highChunks/1798_Wolzogen_113_5689.txt -- topic 75 topicPct 0.171745151281

ich auf, zog mich an, und erwartete, welche neue Begebenheit meinen neuen gegenwärtigen Zustand freundlich auflösen, oder auch vielleicht tiefer verwirren würde. Ich fand wirklich eine verborgne Tür, die ich noch nie bemerkt hatte, und nach der Mitternachtsstunde vernahm ich ein Geräusch an derselben. Ich bebte vor ungeduldigem Verlangen. Jetzt öffnete sich die Tür, eine verhüllte Gestalt bog sich herein und winkte mir. Ich folgte, und die Hofnung, meine Mutter in dieser Gestalt zu finden, bewegte mein Herz in süsser Freude. Aber eine starke männliche Hand fasste die meine, und führte mich durch einige finstre Gänge. Sollte es Nordheim sein? dachte ich, aber mein Herz schwieg, und empfand nichts von dem nahmenlosen Zauber, welcher uns in der Nähe eines geliebten Wesens ergreift. Jetzt öffnete sich vor uns ein erhelltes Zimmer, die Gestalt warf einen langen Mantel von sich, und ich erkannte den Prinzen. Ists möglich? Sie hier? sagte ich. O Sie kamen gewiss, um das Unrecht Ihres Vaters wieder gut zu machen, mich aus diesem Ort zu befreien und meinen Freunden wieder zu geben! Gutes, vertrauendes Geschöpf! erwiederte er, ich komme, um Sie Ihrer Mutter zuzuführen. Mein Herz eilte dieser glücklichen Entdeckung ungestüm zuvor, als es sich Ihnen im ersten Augenblick mit Liebe und Verlangen näherte. O meiner Schwester Glück im Besitz einer so lieben Tochter ist gross und einzig! Ihrer Schwester? rief ich aus. Meine Mutter .... O so war jene wunderbare Ahndung keine Täuschung! Die Seitentür öffnete sich, und die Prinzessin trat herein. Bestes Kind! rief sie aus, indem sie mich in ihre Arme schloss, der Augenblick ist endlich gekommen ... Meine Tochter ... Ich lag zu ihren Füssen, sie zog mich an ihre Brust, und unsre Herzen schlugen unter süssen Tränen gegen einander. Nach den ersten Momenten süsser Verwirrungen, in denen mich auch der Prinz als seine Nichte umarmte, blieb ich allein mit meiner Mutter. Du bist die Frucht der heiligsten, aber der unglücklichsten Liebe, sagte sie, die unter dem Druck der schwersten Verhältnisse sich von Tränen und Entbehrungen nährte. Meine Freunde, die die fürchterliche Gewalt kannten, mit welcher mein Herz die Gegenstände seines Verlangens ergreift, entrissen dich mir. Ich beweinte dich als eine Todte, während du in holdem Leben aufblühtest. Jetzt da ein längeres Leben mir stilles Dulden und Geniessen lehrte, jetzt gab dein Vater dich mir wieder. – Ach und beinah verlor ich ihn selbst! Eine tiefe Finsterniss liegt noch auf unserm Schicksal. Stolz, Härte, kalte Eitelkeit sammlen undurchdringliche Wolken um uns her. O die Menschen können viel Böses beginnen, wenn ihr Herz dem Strahl der Liebe undurchdringlich ist! Unsre zarten, süssesten Neigungen dünken ihnen dann nur leichte Opfer! Ich lag zu den Füssen meiner Mutter, mein Haupt ruhte in ihrem Schooss, und ihr tiefer, schwermütiger Blick lösete jede Kraft meines Busens auf. Eine unaussprechliche Bangigkeit fasste mich, doch suchte ich ruhig zu scheinen. Ich habe noch wenig Erfahrung, meine teure Mutter, aber doch fühlte ich schon oft, wie uns das Herz in der Gefahr wächst, und wie in dringender Not gleichsam ein guter Engel in den Lauf des Schicksals greift, um die Umstände freundlich zu uns zu fügen. Lassen Sie uns Vertrauen schöpfen. – Armes Kind! sagte meine Mutter mit einem süssen schmerzlichen Lächeln, du ahndest nicht, welches Opfer man von dir fordert! ... Sie verlangte eine kurze Erzählung meiner Begebenheiten in jener Nacht, und meines Aufentaltes an diesem Ort. Mit dem süssen Vergnügen, mit welchem wir innig Vertrauten die glücklichen Momente unsers Lebens mitzuteilen streben, weil sie ihnen zum eignen Genuss werden, und mit jener Schüchternheit einer hochbewegten Seele, die sich ihr reinstes Glück kaum selbst auszusprechen wagt, entdeckte ich meiner Mutter Nordheims Liebe, unser erstes Zusammentreffen, meine Hofnungen und meinen Schmerz, bis zur glücklichen Stunde, wo sich mir das schönste, edelste Herz ergab. Meine Mutter war höchst bewegt, antwortete nichts, und schloss mich weinend in ihre Arme. Er ist das Opfer! tönte es in meinem Innersten; und gleich der kalten Hand des Todes, ergriff ein starres Entsetzen meinen Busen. Mögen sich diese Augen auf ewig schliessen, wenn sie sich zu seinem Anschaun nie wieder erheben sollten, sagte ich in mir selbst. Nur eine schaudervolle Ode fand ich in meinem Innern; der Wunsch, mich selbst darin zu verlieren, war mein klärstes Gefühl. Meine Mutter hiess mich fortfahren, und fragte nach allen kleinen Umständen der unglücklichen Stunde, die mich hier her versetzte. Ich sprach lebhaft von meiner Sorge um Charles; ob mich gleich Nordheims Zeilen von der Furcht befreiten, ihn verloren zu haben, so sagten sie mir doch auch nichts Bestimmtes über seinen jetzigen Zustand. Wo ist der gute, treue Mann, dem ich so viel zu verdanken habe? O du hast ihm noch mehr zu danken, als du weisst, sagte meine Mutter. Alles – er ist dein Vater! und welch ein Vater, welch ein Mann er ist, wirst du aus einer kleinen Lebensgeschichte sehen, die ich seit unserer ersten Zusammenkunft für dich aufschrieb. Du hörtest von deinem Pflegevater den Nahmen Hohenfels gewiss mit Verehrung nennen. Ich weiss es, er war der gute Engel jener Gegend, den man bis zur Anbetung verehrt, wie der fromme Wahn einen entschlafenen Schutzheiligen. Und dieser Mann entzog sich der