highChunks/1798_Tieck_096_21885.txt -- topic 49 topicPct 0.256345182657

der Kunst, sein Land der Verheissung ergoss; je mehr er liebte, je wohler ward ihm. – Er konnte sein Auge von dem Jünglinge nicht zurückziehn, die lustigen hellen braunen Augen und das gelockte Haar, eine freie Stirn, und dazu eine bunte, fremdartige Tracht machten ihn zum Gegenstand seiner Neugier. Das Schiff fuhr fort, und man sah links weit in das ebene Land hinein. Die Gesellschaft schien nachdenkend, oder vielleicht müde, weil sie alle früh aufgestanden waren; nur der Jüngling schaute unbefangen mit seinen grossen Augen umher. Ein ältlicher Mann zog ein Buch hervor und fing an zu lesen; doch es währte nicht lange, so schlummerte er. Die übrigen schienen ein Gespräch zu wünschen. "Der Herr Vansen schläft", sagte der eine zu seinem Nachbar, "das Lesen ist ihm nicht bekommen." "Er schläft nicht so, Nachbar Peters, dass er Euch nicht hören sollte", sagte Vansen, indem er sich ermunterte. "Ihr solltet nur etwas erzählen, oder ein lustiges Lied singen." "Ich bin heiser", sagte jener, "Ihr wisst es selber; auch hab ich eigentlich seit Jahr und Tag das Singen schon aufgegeben." Der fremde Jüngling sagte: "Ich will mich wohl anbieten, ein Lied zu singen, wenn ich nur wüsste, dass die Herren es mit der Poesie nicht so genau nehmen wollen." Sie versicherten ihn alle, dass es nicht geschehn würde, und jener sprach weiter: "Es ist auch nur, dass man sich das bisschen Freude verbittert; alle Lieder, die ich gern singe, müssen sich hübsch geradezu, und ohne Umschweife ausdrücken. Ich will also mit eurer Erlaubnis anfangen. Über Reisen kein Vergnügen, Wenn Gesundheit mit uns geht: Hinter uns die Städte liegen, Berg und Waldung vor mir steht. Jenseit, jenseit, ist der Himmel heiter, Treibt mich rege Sehnsucht weiter. Schau dich um, und lass die trüben Blicke, Sieh, da liegt die grosse weite Welt, In der Stadt blieb alles Graun zurücke, Das den Sinn gefangenhält. Endlich wieder Himmel, grüne Flur, Gross und lieblich die Natur. Auch ein Mädchen muss dich nimmer quälen, Kömmst ja doch zu Menschen wieder hin, Nirgend wird es dir an Liebe fehlen, Ist dir Lieben ein Gewinn: Darum lass die trüben Blicke, Allentalben blüht dein Glücke. Immer munter, Freunde, munter, Denn mein Mädchen wartet schon; Treibt den Fluss nur rasch hinunter, Denn mich dünkt, mich lockt ihr Ton. Günstig sind uns alle Winde, Stürme schweigen, Lüfte säuseln linde. Siehst du die Sonne nicht Glänzen im Bach? Wo du bist, spielt das Licht Freundlich dir nach. Durch den Wald Funkelschein, Sieht in den Quell; Kuckt in die Flut hinein, Lacht drum so hell. So auch der Liebe Licht Wandelt mit dir, Löschet wohl nimmer nicht. Ist dorten bald hier. Liebst du die Morgenpracht, Wenn nach der schwarzen Nacht Auf diamantner Bahn Die Sonne ihren Weg begann? Wenn alle Vögel jubeln laut, Begrüssen fröhlich des Tages Braut, Wenn Wolken sich zu Füssen schmiegen, In Brand und goldnem Feuer fliegen? Auch wenn die Sonne nun den Wagen lenkt, Und hinter ihr das Morgenrot erbleicht, Lust, Heiterkeit durch alle Welt hin fleugt, Bis sich zum Meer die Göttin senkt. Und dann funkeln neue Schimmer Über See und über Land, Erd und Himmel im Geflimmer Sich zu einem Glanz verband. Prächtig mit Rubinen und Saphiren, Siehst du dann den Abendhimmel prangen, Goldenes Geschmeide um ihn hangen, Edelsteine Hals und Nacken zieren, Und in holder Glut die schönen Wangen. Drängt sich nicht mit stillem Licht der Chor Aller Sterne, ihn zu sehen, vor? Jubeln nicht die Lerchen ihre Lieder, Tönt nicht Fels und Meer Gesänge wider? – Also wenn die erste Liebe dir entschwunden, Musst du weibisch nicht verzagen, Sondern dreist dein Glücke wagen, Bald hast du die zweite aufgefunden, Und kannst du im Rausche dann noch klagen: 'Nie empfand ich was ich vor empfunden?' Nie vergisst der Frühling wiederzukommen, Wenn Störche ziehn, wenn Schwalben auf der Wiese sind. Kaum ist dem Winter die Herrschaft genommen, So erwacht und lächelt das goldene Kind. Dann sucht er sein Spielzeug wieder zusammen, Das der alte Winter verlegt und verstört, Er putzt den Wald mit grünen Flammen, Der Nachtigall er die Lieder lehrt. Er rührt den Obstbaum mit rötlicher Hand, Er klettert hinauf die Aprikosen-Wand, Wie Schnee die Blüte rot unter die Blätter dringt, Er schüttelt froh das Köpfchen, dass ihm die Arbeit gelingt. Dann geht er und schläft im waldigen Grund, Und haucht den Atem aus, den süssen, Um seinen zarten roten Mund Im Grase Viol' und Erdbeer spriessen: Wie rötlich und bläulich lacht Das Tal, wann er erwacht! In den verschlossnen Garten Steigt er übers Gitter in Eil, Mag auf den Schlüssel nicht warten, Ihm ist keine Wand zu steil. Er räumt den Schnee aus dem Wege, Er schneidet das Buchsbaumgehege, Und friert auch am Abend nicht, Er schaufelt und arbeitet im Mondenlicht. Dann ruft er: 'Wo säumen die Spielkameraden Dass sie so lange in der Erde bleiben? Ich habe sie alle eingeladen, Mit ihnen die fröhliche Zeit zu vertreiben.' Die Lilie kommt und reicht die weissen Finger, Die Tulpe steht mit dickem Kopfputz da