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Gesetze? Emiliens Auge glänzte, und war voll Zärtlichkeit auf ihren Mann geheftet, als sie seine Hand fasste, und mit sanftem ernsten Tone sagte: Teurer Carl! Montesquieu hat für unser ausgeartetes Vaterland vergebens gelebt, aber die besten schätzbarsten Eigenschaften des guten grossen Mannes ruhen in deiner Seele, vielleicht bist du berufen für die Bewohner der Ufer des Oneida zu sein, was Montesquieu für die Landleute an der Garonne war. Du warest auch einst in der grossen Welt, und wünschtest dich nie zurück. – Deine Tugend und das Wohl deiner Familie genügten seit fünf Jahren zu dem Glück deines Lebens. Der Kreis deiner Wohltätigkeit wird durch jede neue Colonistenfamilie erweitert, und so wächst dein Vergnügen in gleichem Masse; denn Montesquieu half den Leuten â la Brede auch unangebautes Land in Aecker und Wiesen zu verwandeln. – Wattines hatte seiner Frau mit einer Art von Staunen zugehört, küsste voll Empfindung ihre Hand, und antwortete gerührt: Teure, edle Emilie! gerne, sehr gerne will ich sein, was du wünschest, gerne tun, was der Himmel mir auf dieser Stelle gebietet.
Sie sehen, meine Freundin, wie schön und mit wie viel Klugheit Frau Wattines die emporsteigenden Trauergefühle ihres geliebten Mannes, in die edelste Empfindung gerechter und verdienstvoller Eigenliebe verwandelte, ihm dadurch das düstre Bild des Vergangenen aus den Augen rückte, ohne ihn von Montesquieu abzuziehen, und dabei alle edle Grundsätze in ihm zu wecken. – Jeden schönen Auftritt dieses Abends haben Sie mir bereitet, meine teure Verwandtin, denn ohne die Lebhaftigkeit, mit welcher Sie mir so schnell als möglich Herders Ideen von den Quäkern und den Wohltätern der Amerikaner mitteilen wollten, würde ich vielleicht diese angenehmen Stunden nie erlebt haben, welche im Ganzen das waren, was der Engländer ein Fest der Vernunft, a feast of reason, nennt, welches auch gewiss der Fall ist, wenn schätzbare Lebende sich verdienstvoller Verstorbenen erinnern, oder gemeinnützige Entwürfe für Wissenschaft und Künste, für Sitten und Wohlstand machen. – Ungewiss bin ich, wie Sie die endliche Wirkung dieser mir so äusserst schätzbaren Blätter beurteilen werden: gewiss hatten Sie die edelste Absicht für die guten Landleute am See Oneida, als Sie das vortrefliche Gedicht von dem hohen Wert der Arbeitsamkeit kopirten. Sie waren sicher, dass es mir Freude machen würde, dachten aber nicht, dass damit eine lang gewaltsam unterdrückte Lieblingsphantasie mit neuer Stärke erhoben und zur Ausführung kommen sollte. Diese ist meine, aus Italien und dem Berner Gebiet mit mir wandelnde Z i t h e r und meine Stimme am See Oneida ertönen zu lassen, und bei meinen Schülern nicht nur den Geschmack an schön schreiben und zeichnen, sondern auch die Liebe des Gesangs und der Musik anzufachen.
Die Wattines, mit welchen ich davon sprach, nannten diesen Entwurf den Ehrgeiz in den Wäldern und den Jahrbüchern von Oneida als nordamerikanischer Orpheus zu glänzen; aber ich werde mich nicht irre machen lassen, sondern hier diese leichte und angenehme Musik bekannt und beliebt zu machen suchen, durch welche in Italien und in dem Dorfe Langen in der Schweiz die Dämmerung und Abende verschönert werden. – Sie wissen, dass ich bei meiner Zurückkunft so manche Stunde spielte und sang, ohne dem Klavier nur eine Seele zu entwenden. Erinnern Sie sich meiner Klagen, dass jede Art einfaches Vergnügen verkannt würde, dass man lauter mühevolle, gekünstelte Dinge aufsuche, und weil sie gewöhnlich kostbar sind, aus Eitelkeit nur bei diesen eine Freude zeige, und das Natürliche allentalben geringschätze? Ich verschloss meine Ziter, und redete nicht mehr von ihr; aber wohlbehalten kam sie mit mir nach Philadelphia, von wo ich sie werde kommen lassen, dort schon nach den Ankauf einer zweiten Ziter fragte, auch Dratsaiten verlangte, weil ich suchen werde, durch meine Schreinerkunst eine zu verfertigen. Sie wird doch immer besser sein, als die erste, welche in Italien entstand. Bis mein Koffer kommt, habe ich dem schönen Gedicht gewiss schon auch eine schöne Melodie angepasst. Sehr artig finde ich das Spiel des Zufalls, welcher wollte, dass ich in Europa dem auf I h r e H a n d stolzen Fortepiano meine arme demütige Ziter opferte, welche nun so viele hundert Meilen entfernt, in Amerika durch S i e so ruhmvoll als wohltätig erscheinen wird. Ich habe auch mit Vandek und dem Vorsteher von den Gedichten und den Blättern gesprochen. Beide fühlten sogleich den Wert. Vandek wurde gerührt von dem Inhalt des H i m m l i s c h e n . Er fand es so wahr, so ehrfurchtsvoll, so würdig des Stifters unserer Religion.
Heil und Gebet dem Mann im Himmelsglanz,
Zu dessen Füssen jetzt die Sterne wallen;
Wie Mond und Sonne glänzt sein Angesicht.
Er denke unser, wenn wir beten, wenn
Sich unser Herz zum Armen freundlich neigt,
Und lasse jeden Wandrer Schatten finden,
Und jedem Durstigen zeig' Er den Quell.
Er war es selber einst, der Menschlichkeit
Die Menschen lehrte, der Erbarmen, Sanftmut
Und Milde zur Religion uns gab.
Heil und Gebet dem Mann, der Menschlichkeit
Die Menschen lehrte, der Erbarmen, Sanftmut
Und Milde zur Religion uns gab.
Der Vorsteher fand es eine unsers göttlichen Lehrers würdige Hymne; aber als Oberaufseher über das gemeine Beste, überzeugt von dem hohen Wert des Fleisses in unserer Lage, wurde er von den so ernst, schön und belehrenden Versen, d a s G e g e n g i f t , ganz eingenommen, wünschte auch, es bei