highChunks/1799_Vulpius_102_22107.txt -- topic 10 topicPct 0.222570538521
sagte Fortunata. – "Ich zahle alles, was sie auf mich assigniert."
Sie verliess das Zimmer, sich umzukleiden, wie sie sagte. – Indessen suchte sich Rinaldo zu orientieren und sah jetzt, was er vorher nicht gesehen hatte, dass er sich in einem prächtig ausmöblierten Zimmer befand. Was er sah, zeigte Wohlstand und Geschmack, mit mehr als bürgerlicher Pracht vereint. – Er betrachtete ein schönes historisches Gemälde, als Fortunata eintrat, in ein gefälliges Gewand gleichsam mehr geworfen als verschlossen, ihn bei der Hand nahm und in ein anderes Zimmer führte, welches dem erstem nichts nachgab.
In diesem Zimmer kam es zu einer weit interessanteren Unterhaltung, die aber bald durch die Nachricht unterbrochen ward, es sei aufgetragen. Rinaldo wurde in ein glänzendes Tafelzimmer geführt und ass an einer wohlbesetzten Tafel mit seiner schönen Wirtin, von zwei artigen Mädchen bedient, allein. Die Unterhaltung wurde lebhafter, die Becher wurden fleissig geleert, und als der Nachtisch aufgetragen war, entfernten sich die aufwartenden Mädchen.
"Ich liebe" – sagte Fortunata, – "die Freuden einer interessanten Unterhaltung bei einer gut besetzten Tafel, doch nur, wenn ich sie mit einem Freunde teilen kann. Seit ich hier in Cagliari wohne, habe ich, Fiamettens Gesellschaft ausgenommen, grösstenteils allein gegessen. Es hat mir daher heute alles viel besser als gewöhnlich geschmeckt, und wenn Ihr einige Zeit hier bleiben solltet, so bitte ich mir Eure Gesellschaft recht oft aus."
Sie füllte, als sie das sagte, einen Becher und brachte ihn ihrem Gast mit der Gesundheit zu: "Unsre Freundschaft!"
"Ein Band von der Farbe der Hoffnung hat sie geknüpft!" – fuhr sie fort. – "Ich hoffe, sie wird sich erhalten."
Rinaldo küsste ihr schweigend die Hand und führte sie an sein klopfendes Herz. Ihre Blicke flogen beredt einander entgegen. Ihre Lippen begegneten sich. Hier hatten sich ihre Gefühle verkettet. Kein Laut entfloh den gepressten Lippen. Da flog mit einem lauten Knall der Pfropf von einer Champagnerbouteille an die Dekke. Sie fuhren zusammen, lächelten und lagen einander in den Armen.
SIE Mann, dem ich mich in den ersten Augenblikken unserer Bekanntschaft so schnell dahingebe, – ich weiss nicht, was es ist, das mich so überraschend an dich zieht! – Missbrauche die Gewalt nicht, die das, was mir unerklärbar ist, dir über mich gibt! Du könntest mich wohl unglücklich, dich aber nicht glücklich machen. – Ich fühle, ich empfinde es, was du jetzt vielleicht von mir denkst, denken musst, aber – ich schwöre es dir zu! – du irrst dich. Du weisst nicht was –
ER Fortunata! Lass mich dir alles das sagen, was du mir gesagt hast. Nicht mein Argwohn soll mich unglücklich machen, lass nur nie die Wirklichkeit auf meine Unkosten spielen.
SIE Du glaubst –
ER Ich glaube das am leichtesten und liebsten, was ich wünsche.
SIE Was glaubst du jetzt?
ER Dass du mich lieben wirst.
SIE Ich liebte dich, als ich dich sah. Eine Liebe, wie die meinige, empfängt alles, was sie gibt und nimmt, von Augenblicken. Die Augenblicke meiner Liebe sind gekommen. Nun bleiben sie und werden zu Ewigkeiten. Bei allem, was mir heilig ist, im Himmel und auf Erden! ich habe dich gefunden und kann nie wieder von dir lassen. Entreissen muss man dich mir. Gutwillig gebe ich nie wieder her, was ich mit diesem Feuer in meine Arme schliesse! – Gib dich mir ganz und nimm alles, was mein ist, nur dich nicht wieder zurück! Meine Seele gebe ich dir in meinen Küssen; gib mir dein Herz!
Ein Geräusch im Vorzimmer riss sie auseinander. – Die Tafel ward aufgehoben; sie gingen in ein anderes Zimmer.
Er warf sich nachdenkend auf ein Sofa. So nahe war er dem ersehnten Glück und dachte der Möglichkeit einer Wirklichkeit nach, die er gewünscht hatte. Bei Fortunaten verschlang die Gegenwart jedes Nachdenken. Sie war geboren, um zu lieben. – Dahin bringt es auch nur das Weib, selten der Mann. Die Liebe ist ein Becher, gefüllt mit schäumendem Champagner. Sie will im Moussieren genossen sein. Wer bedächtig trinkt, geniesst auch, er wird es aber nie zur höchsten Krisis eines alles verschlingenden Rausches bringen. – So, wer bedächtig liebt, liebt auch; zu einem Liebesrausch bringt er es aber nie.
Jedoch, dieser Rausch, dessen Dauer zu berechnen zu sein scheint, gibt er uns wohl mehr als ein nur bloss momentanes Glück? – Ach! was gewinnt Liebe nicht, selbst auch nur durch Momente! Nach Augenblicken rechnet die Liebe, und für die Zukunft hält sie sich in der Gegenwart schadlos. Der Genuss dieser gegenwärtigen Augenblicke ist der Triumph der Freude, die uns glücklich macht. – Die Freuden unsers Lebens hängen an sehr dünnen Fäden, und dennoch fesseln sie so stark, was willig sich fesseln lässt.
Fortunata kam zurück. Das Gespräch wurde fortgesetzt.
"Du weisst nun", – sagte sie, – "wie ich lieben kann, wie ich lieben will und werde. Von dir verlange ich bloss, so geliebt zu werden, wie du mich lieben kannst und wie du auch andere – nur bitte ich, nach mir! – lieben wirst. Die Beständigkeit ist ein Weib. Sie zankt sich ewig mit ihren leichtgesinnten Eheherrn. – Die Männer lieben in