highChunks/1803_Mereau_070_8191.txt -- topic 10 topicPct 0.158273383975

Dir getrennt, weil Du es wolltest, und wenn dies nicht wäre, und ich mir nicht so oft sagte, dass es Dein Wille ist, so wäre ich schon längst zurückgekehrt. – Ich fühle es täglich, dass ich in der Welt keinen Menschen, als Dich habe, für den ich lebe, dass ich nichts, gar nichts in der Welt habe, als meine Liebe zu Dir, in der ich aber so reich bin. – O! ich hoffe, ich darf Dir alles schreiben, was ich fühle, denn ich habe ja Niemanden, dem ich mich mitteilen möchte; nicht aus Demut, sondern aus Stolz. Es ist mir oft, wenn ich Andern meine Empfindungen sagen will, als wollt' ich Bettlern oder Unwissenden, Banknoten hingeben, und sie müssten mich auslachen, weil sie glaubten, ich wollte ihrer, mit dem Papier, wofür sie sich kein Brod kaufen können, spotten. – Sieh' so steh't es mit mir; Du, liebe Mutter, bist das einzige Wesen, dem ich angehören kann. Lass mich Dir ewig dienen in dem schönen Gewande, das Du mir um die Schultern gelegt hast, und das mit vollen malerischen Falten über ein Herz herunter wallt, worein Dein Bild so lieblich und treu gezeichnet ist, und das so gut ist, als Du Dir nur denken magst. -Ja mein Herz, ist mein einziger Stolz, mein einziger Trost, es müsste dann Deine Liebe verlieren, dann – ja, dann wäre ohnedies alles verloren. Aber Du wirst Dein Geschöpf nie aufgeben, und ich darf also sagen, dass mein Herz, in welchem Du lebst, mein einziger Trost, so wie mein Kopf, meine einzige Stütze werden soll. – Mutter! ich werde Dir dann ähnlicher sein – welch' eine Wollust ist mir der Gedanke, Dir ähnlicher! – Auch Dir ist Dein Herz, einziger Trost gewesen, und Dein Kopf mit der freundlichen Stirn, mit der hohen, feinen Miene, und der Schwermut in den schwarzen Augen, und der Liebe, der süssen und ernsten Liebe auf den Lippen. – Zwar habe ich Deine Leiden nie einsehen können, denn Du wurdest ja immer von allen geliebt, was Dich umgab, und durftest wählen, und konntest doch alle entbehren, weil Du in Dir selbst so reich warst, aber doch habe ich gefühlt, dass Du littest, und wie gross muss Dein Herz sein, dass Du bei Deinen eignen, vielleicht sehr verwickelten Verhältnissen, allen Deinen Freunden mit Deinem Rat und Deiner Liebe dienen konntest, als wär'st Du selbst von allen Sorgen gänzlich frei! – Auch ich hatte an dieser Vorsorge Anteil, und o! ich bitte Dich nochmals dringend! lass sie nie enden, lass mich nie frei sein! Diese Freiheit ist mir schrecklich, frei wie ein Einsiedler! – O! Mutter! Es wird Dir gewiss einst wohltun, einen Menschen, dem Du so viel gegeben hast, durch Dich und um Dich gross und gut werden zu sehen! – O könnte ich die Seeligkeit des Gefühls mit Dir teilen, das sich jetzt in meinem Herzen voll und wohltätig ausbreitet! In diesem Moment fühl' ich innig, wie viel besser, wie sehr gut ich schon durch Dich geworden bin. Dank, ewigen Dank! – Das Band, welches mich an Dich bindet, kann nicht mehr zertrümmern, denn Du hast so unendlich viel in mir erschaffen, was nicht aufhören, sondern immer wachsen muss. Du hast durch Deine Vortrefflichkeit, jede Art von Liebe in mir erregt. Ich ehre und liebe die Natur, die ein Geschöpf, wie Dich hervorbringen, die eine solche Schöpferin schaffen konnte. – O! dass Du einst mit Freuden auf mich, als Dein Werk sehen mögtest! Schreibe mir nur wenige Worte, ob es Dir wohlgeht, denn sonst muss ich gleich zu Dir hin, weil mich die Angst der Ungewissheit tödten würde! – Und, dann schreib mir auch, ob Dir mein Brief gefällt, und was Du nicht gerne von mir hörst, damit ich Dir mit freiem und un gedrücktem Herzen wieder schreiben kann, denn ich würde gewiss ewig jede Zeile beweinen, mit der ich Dir Verdruss gemacht hätte!" Wilhelm. Ich gestehe Dir Julie, dass ich diesen Brief nicht ohne Tränen habe lesen können. – Es ist eine Innigkeit darinnen, die unverkennbar aus dem Herzen kömmt, aber, was mich so unendlich schmerzt, – aus einem beklommenen Herzen. – So wert mir Wilhelm immer war; so wenig hab' ich doch, wie mir nun klar wird, auf das, was in ihm vorging, geachtet. – Seine innige Anhänglichkeit, nahm ich für die natürliche Ergebenheit eines dankbaren Kindes, sein Schweigen, seine stille Trauer in der spätern Zeit, für Ruhe oder Ge fühllosigkeit. – So entüllt doch meist erst die Entfernung, was in der Gegenwart verborgen blieb, und der Buchstabe kann oft leichter verkünden, was der Mund sich zu bekennen weigert! Indessen seh' ich keine nachteiligen Folgen für den Jüngling voraus – Ich stand ja vor ihm in allen den Beziehungen da, die nur die schönsten Gefühle des Herzens erwecken können, so dass das seinige wohl natürlich sich so an mich gebunden fühlen musste; und diese frühe Neigung, glücklich geleitet, vermag über sein ganzes Leben den schönsten zauberischen Duft zu hauchen, der alle Blüten desselben mit höhern Reizen beleben, und vieles Schädliche von ihm