highChunks/1803_Mereau_070_8161.txt -- topic 75 topicPct 0.209523811936

tausendfach in mir auf. Und so war es denn ein Traum, das ganze wunderbare Glück unsrer Liebe? Eine Erscheinung, die flüchtig wie alles andere, und bedeutungslos verschwindet? – Ist es möglich, frage ich mich oft mit kindischem Zweifel, dass man so glücklich sein kann, wie wir es waren? so glücklich im Genuss der Gegenwart? – Vergangenheit umzieht ihre Freuden mit äterischem Duft, und reizt die Sehnsucht, nach unmöglichen Genüssen; die Zukunft kleidet ihre Bilder, in das blendende Gewand der Täuschung; die Phantasie zieht sich aus einer fremden Welt Paradiese herab, die nie sein werden – aber Gegenwart, Wahrheit; wenn auch diese so beseligen, so begeistern, dann, ja! dann ist es nur das Werk der Liebe, der Allesvermögenden! Aber wie selten finden sich so gleichgestimmte Seelen, wie selten vereinigt sie ein so wunderbares Band! – Ach! unendlich wie mein Glück, soll auch mein Schmerz es sein! Wie gern gäb' ich noch eine solche Zeit, wie diese war, zu leben, mein Dasein, mit allen übrigen Genüssen, dafür hin, und stürbe, mit dem letzten Kuss beglückt, in Deinen Armen! Ich habe Deinen Brief! Wie süss hab' ich geweint, als ich ihn las! – O! Allgewalt der Liebe, auch getrennt umwindest du deine Lieblinge, mit äterischen Blüten des Entzückens! – Ich hatte mich sehr auf diesen Tag gefreut, und wohl mir, dass die Hoffnung mich nicht betrog! Sie täuschet also doch nicht immer, diese Trösterin der Getrennten? – Wie wächst mein Vertrauen nach dieser Ueberzeugung! Beruhige Dich, Eduard, wir werden uns wiedersehen. Bekämpfe diese Heftigkeit, die Deine Gesundheit untergräbt; ach! sie ängstet mich unaussprechlich! – Hoffe Alles – die Zeit – unser Wille – ich bin ruhig – Nein, Eduard! ich kann Dir nicht heucheln, der schöne Bund der Aufrichtigkeit, den wir zusammen schlossen, soll unter keinem Vorwand, auch den gutmütigsten nicht von mir verletzt werden. Ich bin nicht ruhig. – Hoffnung und Zweifel belebt und tödtet mich; mein Geist entflammt in Sehnsucht, und das Leben ist Qual ohne Dich. -Wie wird sich das geheimnissvolle Benehmen Deines Vaters lösen? – Welche Pläne verschliesst sein Busen, die Dich vielleicht weit, weit von mir entfernen? und soll ich Dich vielleicht nie wiedersehn? Wilhelm, der einst unser kleine Vertraute war, spricht oft von Dir. Er kann die Stunden, die er bei Dir zugebracht hat, nicht genug rühmen, und wird oft ungeduldig, wenn ich ihm auf seine Fragen, mit trübem Blick versichre, dass Du noch immer nicht wiederkömmst. Der Knabe ist jetzt mein einziger Trost. In den ersten Tagen der Trennung, wo ich für Alles tod war, war auch er mir gleichgültig geworden, aber sein süsses Geschwätz, und der Gegenstand desselben, hat mir bald Teilnahme abzulocken gewusst. Seine Bildung beschäftigt mich nun wieder, das heisst, ich pflege die zarten Blumen, die die Natur in das kindliche Herz pflanzte, Wohlwollen, Frohsinn, Wahrheitsliebe. Du weisst, wie bittre Vorwürfe ich mir einst machte, dass ich ihm Verstellung abgedrungen hatte; ich suche es jetzt durch die einfachsten Erklärungen wieder gut zu machen, und jede Spur einer Handlung zu vertilgen, die nur die Liebe entschuldigen konnte. Täglich, stündlich ruht mein Blick auf den Lauben, den Schattengängen, wo wir beide oft, in lieblicher Einsamkeit, die schönsten Stunden unsers Lebens verträumten. Eduard! diese leise flüsternde Bäume, die stumm wankenden Schatten, haben eine Sprache, die bis in das Innerste meiner Seele dringt! Dann fühle ich mich oft so frei, so hoffnungsvoll, wie in den Tagen der Liebe. Aber bald fehlt mir der Einzige, und es stürmt von neuem in der Seele. Und keiner, keiner, der mein Leiden mit empfinden könnte! – Nur Du leidest in der Ferne mit mir. Einsam trauren wir beide, und der süsse Trost der Mitteilung ist uns versagt. Gute Nacht! ganz Dein. Ein und zwanzigster Brief Eduard an Amanda Nun bin ich hier in dem geräuschvollen * *, und statt meines Vaters, dessen Anblick allein einen Strahl von Freude in mein Herz zu senken vermogt hätte, fand ich bloss einen Brief von ihm. Er ist nach England gereis't, weil, wie er schreibt, Geschäfte, auf denen das Wohl von vielen beruht, dort seine Gegenwart verlangen. Nur den dringendsten Beweggründen, fährt er fort, vermöchte er seinen liebsten Wunsch, noch länger aufzuopfern. Er bittet mich um meine Nachsicht, und rechnet ganz gewiss darauf, in wenig Wochen wieder hier zu sein. – Und so muss ich nun ausharren, denn erwartete ich die Ankunft meines Vaters nicht: ich kehrte ohne Verzug zu Dir zurück. Ach, Amanda! ich bin so fern davon, ruhiger zu sein, dass meine Sehnsucht nach Dir, vielmehr mit jedem Tage zunimmt! – Täglich bin ich in Gesellschaft; die Menschen sind gefällig, zuvorkommend gegen mich; manches weibliche Auge glänzt mir entgegen, aber ich bin für alles kalt und fühllos. Wie anders, ach! wie ganz anders war es, wenn ich bei Dir war, welche Stunden der Weihe, der Begeisterung, der Liebe! Du weisst es nicht, was Du bist, Amanda, und dies macht Dich eben so schön! wie eine Heilige verehre, bet' ich Dich an! Du glaubst nicht