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in tiefer Einigkeit mit allem, was hier um und um mich lebet. Wenn der Sturm das Meer umschlinget, Schwarze Locken ihn umhüllen, Beut sich kämpfend seinem Willen Die allmächtge Braut und ringet, Küsset ihn mit wilden Wellen, Blitze blicken seine Augen, Donner seine Seufzer hauchen, Und das Schifflein muss zerschellen. Wenn die Liebe aus den Sternen Niederblicket auf die Erde Und dein liebstes Lieb begehrte, Muss dein Liebstes sich entfernen. Denn der Tod kömmt still gegangen, Küsset sie mit Geisterküssen, Ihre Augen dir sich schliessen, Sind im Himmel aufgegangen. Rufe, dass die Felsen beben, Weine tausend bittre Zähren, Ach, sie wird dich nie erhören, Nimmermehr dir Antwort geben. Frühling darf nur leise hauchen, Stille Tränen niedertauen, Komme, willst dein Lieb du schauen, Blumen öffnen dir die Augen. In des Baumes dichten Rinden, In der Blumen Kelch versunken, Schlummern helle Lebensfunken, Werden bald den Wald entzünden. In uns selbst sind wir verloren, Bange Fesseln uns beengen, Schloss und Riegel muss zersprengen, Nur im Tode wird geboren. In der Nächte Finsternissen Muss der junge Tag ertrinken, Abend muss herniedersinken, Soll der Morgen dich begrüssen. Wer rufet in die stumme Nacht? Wer kann mit Geistern sprechen? Wer steiget in den dunkeln Schacht, Des Lichtes Blum zu brechen? Kein Licht scheint aus der tiefen Gruft, Kein Ton aus stillen Nächten ruft. An Ufers Ferne wallt ein Licht, Du möchtest jenseits landen; Doch fasse Mut, verzage nicht, Du musst erst diesseits stranden. Schau still hinab, in Todes Schoss Blüht jedes Ziel, fällt dir dein Los. So breche dann, du tote Wand, Hinab mit allen Binden; Ein Zweig erblühe meiner Hand, Den Frieden zu verkünden. Ich will kein Einzelner mehr sein, Ich bin der Welt, die Welt ist mein. Vergangen sei vergangen, Und Zukunft ewig fern; In Gegenwart gefangen, Verweilt die Liebe gern, Und reicht nach allen Seiten Die ewgen Arme hin, Mein Dasein zu erweiten, Bis ich unendlich bin. So tausendfach gestaltet, Erblüh ich überall, Und meine Tugend waltet Auf Berges Höh, im Tal. Mein Wort hallt von den Klippen, Mein Lied vom Himmel weht; Es flüstern tausend Lippen Im Haine mein Gebet. Ich habe allem Leben Mit jedem Abendrot Den Abschiedskuss gegeben, Und jeder Schlaf ist Tod. Es sinkt der Morgen nieder, Mit Fittichen so lind, Weckt mich die Liebe wieder, Ein neugeboren Kind. Und wenn ich einsam weine, Und wenn das Herz mir bricht, So sieh im Sonnenscheine Mein lächelnd Angesicht. Muss ich am Stabe wanken, Schwebt Winter um mein Haupt, Wird nie doch dem Gedanken Die Glut und Eil geraubt. Ich sinke ewig unter, Und steige ewig auf, Und blühe stets gesunder Aus Liebes-Schoss herauf. Das Leben nie verschwindet, Mit Liebesflamm und Licht Hat Gott sich selbst entzündet In der Natur Gedicht. Das Licht hat mich durchdrungen, Und reisset mich hervor; Mit tausend Flammenzungen Glüh ich zur Glut empor. So kann ich nimmer sterben, Kann nimmer mir entgehn; Denn um mich zu verderben, Müsst Gott selbst untergehn." Die Harfe lag, während er sprach, schon an seiner Brust, wie ein Teil seines Gemüts und seiner Äusserung. Ich empfand erst in der Mitte seines Liedes, dass er sie spielte, so leise hatte er angefangen. Alles das hatte sich verschlungen und durchdrungen, ohne dass ich irgend einen Übergang sah. Morgen schreibe ich dir weiter; ich habe den Greis verlassen, sitze hier auf meiner Kammer, weine und bete; der Abend kömmt schon, von ihm den Abschiedskuss zu fordern. O lebe wohl! Godwi an Römer Ich will dir nun weiter erzählen, was Werdo sprach. Als er sein Lied geendigt hatte, sagte er: "Sieh, keiner konnte mich mit Trost erquicken, drum habe ich in mir das Wort getilget, und lebe wie Natur, in freien und ungebundenen Tönen. Du bist ein Mensch wie wenige gebildet, denn aus dir spricht, was andre träg verstecken, und was mir nur die leblose Natur gezeigt. Die Sitte ist in dir Gesetz geworden, nach dem die Sonne auf und nieder gehet, und alles kann ich gleich erwarten, denn nirgends willst du überraschen, und nimmer folgst du ihr, die dich begleitet. Doch das soll dich nicht eitel machen, denn ein Gedicht der ewigen Natur ist Demut. Auch kannst du es nicht bilden, oder weiter in dieser hohen Gabe vorwärtsschreiten, denn alles Wissen ist der Tod der Schönheit, die in uns wohnet und dieselbe wäre, wär gleich die Wissenschaft noch nicht erfunden. Mein Lieber, vieles muss ich dir verbergen, und in den ersten Augenblicken warst du schrecklich. Die Vorzeit, die ich mir mit Mühe und vielen tiefen Schmerzen abgewöhnte, sie trat aus dir mir drückend bang entgegen, und Zukunft rann so hell aus den Augen, dass ich mit Sehnsucht schon hinübersah. Es war kein Bleiben sonst auf Erden, darum habe ich am Felsen dort den Quell zum Teich gehemmt, der immer mich auf seinen wilden Wellen in ferne Zeit mit Sehnsucht hingezogen. Jetzt steht er still, kein Schwinden und kein Kommen, und jede Welle, die sich regt, umarmt die andre, die ihr froh entgegenwallt. Und mir ward wohl! Als du nun vor mich tratst, so wars, als wollte Vergangenheit mir schnell zum toten