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allein auf diesen drei Lichtern, die in dem Bilde herrschen und sich auf allen Punkten auswechseln."
"Es scheint," sagte Godwi, "als wären die Blumen in einem Opfer entzündet, und alles andere sei nur ein Gedicht, das sich in ihren Dampfwolken gebrochen habe, um zu erscheinen, und als wäre das Mädchen nur der Mittler zwischen ihnen und dem Himmel, denn in diesen Blumen liegt ganz der Charakter von Wallpurgis Gestalt und des Himmels. Es ist, als seien die Blumen nur die Darstellung ihres Leidens, das schon stille geworden, und ihre traurigen Blicke ins Leben, so wie der feurige Himmel ihr brennendes Begehren nach dem Tod. Nach dieser Ansicht ruht der Mittelpunkt des ganzes Bildes in ihrem Busen, dessen Schmerz und Andacht ich deutlich in mir fühle; ist es nicht, als sähe man, wie ihr Herz bricht? Ihr ganzes Haupt bis auf die Brust wird gierig vom Himmel angesogen, und von da, wie es schwer niederdringt, als zögen es Bande des Blutes hinab."
"Und dennoch ist auch hier kein Ruhepunkt," sagte ich, "denn auch die Glut des Himmels ist die Mutter des Ganzen: ist diese Röte des Abends nicht reine Sehnsucht im Äter reflektiert, und ist Sehnsucht nicht Abendrot in der Empfindung, und ist das Bild etwas anders als Sehnsucht im Äter, Sehnsucht in der Pflanze, und Sehnsucht im Mädchen?"
Godwi sagte: "Es ist schön, wie die Natur unsere Ansicht begleitet hat, es ist nach und nach dunkel geworden, das Bild hat sich doppelt bewegt, in seinem Lichte, und in der Beleuchtung des Tages. – Die stille Fackel des Mädchens ist verloschen, die Blumen sind gestorben, die Schatten der Bäume haben ihre Arme um den Schmerz gelegt, die glänzende Pforte des grünen Gewölbes schliesst sich der schönen Bahn, auf der die ganze Bescheinung hingezogen ist, nun ruhet das arme Herz, lebe wohl, Wallpurgis!"
Es war dunkel geworden, und wir hatten es nicht bemerkt. Wir verliessen nun die Stube, um ein anderes Gemälde zu besehen, das den Geliebten Wallpurgis' vorstellt, wie er abends unter den Leichenmännern die Nachricht von ihrem Tode empfängt. Godwi sagte mir, dass dieses Bild sehr gut bei Licht gesehen werden könne, weil es selbst ein Nachtstück sei, und er steckte zu diesem Zwecke eine Lampe an, die an der Decke angebracht war.
Vorher teilte er mir aber noch ein Gedicht mit, welches Franzesko, während er das vorige Gemälde verfertigte, gemacht hatte. Es ist italiänisch, und in dieser Sprache wirklich voll Wärme, doch gleicht es seiner Schwester, dem Gemälde, bei weitem nicht; ich habe es den folgenden Morgen zu übersetzen gesucht, aber es war durch die Eigentümlichkeit seines Ausdrucks ebenso schwer, als das Gemälde zu kopieren sein würde. Diese Übersetzung füge ich hier bei und bitte, dass Sie immer Ihre Augen auf das Bild wenden, während Sie sie lesen.
Über dem Gedichte standen folgende Worte in Prosa, als Einleitung:
Es wollte Abend werden, da sass ein alter Harfenspieler an einem öffentlichen Spaziergange, um ihn her wandelten Jünglinge und Männer, die sich teils geschäftig bewegten, teils gravitätisch schritten und sehr nachdrucksvolle Bewegungen machten; einige lächelten auch bedeutend, oder sahen gerührt gegen den Himmel; keine Jungfrau war zugegen, die Schüchternheit hatte sie zurückgeführt in ihre Wohnungen, sie sassen in dem einsamen Garten des Hauses oder an dem Fenster ihrer Kammer, und sehnten sich, wie sich die Jungfrau Gottes sehnte, ehe der Geist über sie kam. Das wusste der Greis, denn es war ihm sein liebstes Kind gestorben, ach! und er wusste ja nichts als das. Sie sagten von ihm, wenn sie an ihm vorübergingen, er sei ein schwärmerischer Mann, der nur Ideale im Kopf habe, und dem es an respektablen Gefühlen mangle. Er aber sang folgendes Lied zu seiner Harfe.
Der Abend
Nach seiner Heimat kühlen Lorbeerhainen
Schwebt auf der goldnen Schale
Schon Helios, es glühen rings die Wellen,
Der Ozean erschwillt in frohen Scheinen,
Die wie mit Blitzesstrahle
Die ernste Nacht der fernen Ufer hellen,
Und über alle Schwellen
Ergiesst der Gott die stillen Feuerwogen
Zum ewgen Himmelsbogen,
Dass von den Bergen durch das dunkle Leben
Des Tages Flammen wiederhallend beben.
Hoch auf den Bergen wehen seine Flammen,
Den raschen Mann zu führen,
Der seiner Reise Ziel noch nicht errungen,
Er strahlet mit dem Glanze stets zusammen,
Wenngleich die Füsse gleiten,
Bleibt von dem Lichte doch sein Haupt
umschlungen.
Nie von der Nacht bezwungen,
Lenkt ruhig nach der Sterne heilgem Feuer
Das ernste Schiff den Steuer
Und wandelt heimwärts durch die dunkeln Fluten,
Vertrauend auf des Leuchtturms hohe Gluten.
Vom kühnen Felsen rinnen Lichter nieder,
Die Täler zu ergründen,
Und wo des Feuers milde Quelle ziehet,
Verglimmen bald des Haines wilde Lieder,
Denn alle Töne schwinden,
Bis sie des Abends Flammen rein geglühet –
Und welch ein Lied erblühet –
Es flicht die Nachtigall die goldnen Schlingen
Und süss gefangen ringen
Im Liede Liebesschmerz und Schmerzes-Liebe,
Dass Schmerz in Liebe, Lieb in Schmerz sich übe4.
So drang der Töne Frühling aus dem Schweigen,
So auch in reinen Seelen
Des Tages wilde Kämpfe bald zerrinnen,
Wenn Lieb und Schmerz sich hold
zusammenneigen,
Die Zwietracht zu verhehlen,
Und rührend doch den ewgen Streit beginnen.
Ach keine mag gewinnen! –
Ein Wundergift fliesst beiden von den Pfeilen,
Zu töten und zu heilen