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Mund Das volle Glas in die Rund, Wer krank ist trinke sich gesund." Da alle das Talent des Mannes bewunderten, sagte Rudolph im Unwillen: "Es geschieht dem Wein keine sonderliche Ehre, dass Ihr ihn auf solche Art lobt, denn es klingt beinahe, als wenn Ihr aus Not ein Dichter wäret, der den lieben Wein nur besingt, weil er sich diesen Gegenstand einmal vorgesetzt hat; es ist wie ein Gelübde, das jemand mit Widerwillen bezahlt. Warum quält Ihr Euch damit, Verse zu machen? Ihr könnt den Wein so durch funfzig Strophen verfolgen, von seiner Herkunft anfangen und seine ganze Erziehung durchgehn. Ich will Euch auf diese Art auch ein Gedicht über den Flachsbau durchsingen, und über jedes Manufakturprodukt." "Das hören wir sehr ungern!" rief einer von den Jägern. "Wir haben den Mann immer für einen grossen Dichter gehalten", sagte ein andrer, "warum macht Ihr uns in unserm Glauben irre?" "Es ist leichter tadeln, als besser machen!" rief ein dritter. Der Poet selbst war sehr aufgebracht, dass ihm ein fremder Ankömmling seinen Lorbeer streitig machen wollte. Er bot dem berauschten Florestan einen dichterischen Zweikampf an, den die Gesellschaft nachher entscheiden sollte. Florestan gab seine Zustimmung, und der alte Sänger begann sogleich ein schönes Lied auf den Wein, das alle Gemüter so entzückte, dass Franz für seinen Freund wegen des Ausganges des Krieges in billige Besorgnis geriet. Während dem Liede war die Tafel aufgehoben, und Florestan bestieg nun den Tisch, indem er seinen Hut aufsetzte, der mit grünem Laube geputzt war; vorher trank er noch ein grosses Glas Wein, dann nahm er eine Ziter in die Hand, auf welcher er artig spielte und dazu sang: "Erwacht ihr Melodieen, Und tanzt auf den Saiten dahin! Ha! meine Augen glühen, Alle Sorgen erdwärts fliehen, Himmelwärts entflattert der jauchzende Sinn. In goldenen Pokalen Verbirget die Freude sich gern, Es funkeln in den Schalen Ha! des Weines liebe Strahlen, Es regt sich die Welle ein schimmernder Stern. In tiefen Bergesklüften, Wo Gold und der Edelstein keimt, In Meeres fernen Schlüften, In Adlers hohen Lüften, Nirgend Wein wie auf glücklicher Erde schäumt. Gern mancher sucht' in Schlünden, Wo selber dem Bergmann graut, In felsigen Gewinden, Könnt er die Wonne finden, Die so freundlich uns aus dem Becher beschaut." – Rudolph hielt inne. "Ist es mir, Herr Poet", fragte er bescheiden, "nun wohl vergönnt, das Silbenmass ein wenig zu verändern?" Der Dichter besann sich ein Weilchen, dann nickte er mit dem Kopfe, um ihm diese Freiheit zuzugestehn. Rudolph fuhr mit erhöhter Stimme fort: "Als das Glück von der Erde sich wandte, Das Geschick alle Götter verbannte, Da standen die Felsen so kahl, Es verstummten der Liebenden Lieder, Sah der Mond auf Betrübte hernieder, Vergingen die Blumen im Tal. Sorg und Angst und Gram ohne Ende, Nur zur Arbeit bewegten sich Hände, Trüb und tränend der feurige Blick, Sehnsucht selber war nun entschwunden, Keiner dachte der vorigen Stunden, Keiner wünschte sie heimlich zurück. Nicht wahr", unterbrach sich Rudolph selber, "das war für die arme Menschheit eine traurige Lage, die so plötzlich das goldene Zeitalter verloren hatte? Aber hört nur weiter: Alle Götter ohn Erbarmen Sahn hinunter auf die Armen, Ihr Verderben ihr Entschluss. Oh, wer wäre Mensch verblieben, Ohne Götter, ohne Lieben, Ohne Sehnsucht, ohne Kuss? – Bacchus sieht, ein junger Gott, Lächelnder Wang, mit Blicken munter Zur verlassnen Erd hinunter, Ihn bewegt der Menschheit Not. Und es spricht die Silberstimme: 'Meine Freunde sind zu wild, Ihrem eigensinngen Grimme Unterliegt das Menschenbild. Dürfen sie die Welt verhöhnen Weil kein Tod uns Göttern dräut? Sollen denn nur Angst und Stöhnen Leben sein und bittres Leid?' Aber, meine Freunde, ich bin des Singens und Trinkens überdrüssig." Und mit diesen Worten sprang er vom Tische herunter. Unter der berauschten Gesellschaft entstand ein Gemurmel, weil sie stritten, welcher von den beiden Poeten den Preis verdiene. Die meisten Stimmen schienen für den alten Sänger, einige aber, die durch ihre Vorliebe für das Neue einen bessern Verstand anzudeuten glaubten, nahmen sich des Florestan mit vielem Eifer an. Auch Sternbald mischte sich scherzend in den Streit, um seinem Freunde beizustehen. "Man weiss nicht recht, was der junge Mensch mit seinem Gesange oder Liede will", sagte einer von den ältesten. "Ein gutes Weinlied muss seinen stillen Gang für sich fortgehen, damit man brav Lust bekömmt, mitzusingen, weshalb auch oft blinkt, klingt und singt darin angebracht sein muss, wie ich es auch noch allentalben gefunden habe. Allein was sollen mir dergleichen Geschichten?" "Freilich", sagte Florestan, "kann es nichts sollen; aber, lieben Freunde, was soll euch denn der Wein selber? Wenn ihr Wasser trinkt, bleibt ihr auch um vieles mässiger und verständiger." "Nein", schrie ein andrer, "auch im Weine kann und muss man mässig sein; der Genuss ist dazu da, dass man ihn geniesst, aber nicht so gänzlich ohne Verstand." Rudolph lachte und gab ihm recht, wodurch viele ausgesöhnt wurden und zu seiner Partei übergingen. "Ich habe nur den Tadel", sagte Sternbald, "dass dein