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, nicht leben, lass uns die Welten verbinden." Sie war heftig gereizt, ich rief den Arzt, der nun im Hause wohnt, er war über ihren Zustand sehr verlegen. Ich konnte nicht mehr zugegensein, ihre Mutter ging zu ihr, und ich trat in den Garten. Da ich an die Stelle kam, wo wir gesessen hatten, fiel mir Wallpurgis Rede ein, und ich betrachtete die Blumen aufmerksam. Da steht ein Rosenstock, den sie einstens selbst gepflanzt, und seiter immer gepflegt hatte, in der letzten Zeit aber, da sie der Liebe erlag, vernachlässigte sie ihn, und er war umgekommen bis auf einen Zweig, der eine weisse Rose trug, die dem Verwelken nahe war. In dieser Blume schien sie sich gesehen zu haben, denn neben ihr steht eine Lilie, die ich pflanzte, als wir uns das erstemal sahen, die Lilie beugt das Haupt nieder, und leert ihren Kelch über der Rose aus sie ahndete ihren Tod, und mir ist es ebenso.
Mir war eigentlich nur stille zu Mute, traurig nicht, dies Wesen ist nun schon ganz mein Leben, und man kann in jedem Leben zur ruhigen Erhebung gelangen. Ich setzte mich in das Gartenhaus, dessen Fenster auf die Landstrasse geht, und schlief allmählich ein. Ich möchte vergehen, Marie, vor Ärger, plötzlich störte mich etwas, ich erwachte: ein Mann hatte mich vertraulich umschlungen, und küsste mich, ich schrie um Hülfe, und er sprang zum offen stehenden Gartenfenster mit einer lächerlichen Leichtigkeit hinaus. Es war so närrisch, dass ich mich umsehen musste, da hörte ich ihn in den Büschen singen:
Non gridate per aiuto
O lo farò senz' ogn' aiuto.
Ich empfand nie einen lächerlichern Widerwillen, die Bedienten der Gräfin liefen ihm nach, aber sie fanden niemand.
Ich habe dies gleich nach dem abgeschmackten Vorfalle geschrieben, und jetzt will ich Wallpurgis noch gute Nacht sagen. Lebe wohl! grüsse Joseph, und sag dem Vater, ich wäre wieder ruhig. Ich bin gerne hier, denn dieser Aufentalt stärkt mich für mein ganzes Leben.
Annonciata
Marie ward sehr traurig durch diesen Brief, so auch Joseph und der Vater; dieser sagte:
"Man sollte nicht denken, was die Umgebung der Mutter auf das Kind für einen Eindruck machte. Einige Monate lang vor Annonciatens Geburt war ihre Mutter sehr traurig über den Tod ihrer Eltern, und bald darauf des jungen B. wegen, der sich aus Liebe zu ihr das Leben nahm; so ist das Mädchen in Kummer und Ängsten geworden, und muss nun ewig das Zeugnis davon in ihrem trüben Gemüte tragen."
Bald hierauf kam noch ein Brief von der Gräfin selbst: sie bat Wellner, ihr Annonciaten noch zu lassen, weil ihre Tochter gewiss früher ohne sie sterben würde; sie lobte dabei sehr Annonciatens vortreffliche Seele und versprach, ihr einstens alles zu vergelten.
Da einige Tage nachher die Zeit von Josephs Abreise sehr nahe war, und der Vater sehr gern den Genueser mit Annonciaten bekannt gemacht hätte, so nahm er den Vorwand, dass Joseph sie noch einmal sehen müsse, und fuhr mit ihm, Marien und dem Italiäner nach dem Gute.
Vierundzwanzigstes Kapitel
Ich hatte gegen das Ende meiner Beschäftigung etwas im Gebüsche rauschen hören, und da ich sah, dass es Georg der Diener war, der am Teiche stand und die Fische fütterte, rief ich ihn herein, um ihm Unterricht auf der Laute zu geben. Als ich ihn die ersten Töne und einige Akkorde gelehrt hatte, begriff er es gar bald, und wünschte nur, dass er besser singen könnte. Ich bat ihn, leise und gelinde eine Melodie zu singen; er weigerte sich auch nicht lange, und sang folgendes Lied mit einem wehmütigen Tone:
Ein Fischer sass im Kahne,
Ihm war das Herz so schwer,
Sein Liebchen war gestorben,
Das glaubt' er nimmermehr.
Und bis die Sternlein blinken,
Und bis zum Mondenschein
Harrt er, sein Lieb zu fahren
Wohl auf dem tiefen Rhein.
Da kömmt sie hergegangen
Und steiget in den Kahn,
Sie schwanket in den Knieen,
Hat nur ein Hemdlein an.
Sie schwimmen auf den Wellen
Hinab in tiefer Ruh,
Da zittert sie und wanket;
O Liebchen, frierest du?
Dein Hemdlein spielt im Winde,
Das Schifflein treibt so schnell;
Hüll dich in meinen Mantel,
Die Nacht ist kühl und hell.
Sie strecket nach den Bergen
Die weissen Arme aus,
Und freut sich, wie der Vollmond
Aus Wolken sieht heraus.
Und grüsst die alten Türme,
Und will den hellen Schein
Mit ihren zarten Armen
Erfassen in dem Rhein.
O setze dich doch nieder,
Herzallerliebste mein!
Das Wasser treibt so schnelle,
O fall nicht in den Rhein.
Und grosse Städte fliegen
An ihrem Kahn vorbei,
Und in den Städten klingen
Der Glocken mancherlei.
Da kniet das Mädchen nieder
Und faltet seine Händ
Und seine hellen Augen
Es zu dem Himmel wendt.
Lieb Mädchen, bete stille,
Schwank' nicht so hin und her,
Der Kahn, er möchte sinken,
Das Wasser treibt so sehr.
In einem Nonnen-Kloster
Da singen Stimmen fein
Und in dem Kirchenfenster
Sieht man den Kerzenschein.
Da singt das Mädchen helle
Die Metten in dem Kahn,
Und sieht dabei mit Tränen
Den Fischerknaben an.
Der Knabe singt mit Tränen
Die Metten in dem Kahn,
Und sieht dabei sein Mädchen
Mit stummen Blicken an.
So rot und immer röter
Wird