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sprang er heftig auf, stürzte in meine Arme und weinte zitternd. Otilie fragte ihn neulich bei einem ähnlichen Falle, was ihn so bewege. Er erwiderte: "Bei euch kann ich nicht bleiben; du Vater bist gut, und du Otilie, ach wie gut bist du! bringst du den Armen das Brot nicht entgegen, und batst du nicht für meinen Freund das Reh, als es der böse Jost totschiessen wollte? Euch beiden kann ich nichts helfen, ich will zu den andern armen Menschen, von denen der Vater mir sagt, dass sie nicht gut seien, die will ich lieben, so lieben, so freundlich mit ihnen sprechen, dass sie alle werden müssen, wie ihr seid. Ach! und meine Mutter, meine Mutter, die grosse freundliche Frau, will ich sehen – wie sie meiner denken wird, und wenn sie mich sieht, dann wird sie erst meiner gedenken."
Madam, ich hoffe Sie bald zu sehen, denn ich werde nicht lange mehr hier wandeln; was soll ein Toter hier im Leben? Meine Augen können das Licht der Sonne nicht mehr ertragen. Der West erstarret meine Glieder, und das Lied meiner Harfe hallt nicht mehr so laut aus den Gewölben meiner Wohnung, und ich leide zu viel, um Otilien mitleiden zu sehen. Meine Hülle vermag die Glut meines Herzens nicht mehr zu umfassen, ich werde bald ein Aschenhaufen in mich selbst zusammensinken.
Weste säuseln; silbern wallen
Locken um den Scheitel mir.
Meiner Harfe Töne hallen
Sanfter durch die Felsen hier.
Aus der ewgen Ferne winken
Tröstend mir die Sterne zu.
Meine müden Augen sinken
Hin zur Erde, suchen Ruh.
Bald, ach bald wird bessres Leben
Dieses müde Herz erfreun,
Und der Seele banges Streben
Ewig dann gestillet sein.
Schwarzer Grabesschatten dringet
Um den Tränenblick empor,
Aus des Todes Asche ringet
Schönre Hoffnung sich hervor.
Meines Kindes Klage hallet
Durchs Gewölbe dumpf und hohl,
Idolmios Zunge lallet
Jammernd mir das Lebewohl
Zu der lang ersehnten Reise.
Senkt mich in der Toten Reihn.
Klaget nicht, denn sanft und leise
Wird des Müden Schlummer sein.
Und du Gute nimmst die Beiden
Mütterlich in deinen Arm,
Linderst meiner Tochter Leiden,
Lächelst weg des Knaben Harm.
Aus des Äters lichter Ferne
Blickt dann Trost der Geist euch zu.
Es umarmen sich zwei Sterne
Und ihr Kuss giebt allen Ruh.
Schwermut glänzt des Mondes Helle
In mein tränenloses Aug,
Schatten schweben durch die Zelle,
Seufzer lispeln, Geisterhauch
Rauschet bang durch meine Saiten,
Horchend heb ich nun die Hand,
Und es pochen, Trost im Leiden,
Totenuhren in der Wand.
Sie werden meine Tochter lieben, und werden bald ein glückliches Weib sein. Es ahndet mir eine grosse, grosse Freude. Dürfte ich ihn wählen, den süssen Tropfen, in dessen Rausche ich das grosse Mass meines Kummers vergessen möchte, so wäre es das Bild der Versöhnung durch Reue und der Erkenntnis gegenseitigen Werts, so wäre es meine Seligkeit, das Kind meiner Marie in einem edlen Manne zu sehen. Der ist kein edler Mensch, der sich nicht freut der Liebe im Arme seines Nebenbuhlers, und der ist ein niedriger Mensch, der sich nicht freut des Werts der Kinder, deren Vater er hätte sein können. Wir beide waren die Betrognen, wir beide werden verzeihen können, und ich werde fröhlich sterben, vor Freude werde ich sterben; der einzige Plan meines Lebens, der mir gelingen sollte, sollte der meines Todes sein. Sonderbar steht dieser ungeheure Gedanke vor mir. Ach! alle meine Tränen sind geweint. Wo soll ich Tränen der Freude hernehmen? Ich werde in die Nacht meines Grabes sinken über dem Tage, der an seinem Rande aufgehen wird.
Sonderbar ist das Gewebe meines Lebens gewesen, ein Geheimnis liegt über ihm, keine Staaten-Verhältnisse, keine sogenannten Wichtigkeiten, Menschenliebe und Duldung haben ihm das Siegel eiserner Verschwiegenheit aufgedrückt. Und das alles wird sich um uns drehen, diese Freudensphäre wird auf meinem Grabe stehen wie der Fuss des Regenbogens, unter dem in meinem Vaterlande ein freundlicher Aberglaube Schätze wähnt. Trösten Sie sich, edles Weib, Sie werden hier und ich dort belohnt sein. Ich breche ab, ein Fremder tritt herein, es ist mir leid um die Zeilen, die Eusebio Ihnen schreiben wollte.
Werdo Senne
Godwi an Römer
Wenn du bei mir wärest, mein Lieber! und ich könnte die Lampe auslöschen, und beim grossen freundlichen Sternenlicht und dem ehrlichen Monde traulich Hand in Hand mit dir sitzen und plaudern, ich würde dir dann wahrer und wärmer alle die Freuden und Empfindungen ans Herz legen können, die mich seit unserer letzten Unterredung umarmen. Ich wandle nicht mehr in den finstern Gängen und düstern Gemächern ehemaliger Verdienste um das Vorurteil. Verdamme mich nicht mehr, dass ich vom äussersten aufs äusserste falle; du kannst sehen, dass ich den Weg der Zeit gegangen bin. Aus einem freundlichen Landhause in eine alte Burg und von da gar auf eine Ruine, an die der Einsiedler seine Wohnung gebaut hat. Ist dies nicht der Weg der Zeit? –
Ich lebe und liebe – denn was bleibt dem Leben ohne Liebe? – der Tod – in der Wohnung des Einsiedlers, von dem ich dir schrieb. Er hat sie in die Trümmer des Reinhardsteins, eines alten Schlosses, gebaut, um dort, wie er sagt, die Menschen seine Klagen nicht hören zu lassen, und ihre Lügen nicht zu hören. Die Grossen in