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, den Dir Wodmar bestimmt. – Sie reichte ihr ein Kästchen, das Josephine erschrocken auf den Tisch setzte. Die Gräfin von der Ecke war einnehmend, wenn sie wollte. Sie hatte mehr Sanfteit in ihrem Gesicht, als in ihrem Herzen, mehr Verstand in ihren Augen, als in ihrem Kopf, und wusste besser Vertrauen einzuflössen, als es zu verdienen. Die mütterliche Güte ihres Tons zog Josephinen zu ihr hin. Jetzt, dachte sie, ist vielleicht der einzige Moment, wo ich wagen darf, für das Glück meines Lebens zu reden. Und sie tat es mit klopfendem Herzen. O, meine Mutter, sagte sie mit bittender Stimme, wenn ich mich anders benommen habe, als ich sollte, so verzeihen Sie meiner Unerfahrenheit in den Sitten und Gebräuchen der grossen Welt, verzeihen Sie dem Schmerz, der mich zu Boden drückte, und der mir die Ruhe meines ganzen Lebens kosten wird, wenn Sie mir, gütigste Mutter, Ihren Beistand versagen. Verwundert sah sie die Gräfin an. Was kannst Du für einen Schmerz haben, da alle Umstände sich vereinigen, Dich glücklich zu machen? Josephine sank in ihre Umarmung, und drückte sich fest an die Brust, von der sie Teilnahme erwartete. Ach, rief sie aus, kann all' der Glanz, den Sie mir bereiten, aller Ueberfluss, dem ich entgegen sehe, mich über den Kummer einer hoffnungslosen Liebe trösten? Die Gräfin wand sich aus Josephinens Armen, die sie umschlangen, trat einen Schritt zurück, und sah sie starr und unbeweglich an. Das liebe Mädchen war in heftiger Wallung. – Ja, fuhr sie mit dem Feuer der Verzweiflung fort, die alles wagt, weil sie nur wagen oder verlieren kann, ja ich liebe, – liebe einen Mann, dessen Adel der Seele mir das Wörtchen v o n zehnfach ersetzt, das seinem Namen fehlt. Sprachlos fiel die Gräfin in einen Stuhl, und Josephine – sagte ihr alles. Elende, Verworfne! – waren die ersten Worte, die die alte Gräfin zu stammeln vermochte, und Du hast den Mut, den Wunsch einer Mesallianze zu nähren, und ihn sogar, – was alle menschliche Vorstellung übertrifft, – zu äussern? Schande Deiner Familie, die sich so viel von Dir versprach! – Sie würde noch ein Weilchen in diesem Ton fortgefahren haben, wenn nicht ein Bedienter den jungen Grafen gemeldet hätte, der in eben diesem Augenblicke herein trat. Sogleich verdrängte eine Meeresstille in ihrem Gesicht alle Spuren des vorigen Sturms, – lächelnd stand sie auf und wandte sich zu Wodmar, der mit Blicken voll Sorgfalt und Liebe an seiner Braut hing, die blass und leblos mit weit offnem Auge auf eine Stelle sah. Wir wollen Josephinen jetzt Zeit zu ihrem Anzug lassen, lieber Graf! sagte sie. Meine Tochter, ich habe vergessen, Dir zu sagen, dass noch heute Abend Deine Verlobung ist. – Josephine ist Ihnen sehr verbunden für die schönen Juwelen, setzte sie hinzu, indem sie seinen Arm ergriff und mit ihm das Zimmer verliess. Die arme Josephine! – Dahin war ihre letzte, einzige Hoffnung, dahin die Träume einer beneidenswerten Zukunft, mit denen sie oft ihren Gram zur Ruhe gewiegt hatte. Sie warf sich auf ein Sopha und überliess sich dem Schmerz ihrer getäuschten Erwartung, der milder wurde, als er sich in Tränen ergoss. Hannchen trat herein, sie anzukleiden. Sie hatte vor Begierde, die schönen Diamanten zu sehn, kaum die Zeit erwarten können, wenn sich die Gräfin entfernen würde. Mit einem gutmütigen Neid betrachtete sie die blitzenden Steine, und ihr eitler Sinn konnte nicht begreifen, wie es möglich war, einen solchen Schmuck zu haben, und dabei zu weinen. Eilftes Kapitel Josephine war für heute unfähig, den Befehl ihrer Mutter zu befolgen. Zwar zog sie sich, Dank sei Hannchens emsiger Bemühung, – aufmerksam genug an, zwar band sie sogar mit zitternden Händen das reichgefasste Bild des Grafen an einer Schnur von Brillanten um den Hals, aber kaum war der bräutliche Anzug vollendet, als sie in eine dumpfe Bewusstlosigkeit versank, die sich mit einem Fieber endigte. Hannchen benachrichtigte die Familie von diesem Unfall, der jedermann überraschte, ausgenommen die Gräfin. Wodmar, in dessen Herzen ihre Anmut, wenn auch nicht Liebe, doch einen innigen Anteil entflammt hatte, eilte, sie zu sehen. Bleich wie eine Lilie, lag sie da, und aus ihrem geschlossnen Auge drangen schönere Perlen, als er ihr gegeben hatte. Die Gräfin befahl, sie zu Bette zu bringen und einen Arzt zu holen, und man begab sich wieder weg. – Einige Tage lag Josephine ohne Besinnung: endlich, als sie wieder zu sich selbst kam, und als ihre Seele wieder ruhig genug wurde, an vergangene Dinge zu denken, reifte ein Entschluss, in ihr, ihrer würdig, – der schöne Entschluss die rosenfarbnen Bilder ihrer Liebe dem Willen des Schicksals zu opfern. Sie fing langsam an zu genesen; – mit stummer Geduld ertrug sie die Vorwürfe ihrer Mutter, und versprach zu gehorchen. Sie bemühte sich sogar, ihre ehemaligen Wünsche zu vergessen, aber das war unmöglich. Wie das immergrünende Epheu sich um öde Mauern windet, so schlangen sich holde Erinnerungen um die versinkenden Trümmer ihrer Freuden. Wodmar sah ihren innern Kampf. Ihr ganzes Wesen war Huld und Güte, und das Bemühen, ihm die ausgezeichnetste Achtung zu bezeigen, – aber Liebe war es nicht, wie er sie an Mariens