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der Künstler erschüttern mich nicht, und in meiner Brust ist hell und deutlich geschrieben: Dahin magst du auch noch gelangen; die Werke der grossen Meister erscheinen mir dann wie ferne Städte, nach denen sich mein wanderndes Leben hinsehnt, und die ich in warmen Frühlingstagen wohl auch noch erreichen möge. Wenn dein holdes Bild vor mich tritt, meine Liebe, so ist mir, als harrtest du meiner dort, als wohntest du in jenen glänzenden Städten, sie wären deine Heimat, du sehntest dich nicht heraus: wie eine schöne wunderbare Blume bewachte dich der Genius der heiligen Fremde und verehrte dich in geheimnisreichem Gottesdienste. Als hohe in sich selbst verwandte Mächte In heilger Ordnung bildend sich gereiht, Entzündete im wechslenden Geschlechte Die Liebe lebende Beweglichkeit Und ward im Beten tiefgeheimer Nächte Dem Menschen jene Fremde eingeweiht; Ein stilles Heimweh ist mit dir geboren, Hast du gleich früh den Wanderstab verloren. Die Töne ziehn dich hin, in sanften Wellen Rauscht leis ihr Strom in Ufern von Kristall, Sirenen buhlen mit der Fahrt Gesellen, Aus Bergestiefen grüsst sie das Metall, Der Donner betet, ihre Segel schwellen, Aus Ferne ruft der ernste Widerhall; Die Wimpeln wehn in bunten Melodieen, O wolltest du mit in die Fremde ziehen. Die Farben spannen Netze aus und winken Dir mit des Aufgangs lebenstrunknem Blick, In ihren Strahlen Brüderschaft zu trinken. Am Berge weilen sie und sehn zurück – Willst du nicht auch zur Heimat niedersinken? Denn von den Sternen dämmert dein Geschick; Die fremde Heimat, spricht es, zu ergründen, Sollst du des Lichtes Söhnen dich verbünden. Auch magst du leicht das Vaterland erringen, Hast du der Felsen hartes Herz besiegt, Der Marmor wird in süssem Schmerz erklingen, Der tot und stumm in deinem Wege liegt: Wenn deine Arme glühend ihn umschlingen, Dass er sich deinem Bilde liebend schmiegt, Dann führt dich gern zu jenen fremden Landen Dein Gott, du selbst, aus ihm und dir erstanden. Dich schreckt so stiller Gang, so schwer Bemühen, Du sehnest dich in alle Liebe hin, Des Marmors kalte Lippe will nicht glühen, Die Farbe spottet deiner Hände Sinn, Die Töne singen Liebe dir und fliehen; Gewinnst du nicht, so werde selbst Gewinn, Entwickle dich in Form, und Licht, und Tönen, So wird der Heimat Bürgerkranz dich krönen. O freier Geist, du unerfasslich Leben, Gesang der Farbe, Formen-Harmonie, Gestalt des Tons, du hell lebendig Weben In Nacht und Tod, in Stummheit Melodie, In meines Busens Saiten tonlos Beben, Ersteh in meiner Seele Poesie: Lass mich in ihrer Göttin Wort sie grüssen, Dass sich der Heimat Tore mir erschliessen. Ein guter Bürger will ich Freiheit singen, Der Liebe Freiheit, die in Fremde rang, Will in der Schönheit Grenzen Kränze schlingen Um meinen Ruf, des Lebens tiefsten Klang Mir eignen, ihn mit Lied und Lieb erringen, Bis brautlich ganz in Wonne mein Gesang, Gelöst in Lust und Schmerz das Widerstreben, Und eigner Schöpfung Leben niederschweben. Du sollst dies Buch nicht lesen, denn ich liebe dich, und was ich in dir liebe, ist dieses Buch Unwert, und der Wert des Lebens, die Poesie – dass ich hier zu dir spreche, ist meines Herzens innrer Drang, du hast mich gefangen, und bist mir die höchste Lehre. O ich möchte dichten, wie du da stehst, wie du wandelst und blickst, ich möchte denken, wie du gedacht bist, und bilden, wie du geschaffen bist. Wie freundlich würde dann mein Werk mir in die Augen sehn, wie würdig sich dem Gedanken des Gebildeten in seiner Unschuld gesellen, denn Würde ist Unschuld der freien Hoheit; wie würde ich mein innres Leben gleich der Mutter meines Werkes verehren, und es rein erhalten von dem Übermute einzelner Kräfte, die roh und gewaltig wie ewiger Sturm die schöne Tätigkeit der Ruhe in mir vernichten. Ich würde mich selbst schätzen, um des Schatzes willen, der in dem Menschen und der Natur verborgen liegt, aus dem ich glänzende Edelsteine zu Tage gefördert, sie geschliffen und zu künstlichen Geschmeiden meiner Liebe, meines Lebens, aller Liebe und alles Lebens gebildet hätte. Dir würde ich den herrlichen Schmuck anlegen, und du wärest eins mit diesem Schmucke. In deinem Auge und dem Diamant bricht sich der leuchtende Strahl, aber mein Diamant würde blicken wie dein Aug, mein Werk würde schweben wie dein Gang, wie deine Lippe würde es singen, den Sinn würde es hinabziehen wie die Woge deines Busens, es würde umfassen wie dein Arm, und lieben wie dein Kuss; rein wäre mein Werk, gross, von sich selbst durchdrungen, und vom ganzen Leben tätig begrenzt, wie die Seele des Menschen. Ich fühle tief in meinem Herzen, wie die Jünglinge jetzt dastehen, da sich die Zeiten trennen und die Philosophie mit der Reflexion alle Töpfe des Prometeus zerschlägt; traurig sehn sie ihr kindisches Bilden zertrümmert, und vergehen in weinerlichem Entusiasmus. Gerne möchten sie das Feuer vom Himmel stehlen, und fürchten, dass der schreckliche Gott sie an den Felsen schmiede, des Geiers ewige Nahrung. – O ihr hängt schon an dem Felsen, unbeweglich seht ihr den Wechsel des Tages und des Jahres: weder der leichte Flug des Vogels über eurem Haupte, noch das Rauschen des Stroms, der des Himmels Spiegel zu euern Füssen wälzt, löst eures Todes Band. Ihr vermögt nicht die Blume des Tales zu ergreifen, denn eure