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. Es tut mir leid in Gegenwart der andern mit dir zu sprechen. – Wie schön weiss er sich heraus zu reden! – Lass mir so etwas nie hingehen, und sei recht aufmerksam und strenge. Aber sieh, was du nun getan hast! Ist es nicht Entweihung? O nein! es ist nicht möglich, es ist mehr als das. Gesteh mir's nur, es war Eifersucht. – Den ganzen Abend hattest du mich unfreundlich vergessen. Ich wollte dir heute früh alles schreiben, aber ich habe es wieder zerrissen. – Und da ich eben kam? – Verdross mich deine gewaltige Eil. – Könntest du mich lieben, wenn ich nicht so brennbar und elektrisch wäre? bist du es nicht auch? hast du unsre erste Umarmung vergessen? In einem Augenblick ist die Liebe da, ganz und ewig, oder gar nicht. Alles Göttliche und alles Schöne ist schnell und leicht. Oder sammelt die Freude sich etwa so wie Geld und andere Materien durch ein konsequentes Betragen? Wie eine Musik aus der Luft, überrascht uns das hohe Glück, erscheint und verschwindet. – So bist du mir erschienen, du Teurer! Aber willst du mir verschwinden? Das sollst du nicht, ich sage es dir. – Ich will nicht. Ich will bei dir bleiben, überhaupt und auch jetzt. Höre ich habe grosse Lust einen langen Diskurs über die Eifersucht mit dir zu halten: aber eigentlich sollten wir erst die beleidigten Götter versöhnen. – Lieber erst den Diskurs, und hernach die Götter. – Du hast recht, wir sind noch nicht würdig, und du fühlst es lange nach, wann du gestört und verstimmt wurdest. Wie schön ist es dass du so empfindlich bist! – Ich bin nicht empfindlicher wie du, nur anders. – Nun so sage mir: ich bin nicht eifersüchtig; wie kommts, dass du eifersüchtig bist? – Bin ich's denn ohne Ursache? Antworten Sie mir! – Ich weiss ja nicht was du meinst. – Nun eifersüchtig bin ich eigentlich nicht; aber sage mir, was ihr den ganzen Abend zusammen gesprochen habt? – Auf Amalien also? ist das möglich? So eine Kinderei! Von gar nichts habe ich mit ihr gesprochen, und darum war es amüsant. Und habe ich nicht eben so lange mit Antonio gesprochen, den ich doch eine Zeit her fast alle Tage sah? – Ich soll also wohl glauben, du sprichst mit der koketten Amalia wie mit dem stillen ernstaften Antonio? Nicht wahr, es ist nichts wie klare reine Freundschaft? – O nein, das sollst du nicht glauben, und musst es auch nicht glauben; so ist es gar nicht. Wie kannst du mir eine solche Albernheit zutraun? denn etwas recht Albernes ist es, wenn so zwei Personen von verschiedenem Geschlecht sich ein Verhältnis ausbilden und einbilden, wie reine Freundschaft. Mit Amalien ist es gar nichts, als dass ich sie zum Scherz liebe. Ich möchte sie gar nicht, wenn sie nicht ein wenig kokett wäre. Gäbe es nur mehr solche in unserm Zirkel! eigentlich muss man alle Frauen im Scherze lieben. – Julius! ich glaube du wirst ganz närrisch. – Nun versteh mich wohl; nicht eigentlich alle, sondern nur alle, die liebenswürdig sind und die einem eben vorkommen. – Das ist also weiter nichts als was die Franzosen Galanterie und Kokett nennen. – Weiter nichts, ausser dass ich's mir schön und witzig denke. Und dann müssen die Menschen wissen, was sie tun und was sie wollen, und das ist selten der Fall. Der feine Scherz verwandelt sich in ihren Händen gleich wieder in groben Ernst. – Dieses im Scherz lieben ist nur gar nicht scherzhaft zuzusehen. – Daran ist der Scherz unschuldig; das ist nichts wie die fatale Eifersucht. Verzeih mir, Liebe! ich will nicht auffahren, aber ich begreife durchaus nicht wie man eifersüchtig sein kann: denn Beleidigungen finden ja nicht statt unter Liebenden, so wenig wie Wohltaten. Also muss es Unsicherheit sein, Mangel an Liebe und Untreue gegen sich selbst. Für mich ist das Glück gewiss und die Liebe Eins mit der Treue. Freilich wie die Menschen so lieben, ist es etwas anders. Da liebt der Mann in der Frau nur die Gattung, die Frau im Mann nur den Grad seiner natürlichen Qualitäten und seiner bürgerlichen Existenz, und beide in den Kindern nur ihr Machwerk und ihr Eigentum. Da ist die Treue ein Verdienst und eine Tugend; und da ist auch die Eifersucht an ihrer Stelle. Denn darin fühlen sie ungemein richtig, dass sie stillschweigend glauben, es gäbe ihres gleichen viele, und einer sei als Mensch ungefähr so viel wert wie der andre, und alle zusammen nicht eben sonderlich viel. – Du hältst also die Eifersucht für nichts anders als leere Rohheit und Unbildung. – Ja oder für Missbildung und Verkehrteit, was eben so arg, oder noch ärger ist. Nach jenem System ist es noch das beste, wenn man mit Absicht aus blosser Gefälligkeit und Höflichkeit heiratet; und gewiss muss es für solche Subjekte eben so bequem als unterhaltend sein, im Verhältnis der Wechselverachtung neben einander weg zu leben. Besonders die Frauen können eine ordentliche Passion für die Ehe bekommen; und wenn eine solche erst Geschmack daran findet, so geschieht es leicht, dass sie ein halbes Dutzend nach einander heiratet, geistig oder leiblich; wo es denn nie an Gelegenheit gebricht, mit