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Herzen empfunden hatte, so glühend, so einzig, so entgegen kommend allen seinen Gefühlen. Sein Stolz war beleidigt, denn das pflichtmässige, stille Wohlwollen, mit dem ihm Josephine begegnete, gnügte seiner Eitelkeit nicht, die Liebe verlangte, auch wenn er selbst kalt blieb. Wie anders war doch Marie! seufzte er oft im Stillen, wenn seine unzufriedne Seele die Sehnsucht, geliebt zu werden, füllte. Alle ihre Reize, selbst ihre hartnäckige Weigerung, auf eine unrechtmässige Weise sein zu sein, stellten sich seiner Einbildungskraft wieder dar, und erhöhten die Begierde, sie zu besitzen. Aber ach, nur vergebens! Mariens Tugend war unerschütterlich, und wenn auch seine nahe Verbindung mit Josephinen nicht gewesen wäre, so vernichtete doch ihre niedre Herkunft, trotz der Allmacht, mit der ihn ihre Liebenswürdigkeit anzog, jeden Anspruch auf seine Hand. Der Zeitpunkt seiner Vermählung rückte immer näher. Josephine sah diesem feierlichen Tag mit einem stummen Gram entgegen, den sie nur in der Stille entüllte. Gegen ihren Bräutigam war sie sanft und duldend, – keine Klage erleichterte ihr Herz, und still, wie die Ergebung, mit verschlossenen Lippen, die sich zu lächeln bemühten, trug sie ihren Schmerz, und nur ungesehen liess ihr volles Auge seine bittre, einsame Träne auf den Boden fallen. Erst wenig Tage vor dem gefürchteten zwanzigsten Oktober hatte sie Kraft genug, ihrem August die Entscheidung ihres Schicksals und ihren gescheiterten Vorsatz zu schreiben. Sie tat es mit zerrissenem Herzen. "Auch den letzten lichten Strahl von Hoffnung, schrieb sie ihm, der noch beim Abschied heimlich die düstere Nacht meines Innern erleuchtete, ist nun verschwunden. Ich m u ss den Mann heuraten, den mir meine Eltern bestimmt haben, und ich will suchen, ihn glücklich zu machen. O, Wilmut, glauben Sie nicht, dass es mir so leicht wird, Ihnen auf ewig zu entsagen, aber ich bemühe mich, die Gedanken zu verbannen, die wider mein Schicksal murren. Die Ansprüche, die mir die Erfüllung meiner Pflichten auf ein besseres Leben giebt, wo ich laut gestehen darf, was ich empfand, diese sind's allein, die mich zu trösten vermögen über ihren unersetzlichen Verlust. Leben Sie wohl, teurer Freund meiner schönsten, glücklichsten Jahre! Nehmen Sie den Dank Ihrer fernen Josephine noch einmal für alle Ihre Liebe und Treue. Ach, wenn ich sie Ihnen auch nicht lohnen konnte, so hätte sie doch kein Herz tiefer empfunden, als das meinige, keines. Ihren Wert inniger erkannt. Nur nach Jahren erst schreib' ich Ihnen wieder. Dann wird vielleicht, und Gott erhöre mein Gebet, das darum fleht, dann wird vielleicht nicht mehr Leidenschaft meine Feder führen, dann werden die Wünsche, die meine Seele nährt, sich selbst aufgezehrt haben, da das Schicksal sie niemals stillen wird, und meine heisse Liebe wird geworden sein, was sie werden muss: innige Freundschaft, an der unser ehemaliges Verhältniss keinen Teil mehr hat. Die Zeit wird Ihr Andenken in mir nicht v e r l ö s c h e n , nur m i l d e r n , und auch in der kältern Sprache der Freundschaft noch werden sich unsre Seelen verstehn." – – – Endlich erschien der zwanzigste Oktober, und mit dem sinkenden Laub sanken auch die Tränen ihrer Entsagung. Wodmar bemerkte den Kummer, den sie verhehlen wollte, der aber nur zu deutlich aus ihrem verlöschten Auge und ihrer bleichen Wange sprach. Fehlt Ihnen etwas, Josephine? frug er mit zürnendem Befremden, als er sie zu der feierlichen Ceremonie abholen wollte, die auf sie wartete, um ihre Hände zu vereinigen, und er sie blass, bebend und in Tränen fand. Diese sonderbare Traurigkeit, der Sie Sich überlassen, ist zu gross und anhaltend, als dass sie aus den Regungen Ihrer Sittsamkeit entstehen sollte, wie mich Ihre Mutter überreden will. Haben Sie vielleicht Vorstellungen vom Ehestande, die Ihnen Schrecken machen, so sein Sie ruhig. Ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, Ihnen ein frohes, glückliches Loos zu bereiten. Oder, fuhr er mit ernsteren, forschendern Blicken fort, sollten Sie nur mir, gerade mir, ungern diese Hand geben, da vielleicht ein Andrer Ihr Herz besitzt? Hab' ich vielleicht, ohne es zu wissen, Hoffnungen vernichtet, die einen andern Gegenstand hatten, als mich? O, Josephine, Ihr einsames Grämen ist mir nicht entgangen, ob es Ihnen gleich so schien. Reden Sie, was ist seine Ursach? – Josephine warf sich zum erstenmal in ihrem Leben in seine Arme mit einer Heftigkeit, die ihr der aufgeregte Schmerz lieh. Wodmar! rief sie aus, schonen Sie mit Güte und Nachsicht die Schwächen meines nicht ganz glücklichen Herzens. Ich fühle, dass ich Ihnen eigentlich mehr sein sollte als ich bin, und es macht mich traurig, dass ich es noch nicht kann. Aber haben Sie Geduld, mein Freund, – wenn ich auch nicht mit dem Feuer der Leidenschaft, das wohl ohnedem bald verraucht, an Ihnen hänge, so soll mir doch stets meine Schuldigkeit heilig und kein Opfer zu teuer sein, wenn es Ihr Glück erkauft. Den Graf befriedigte diese Erklärung nicht, im Gegenteil beleidigte sie seinen Stolz, da er in ihr nur das verschleierte Geständniss ihrer Liebe zu einem Andern sah. Aber sie war so schön mitten in ihrem Kummer, dass er mit einem grausamen Vergnügen sie lange betrachtete. Er