highChunks/1803_Mereau_070_8183.txt -- topic 49 topicPct 0.212765961885

war, spielte uns der Zufall ein Lied in die Hände, das er dort gedichtet hatte. Hier ist es: Es seufzen bedeutend die Winde und stumm, die Wolken ziehn leidend, am Himmel herum. Sie quellen, sie fliehen die Täler entlang, und Träume durchziehen den Busen so bang. Der Tag ist verschwunden tief schweiget die Nacht, im Dunkel dort unten der Hammer nur wacht. Da klagt eine Flöte ihr Leid durch die Nacht, das stets mit der Röte des Abends erwacht. Es stürzet der Reuter den Waldsturz hinab, und weiter und weiter erreicht ihn sein Grab. O! Mutter nun weine die Trän' über ihn, dann glänzet im Scheine dir froher das Grün. Wenn Frühling besäumet den Hügel mit Flor, in Blumen dann keimet sein Geist dir empor. Sie blicken wie Augen sie suchen dich doch; sie winken und hauchen und lieben dich noch. Was mich bei diesen Strophen am meisten rührte, war die Stimmung, die ich darinnen durchschimmern sah. Ich fand eine Schwermut, die ich ungern in diesem jungen Gemüte bemerkte. Aber auf der andern Seite musste ich auch das Talent anerkennen, das ohngeachtet der Verworrenheit und den Mängeln die in dem Liede herrschen, doch unleugbar sich zeigt, und deutlich das Bestreben wahrnehmen lässt, die Eindrücke, die Bilder, die um ihn sind zu einem Ganzen zu gestalten und einen Sinn in sie zu legen. – Diese Strophen gaben zu einem Gespräch über Poesie im Allgemeinen Anlass, welches ich aufgezeichnet habe, weil es meine Freunde sehr genau charakterisirt und reich an auffallenden Bemerkungen ist, aber da ich nicht weiss, ob Dir der Gegenstand wichtig genug ist, ein langes Gespräch darüber nicht ungelesen bei Seite zu legen: so will ich erst Deine Entscheidung darüber abwarten, bevor ich Dir es schicke. Zwölfter Brief Amanda an Julien Ich weiss nicht, ob ich Dir schon in einem meiner Briefe geschrieben habe, dass ich einer baldigen Trennung von Antonio entgegen sähe. Seine Verhältnisse machen ihm eine Reise notwendig, und diese bevorstehende Entfernung lässt es mich erst fühlen, wie nahe er mir ist. Ja, Julie, mein Leben, das so lange dunkel war, erhellt sich wieder, und ich fühle meine Jugend schöner zurückkehren. Oft schien es mir, als sei ich von aller Liebe frei, und nun liebe ich mehr als jemals. Und wie sollt' ich anders? Des Weibes Natur ist Liebe; die Liebe befreit sie von allen quälenden, unedlen Neigungen, und sie lernt das Göttliche verehren, weil sie in dem Geliebten das Bild der Gotteit anbetet. – Die Stimmung, welche mein Gemüt durch Antonios Umgang, durch seine schönen, freien Ansichten vom Leben erhalten hat, dünkt mich reizender und freudiger, als die schönste, jugendliche Begeisterung. – Mit jedem Tage erscheint mir Antonio schöner, liebenswürdiger, und ein milder Zauber schmilzt sein Bild mit Eduards Andenken zusammen. Es ist nicht Bewunderung, nicht Achtung, Freundschaft mehr, was mich zu ihm zieht; es ist die süsse Gewalt der Neigung, die mich an ihn bindet. – Und so, Julie, seh' ich freudig seiner Zurückkunft entgegen. Zwar ist mir noch manches in seinen Verhältnissen dunkel geblieben, aber ich habe ein so entschiedenes Vertrauen zu ihm, dass es mir durchaus keine Unruhe macht. Ich hingegen habe schon längst keine Geheimnisse mehr für ihn, und Eduard war oft der Gegenstand unserer innigsten Gespräche. O! Julie! wie glücklich werde ich sein, wenn ich auf immer mit Antonio verbunden bin; denn die Ehe ist für gebildete Menschen, die sich lieben, gewiss der freieste und glücklichste Zustand! – Spottend wies ich lange alle Hoffnung auf Glück von mir, und nun winkt es mir so nahe, so freundlich; nun sehe ich mich geliebt, wie ich stets geliebt zu sein mich sehnte! – Ich kann Dir heute nichts mehr schreiben; meine Seele ist allzu verwirrt, betäubt von angenehmen, wunderbaren Bildern, aber ich lege Dir hier ein Liedchen bei, das Dir die Stimmung meiner Seele vielleicht deutlicher auszusprechen vermag. Es flieht das süsse Leben vom himmlischen umgeben, es hemmt kein träger Zwang des Geistes frohen Drang, und wehret den Gefühlen in Tönen sich zu kühlen in holder Verwirrung mich Stunden umspielen, wie Weste, im Frühling die Blüten durchwühlen. Schon floh'n des Lebens Sterne, die Heimat schien so ferne, in banger Sorge Grab zog's grausend mich hinab. Nun ist die Welt erheitert, des Lebens Bahn erweitert, und frei wie die Bienen im Blumental schweben, fliegt heiter mein Sinn durch das blumige Leben. Nur du hast mich gerettet, auf Rosen mich gebettet, der Liebe heil'ge Glut! du gabst der Seelle Mut, die Hoffnung die nie altet, die Freude schön gestaltet, und alle die Himmlischen sangen mir wieder, seit du mir erschienen, die goldenen Lieder. Geweiht zu hohem Leben, sie mich nun stets umgeben, gescheucht von ihrem Licht, nah't mir die Sorge nicht. Nur du, mit leisem Schauer der Sehnsucht heil'ge Trauer, du nah'st, und entzündest, zu höheren Leben die liebende Seele mit himmlischen Streben. Dreizehnter Brief Eduard an Barton Hier an den Ufern des Arno, nicht weit von dem blühenden Florenz, schreibe ich Dir, nach langem Schweigen wieder. Welch' eine reizende Umgebung verbreitet sich um mich her! Unter dem sanften Himmelsstrich prangt hier die Erde in der Fülle der reichsten