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Sie wissen meine Freunde, dass ich gerne bei Denkmählern welle, und vermuten, dass mich dieses besonders anziehen musste. Ich blieb auch von tausend Gefühlen durchdrungen lange dabei stehen. Jugend, Schicksal, Verdienste und Sorgen dieser guten Menschen umschwebten mich: Wehmut, Wünsche, teilnehmende Freundschaft und Bewunderung wechselten in meiner Seele. – O wie ganz anders war der Gedanke des Todes hier, neben den ofnen Gräbern dieser zwei Edlen in der gänzlichen Einsamkeit, als Todesideen, welche in grossen Kirchen und eigen erbauten Capellen, bei Marmor und Wundern der Bildhauerkunst mich an mein eignes Sterben und Staubwerden erinnerten. Die Stille umher, die Blumen und Pflanzen in den Grabbeeten, ein Blick auf den schönen, jungen, abgehärmten Wattines, der auf der Bank sass, welche er aus der Erde formte, die aus Emiliens letztem Ruhebette ausgehoben war, auf welches seine Augen geheftet waren. Ach, alles dieses wirkte sehr auf mich. Ich kam mit der Träne der Rührung im Auge zu dem lieben Manne zurück, setzte mich neben ihn und umarmte ihn schweigend. Nach einigen Minuten sagte er, mich bei der Hand fassend:
Nicht wahr! sie finden natürlich, dass ich wünschte unsere kleine Geschichte zurück zu lassen? Es ist so traurig, ganz, ganz vergessen zu sein. –
Ich erwiederte: Sie haben recht, aber ich danke Gott, dass er durch Colonisten zu Hülfe kam, und ich hoffe er tut noch mehr.
Seufzend sagte er: ich wünsche es, beten Sie meiner guten Kinder wegen, um mein und Emiliens Leben. – Imsigst, gewiss innigst, teurer Wattines.
Nach einer Pause von etlichen Minuten fragte ich: wo haben Sie denn die Platte zu dem Denkmahl bekommen? nun lächelte er und sagte: ich brachte sie mit aus Philadelphia.
Ich sah mit einer Miene voll Zweifel nach ihm. Er wiederholte aber:
Ja, mein Freund! ich brachte sie mit, aber in einer andern Gestalt, welche Sie den Abend sehen werden. – Es dauerte lange bis die arme Inschrift fertig war, und ich das Mittel gefunden hatte, sie mit einiger Sicherheit zu befestigen, indem ich sagte: nachkommende Besitzer dieser Insel, finden hier keine Ruinen von Gebäuden und prächtigen Denkmählern alter, kunstvoller Bewohner, wie auf den Inseln Griechenlands; aber mit dem guten Träumer Bernardin de St. Pierre hoffte ich, edle Seelen der künftigen Colonisten, würden bei diesem einsachen Denkmahle der Liebe und des unverschuldeten Unglücks, das melancholische Vergnügen des Anblicks eines Grabes geniessen. Ich nahm es weg, als wir auf das feste Land zogen, und brachte es heute sehr früh herüber, damit Sie meine Phantasie sehen sollten; – aber wir sind, fürchte ich, etwas zu ernstaft geworden, und, (indem er ein Buch aus der Tasche zog) diese versprochenen Blätter werden uns nicht ermuntern.
Ich erwiederte, warum? dieser Ernst hat wirklich seinen Anmut. Sie müssen gesehen haben, dass Todte und Gräber mir wert sind; lesen Sie mir immer die Blätter, deren Inhalt Ihnen so wert ist. – Ich achtete es für meine Pflicht, dem guten Wattines diese Bitte zu machen, denn er hatte mit so vieler Achtsamkeit auf meine teutschen Grabgeschichten gehorcht, warum sollte ich nicht zeigen, dass die Ideen von seinem geschätzten Landsmanne, mir auch angenehm sein würden. Er las mir also eine Betrachtung über d a s V e r g n ü g e n b e y G r ä b e r n vor.
"Es giebt kein Denkmahl, welches mehr Eindruck macht, als Gräber, und es ist merkwürdig, dass der grösste Teil civilisirter Völker die Gräber ihrer Voreltern zum Mittelpunkt ihrer Frömmigkeit, und zu einem Teile ihrer Religion machten. Die Gräber der Voreltern sind bei den Chinesen die Hauptzierde ihrer Vorstädte und ländlicher Hügel. Indische Stämme, weichen man sagte, z i e h t a n d e r s w o h i n , antworteten: können wir den Gebeinen unserer Eltern sagen, steht auf! und zieht mit uns in andre Länder?"
"Gräber haben Young und Gessner die rührendsten Bilder gegeben, – selbst Wollüstlinge kommen manchmal zu diesen natürlichen Gefühlen zurück, und erbauen in ihren Gärten künstliche Gräber. Woher kommt dann dieses Trauergefühl mitten in dem Genuss des Vergnügens? Ist es nicht von der Empfindung, dass etwas nach unserm Leben besteht? denn es ist nicht die von der Kürze des Lebens, und dass wir in ein Grab verschlossen werden, – dieses würde ihre Phantasie empören, und die meisten von ihnen fürchten den Tod. – Nein, das Anziehende der süssen Trauer bei einem Grabe, entsieht aus den zwei entgegen gesetzten Gefühlen, unserer wenigen Dauer auf Erden, unb unserer Unsterblichkeit."
"Dieser stille Gedanke ist es, welcher sich bei dem Anblicke dieser letzten Wohnung der Menschen in unserer Seele erhebt. – Ein Grabmahl ist wie ein Gränzstein zwischen dieser und jener Welt; es zeigt das Ende des Gewühls des Lebens auf Erden; ist Sinnbild der ewigen Ruhe, und giebt das Gefühl einer unaufhörlichen Glückseligkeit. Diese Ueberzeugung ist um so stärker, je tugendvoller der Verstorbene war. Dieser Gedanke ist so richtig, dass gewiss niemand die Asche des Nero, selbst in einer silbernen Urne, in einem Garten haben möchte, und hingegen die von Socrates, sollte sie nur in einem irdenen Topfe sein, gewiss gerne verwahren würde. Gräber verdienstvoller Personen flössen uns Verehrung ein. Man wird bei dem kleinen Hügel gerührt,