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zu beweisen, dass ich es nicht in Glanz und Geräusch suche. Aber ich habe keinen eignen Willen. Graf Wodmar ist für mich bestimmt. Ich kenne ihn nicht, – ich werde ihn niemals lieben, – ach, ich werde vor Schmerz sterben, wenn ich ihn heiraten muss, aber ich werde ihm dennoch meine Hand geben. O, nein, Sie werden nicht sterben, erwiederte August bitter. Sie werden leben, um zu glänzen, und um bewundert zu werden; und das Herz elend zu sehn, das Sie so unbegränzr liebte, wird Ihrer Eitelkeit nur einen Triumphbogen erbauen, ohne ihrem Auge eine Träne zu kosten. Er ging stolz und beleidigt nach der Türe. Josephine breitete ihre Arme nach ihm aus, aber sie war stumm im Uebermass ihres Kummers. Hätte er nur einen Blick zurückgeworfen, der Anblick ihres Schmerzes hätte ihn versöhnt, aber er ging, und Josephine verbarg ihre Tränen in ihrem Zimmer. Siebentes Kapitel Langsam und still ging eine ganze Woche vorüber, Wilmut kam nicht zu seiner Mutter, Josephine war melancholisch. Madam Wilmut bemerkte es wohl, aber sie glaubte, die ihr angekündigte Verbindung mit einem Mann, von dem sie nichts wusste als den Namen, wäre Ursach genug zur Schwermut für ein junges Mädchen. Ueberdies rückte die Stunde der Trennung heran, und da Josephine ihrem Herzen fast unentbehrlich geworden war, so tat ihr der Gedanke wohl, dass auch diese ungern von ihr scheide. – Augusts Wegbleiben begrub sein Bild nicht in Vergessenheit bei Josephinen. Ihr Blick durchlief mit heiliger Erinnerung die ganze Vergangenheit, und jede mit ihm verlebte Stunde trat lächelnd vor das Auge ihrer Seele zurück. Seine Gutmütigkeit, sein sanfter Ernst, sein bescheidnes Wissen, – wie sehr unterschied es ihn von allen Männern ihrer Bekanntschaft. Ach, warum bin ich nicht in der glücklichen Beschränkteit des Mittelstandes geboren, seufzte sie. Er wäre dann mein, und in stiller Häuslichkeit verlebte ich meine Tage in den Armen der Liebe. Oder warum mussten meine Brüder sterben? Ach, dass sie noch lebten, – ich wäre dann nicht mehr das einzige Kind, die einzige Hoffnung meiner Eltern, und wenn ich sie verliesse, um den Eingebungen meines glühenden Herzens zu folgen, so ständen sie nicht allein in der Welt, und wohlgeratene Söhne würden sie über den Verlust einer Tochter trösten, die glücklicher in ihrer Armut wäre, als sie es jemals mit allem ihren Reichtum sein kann! Sie malte sich mit allem Zauber ihrer lebhaften Fantasie eine reizende Zukunft an Augusts Seite. In eine einsame, romantische Gegend baute sie im Geist eine Hütte für sich und ihn, mit Epheu bezogen, und mit Gärten umringt, in denen ihre einfache Nahrung wuchs. – Der heiterste Himmel lachte über diesen Aufentalt des Friedens und der Liebe mit ewiger Klarheit herab, – die Natur breitete ihren schönsten Teppich um ihn aus, und Glück und stille Zufriedenheit war das Loos seiner frohen Bewohner. O wie ist man glücklich, wenn man, noch vom frischen Morgenrot der ersten Jugend umglänzt, sich solchen Träumereien überlässt! Denn nur selten ist es in der wirklichen Welt s o , wie es sein könnte – keine Rose blüht ohne Dornen, kein Abendhauch weht durch die Fluren, der sich nicht mit Seufzern mischte. – Es war einmal eine Zeit, in der ich glaubte, nur die Erinnerung reiche dem Herzen, das die Gegenwart verwundet, ihren lindernden Balsam, aber auch diese Ueberzeugung gehört zu den Irrtümern meiner Jugend. Denn zu den genossenen Freuden, die man sich zurückruft, gesellt sich das herbe Andenken an alles, was man längst verloren, längst betrauert hat. Jede vergossne Träne netzt noch einmal das Auge, jeder Seufzer hebt noch einmal die Brust. – Zwar breitet die Erinnerung einen milden Schleier über die Szenen unsers Kummers und unsrer hingeschwundnen Freuden, aber er benimmt nur die erste Schärfe, nicht die langsam verzehrende Bitterkeit, die der Gram uns giebt. Aber in den frohen Augenblicken, in denen man sich in idealische Welten träumt, vergisst man die Leiden der wirklichen, und jeder Wunsch, der im Geräusch verstummt, wird in der Stille laut, weil die bewegte Seele Kraft fühlt ihn zu erreichen, – – obgleich nur im Traum. Von dem lächelnden Gemälde, das Josephinens Einbildungskraft entwarf, und zu dem Liebe und Schwärmerei ihr die Farben reichten, wandte sie ihr Auge auf die ernsten Bilder der Zukunft, die ihrer wartete. Sie sah sich im Glanz des Hofs, mit ihrem traurigen, unerwiederten Herzen, – an der Seite eines Mannes, dessen Wahl sie aus Konvenienz war, und der sie bei ihrem Rang und Vermögen mit eben so viel Lastern geheiratet hätte, als sie ihm Tugenden zubrachte. Sie fühlte einen heftigen Widerwillen gegen ihn, als den Störer ihrer hier so ruhigen Existenz bei Madam Wilmut. Sie nahm sich vor, ihm recht verächtlich zu begegnen. Aber, dachte sie dann wieder, – vielleicht ist er so wenig Herr seines Willens, wie ich. Wer weiss, ob nicht die Verbindung mit mir Bande zerreisst, die sein Herz knüpfte, – ob er nicht eben so ungern wie ich an die Zeit denkt, in der er seine Freiheit, und vielleicht eine glückliche Liebe mir opfern muss. Ihr Widerwillen verwandelte sich in Mitleid. Nein, rief die Stimme ihrer angebornen Güte in ihr, ich will ihm die Bürde, die wir gemeinschaftlich tragen müssen, so viel wie möglich versüssen. Ich will es ihm nie fühlen lassen, dass