bewahren. – So trennte er sich heiter vom Grafen und erwartete in stiller geheimnissvollen Rührung den folgenden Abend. Der erleuchtete Garten glänzte ihm schon von fern entgegen. Hohe duftende Blumenranken verbanden die Gebüsche und trugen in vielfachen Bogen farbige Lampen. Statüen und Springbrunnen traten in dem spielenden Glanze recht freudig hervor. Ueberall hörte man unsichtbare Musik. Auf dem Strome wiegten sich die beleuchteten Schiffe wie bunte Flammen, unzählige Masken drängten sich durch einander, Gesang, Spiel und Tanz wechselten in den verschiednen Gegenden des Gartens ab, und mitten aus der allgemeinen Verwirrung strahlte das Schloss auf den hohen Terrassen wie ein fester Stern. Von dort aus übersah man das Ganze mit einem Blick, die seltsamsten Erscheinungen drängten sich daran vorüber, während im Innern alles die Ruhe einer abgeschlossnen Welt atmete. Rodrich trat in die glänzende Versammlung, deren leises Flistern und stilles Wesen seltsam gegen den äussern Lärm abstach, Wie er dem Cardinal vorgestellt ward, fühlte er sich keinesweges durch dessen Anblick überrascht. Er war fest überzeugt ihn wo gesehen zu haben. Dies Bild hatte ihm immer vorgeschwebt, und jedem Geistlichen lieh er in der Erinnerung diese Züge und diese schreckende Kälte. Er zog sich indessen sogleich zurück und fand sich bald zwischen Miranda und Elwiren an einem geöffneten Fenster, das nach der Wasserseite sah. Das lustige Spiel der Menge nahm sie hier gefangen. Sie weideten sich an dem Reichtum und der geschmackvollen Anordnung prächtiger Masken. Ein Triumph des Aurelian mit der strahlenden Zenobia und dem gedemütigten Tetrikus zog mit allem ersinnlichen Pomp vorüber. Auf dem Strom schwamm dagegen ein künstliches Fahrzeug, das einen Neptun zwischen Tritonen und Nereiden zeigte. Ein neckender Proteus stand am Ufer und verwandelte Harlekin und Colombinen in Meerkälber und Ungeheuer, die er dann unter lautem Jubel den Strand entlang trieb. Alles drängte sich ihnen nach, während ein einsamer Sänger in wunderlicher alter Tracht aus dem Gebüsch trat und folgende Worte sang: Blumen süsses Angedenken, Blumen, meiner Liebsten Gabe, Seid ein Bild der kurzen Freuden, Die mit euch verblühend schwanden. Seh' euch todt nun vor mir liegen, Muss mit Wehmut die betrachten, Deren reiches, frisches Leben Freudig meinen Sinn erlabte. Zaid nimmt die welken Blumen, Drückt sie gegen Mund und Wange, Will mit Tränen sie benetzen, Will mit Küssen sie erwarmen. Und der Tränen helle Perlen Glänzen in des Mondes Strahlen. Bebend so in Lichtes Wonne, Spielen sie viel tausend Farben. Blumen, wollt auch ihr mich täuschen Neu erblüh'nd im mächt'gen Glanze? Wollt euch dem Gestirn verbünden, Das im Dunkel trüg'risch waltet. Leben habt ihr mir gelogen; Will nicht länger euch bewahren, Denn für solch ein falsches Leben Wähl' ich's einsam zu verschmachten. Und er wirft die Liebespfänder Von dem steilen Meeresstrande Tief hinunter in die Fluten, Sie auf ewig zu begraben. Wie die Blumen dort verschwimmen, Gar vergessend aller Farben, Hat die Trän auf ihren Blättern Bald zur Perle sich gestaltet. Perlen sind ja Liebestränen, Denn, von Wehmut süss umfangen, Ruht des Feuers ew'ger Funke Mild verklärt im stillen Wasser. Ruhig atmeten die Wasser, Sonne glänzt' im Liebeslichte, Und auf sanft bewegten Wellen Floss daher ein leichtes Schiffchen. Schön gebaut aus seltnem Holze, Reich geziert mit bunten Wimpeln, Deren rot und weisse Streifen Lieblich in der Sonne spielten. Auf den sammtnen Polstern ruhend, Unter seidnem Baldachine, Lacht in Jugend, Pracht und Schönheit Fatme, des Alhambras Zierde. Muntre Fischer ihr zu Füssen, Ihres Hofes edle Diener, Die, auf Fatmes Winken lauschend, Leicht geschürzte Netzchen hielten. Hell ertönten zu den Flöten Viele männlich schöne Stimmen, Und die Zauberkraft der Töne Drang hinunter in die Tiefe; Und es folgten gern dem Rufe Grün und goldgesprengte Fische, Aus der Tiefe sich erhebend Zu des Meeres obern Spiegel. Doch der Ton war ihr Verderben, Denn auf Schiffesrand sich schwingend, Warf das Netz ein feiner Knabe, Leicht erspäh'nd der Herrin Willen; Nahm sie allzumahl gefangen, Die im frohen Liebesspiele Sich erlabend an den Klängen, In den seidnen Kerker liefen. Er, ihr Schrecken nicht beachtend, Öffnete behend die Schlinge, Und was sich zuerst ihm zeigte, War der schönsten Perle Schimmer. Lächelnd wandt' er sich zur Herrin, Sprach mit höfisch feiner Sitte: Dir allein gebührt dies Kleinod, Sieh' in ihm dein göttlich Bildniss. Fatme nahm entzückt die Perle, Drückte sie an glüh'nde Lippen: Perle, mir vor allem teuer, Die so unverseh'ns ich finde. Will in feines Gold dich fassen, Sollst das Haar mir glänzend zieren, Und du, holder Knabe, lese Meinen Dank in meinen Blicken. Schöne Perle, schöne Perle,