highChunks/1799_Ahlefeld_000_19166.txt -- topic 75 topicPct 0.189944133162

aber in seiner Seele klang er fort, wie die Sterbeglocke aller seiner Freuden. Josephine hatte ihm ihren Vorsatz verschwiegen, um ihn durch diese grosse Probe ihrer Liebe zu überraschen, wenn er ihr glückte. Ihr Auge hatte keine Träne, nur einen Blick voll Seele, der Treue gelobte, und um Treue bat. Madam Wilmut umarmte sie weinend, – Josephine dankte ihr mit stiller Rührung für alle ihre Liebe und Güte. Wir sehn uns bald wieder, flüsterte sie zuversichtlich in den letzten Abschiedskuss, und vielleicht fröhlicher! Drauf reichte sie August, der unbeweglich und ganz versunken in seinem Schmerz da stand, mit einem süssen Lächeln die Hand, aber bald mischte sich Wehmut in ihre Miene. Leben Sie wohl, sagte sie mit leiser Stimme, und schnell wurde ihr Blick feucht, denn eine trübe Ahndung durchflog ihr Innres, – leben Sie wohl, mein Freund, und erhalten Sie mir ihr Andenken. Ich werde Ihnen schreiben, ich werde i m m e r an Sie denken, ich werde Sie n i e m a l s , n i e m a l s vergessen! Ein paar Tränen rollten ihre Wangen herab, – sie eilte in den Wagen, und schnell flog er mit ihr und ihrem Kummer dahin. Eine Kammerfrau ihrer Mutter sass neben ihr, und betrachtete sie mit Teilnahme. Josephine war nicht aufgelegt zum Reden. Sie durchdachte stumm und in sich gekehrt den Plan, den sie sich entworfen hatte, und sah ihn wechselsweise in der Ebbe und Flut ihres Mutes bald gelungen, bald vernichtet. Sie scheinen traurig zu sein, gnädige Gräfin, nahm das Mädchen endlich das Wort, und ich dächte, niemand hätte mehr Ursach zur Freude, als Sie. O, wenn Sie wüssten, wie schön der junge Graf ist, wie herrlich das aussieht, wenn er in seinem hohen Whisky mit den sechs muntern Schimmeln daher gefahren kommt, Sie würden gewiss vergnügt sein. Glückliches Geschöpf, seufzte Josephine, das mich vielleicht um den lästigen Glanz beneidet, den ich verachte! Ach, wie gern wollte ich Dir um Deine unbefangene Lage den schönen Bräutigam mit allem seinem Schimmer überlassen, und in der Mittelmässigkeit, die das Loos Deines Standes ist, zufrieden sein! Hannchen schüttelte verwundert den Kopf, denn sie konnte die Gräfin nicht begreifen. Josephine schwieg auch, und wurde immer düsterer, je näher sie dem Ziel ihrer Reise kam. Endlich, als sie in einem Vorwerk ihres Vaters abstieg, um da nach ihrer Mutter Vorschrift die Nacht zu bleiben, hoben sich ihr aus weiter, blauer Ferne die Türme ihres Schlosses von einem waldigten Berggipfel entgegen, und ein paar Tränen stiegen in ihr Auge, die der Gedanke erpresst hatte: Wie wird sich Dein Schicksal entscheiden? – Zehntes Kapitel Am andern Morgen zögerte Josephine mit ihrer Abreise so lange als möglich. Ungestört konnte sie hier sich ihren Träumen überlassen, und sie tat es mit aller der schmerzlichen Wollust, die durch die tiefe Ruhe der Natur, durch ihren blauen, klaren Himmel, an dem nicht ein einziges Wölkchen zu sehn ist, und durch die reine, kühle, vom Sonnenstrahl gemilderte Luft den Anfang des Septembers so reizend macht; – Josephine ging hinaus ins Freie, ganz versunken in ihr Nachdenken, die Unruhe der Ungewissheit, und die Wehmut ihrer Zweifel. Auf einmal hörte sie hinter sich ein Geräusch, wie den Tritt eines Mannes. Sie sah sich um, ahndend hob sich ihr Busen, eine hohe Röte stieg in ihre Wangen, und mit einer Verwirrung, die ihr keine Worte liess, erwiederte sie den Gruss des Unbekannten, der sich ihr mit einem freimütigen Anstand als den Grafen Wodmar, ihren Bräutigam, darstellte. Einige Minuten standen sie sprachlos einander gegenüber, Wodmar beobachtender als Josephine, die mit lächelnden Lippen gegen die Trauer ihres Auges zu streiten suchte, um dem Mann, der sie mit glühenden Blicken betrachtete, die Träne zu verbergen, die es trüben wollte. Aber vergebens, sie kam aus einem vollen Herzen, das zu wund war, um mit Fassung diese Ueberraschung zu ertragen, und ehe sie es verhindern konnte, rollten sie über ihre brennende Wange. Lange sah sie der Graf ernst, fest und stumm an, endlich ergriff er bewegt ihre Hand, und führte sie an seine Lippen. Diese schönen Augen sollen nie wieder weinen, sagte er, wenn es von mir abhängt, jede Ursach des Kummers von Ihnen zu entfernen. Unsre Familien haben über uns entschieden, – – versetzte Josephine leise mit bebendem Ton, ohne ihn anzusehn. Möchte Ihre Verbindung mit mir keine glücklichere stören! Wodmar dachte an Marien, und konnte einen Seufzer nicht unterdrücken, den der Rückblick in eine schöne, aber kurze Vergangenheit forderte. Aber er wusste seinem innerlichen Schmerze eine heitre Aussenseite zu geben, und versicherte Josephinen mit aller Beredsamkeit, die er besass, dass der Ruf ihrer Liebenswürdigkeit, und das Ideal ihrer Anmut, das er sich geträumt, und nun realisirt gefunden hätte, bisher einzig sein Herz beschäftiget hätte. Josephine, in deren edlen Seele das Verlangen lag, immer mehr zu geben, als sie empfing, wurde rot und beschämt, als sie fühlte, dass sie niemals diese Zärtlichkeit würde belohnen können, die der Graf äusserte. Sie fand ihn schöner und angenehmer, als das Bild, das ihr ihre Einbildungskraft von ihm entworfen hatte. Der Unmut der gestörten Liebe, mit dem sie immer ehmals an ihn dachte, und Augusts ihm gefährliche Nähe, hatten