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allen Colonisten aufzunehmen, so kamen sie zum Besten der Menschheit überein, die Natur ungestört in dem schönen Besitze zu lassen, damit immer notleidende Schiffer sicher sein könnten, auf Tinian Erquickung und Ruhe zu finden.
Dieses machte mir Freude, sagte Emilie, dadurch behält die liebe Insel ganz den schönen Character des Frühlings, der allen Menschen Wohltat und Freude ist. Der Nahme T i n i a n , dünkte mich für eine blühende Gegend geschaffen, und ich wünschte die Nation zu kennen, in deren Sprache die sanfte Benennung entstand. – Lange war meine Seele nicht so angenehm bewegt, als bei der Idee von dieser Insel, indem mein Herz sagte: Tinian ist also für das physische alles was man wünschen kann, wie reine Tugend und Weissheit alles für das wahre Glück der Seele sind. – Wattines fand mein Gleichniss wahr, und setzte hinzu: man sucht aber den stillen sichern Hafen nur, wenn die Schiffe durch Stürme beschädigt sind, und die ruhige Weissheit, wenn uns die Leidenschaften unglücklich gemacht haben. Wir waren nun beide einige Momente stille, bis Wattines mit etwas bewegter Stimme sagte:
Wie soll ich nun meiner Emilie alles erzählen, was man durch Anson von der lieben Insel weiss, welche dich so sehr anzieht? Wie könnte ich gleichgültig bleiben, mein Bester! bei ewigem Frühling, bei Zuflucht gegen Stürme und Krankheit. – o, sage mir ja alles, was du von Tinian weisst. – Nun hörte ich, dass dieser reitzende Garten der Erde einst von Menschen voll schöner Gefühle bewohnt war; denn Admiral Anson traf in einem Dickigt von Bäumen und Sträuchen noch einige schwanke Pfeiler, welche oben mit Blumenkörben von vortrefflicher Bildhauerarbeit besetzt waren. – Anson wurde dadurch begierig noch mehr Entdeckungen zu machen, aber es fand sich nirgends eine andre Spur von Gebäuden, nirgends Einwohner, die etwas erklären, oder nach alten Sagen ihrer Vorzeit erzählen konnten. – T i n i a n beschäftigte nun meine ganze Seele, diese Insel dünkte mich der höchste Teil eines grossen, in das Meer versunkenen Eilandes zu sein. Die schönen Pfeiler mit den Blumenkörben umfassten vielleicht den Vorhof eines ofnen, dem guten Gott der Welt geweihten Tempels, welcher von allen Seiten, jeder an der Seite des Berges und in der Pläne wohnenden Familie, sichtbar gewesen sein musste, gegen welchen die guten Menschen bei Auf- und Niedergang der Sonne, ihre Augen mit einem Dankgebet erhoben; und gewiss lehrte jede Mutter ihr Kind auf dem Arme, seine Blicke nach dem schönen Berge zu richten, und seine Händchen dabei zu falten. Wie oft mag eine in blühender Wiese knieende Mutter ihre betenden Hände, über denen des vor ihr stehenden Kindes geschlossen haben, von dem Urheber der Sonne, der Erde und des Meers, Glück und Leben für das geliebte Kind zu erflehen: gewiss flüchteten bei dem ersten Weichen des Bodens unter ihren Füssen, viele nach dem geliebten Berge, sahen den Untergang der andern, und zitterten für sich. Gewiss viele wurden gerettet. Wo sind ihre Nachkommen? – Wattines antwortete mit traurigem Ernst:
Vielleicht hat Begehrlichkeit und Neid der benachbarten Insulaner, mit dem kleinen geretteten Ueberreste des Volks von Tinian um den Besitz des schönen Berges gestritten, und sie völlig ausgerottet. – Und dieser Neid, sagte ich, hinderte gewiss auch, dass man nichts von der Tugend und den Verdiensten dieser einst so glücklichen Tinianer hörte. Nur der Geist des schönen Geschmacks, und der Genius der Kunst, haben vereint die letzten Fusstapfen der guten würdigen Bewohner von Tinian bewahrt, und den Staub dieser, von der ganzen Welt vergessnen, edlen Menschen, nährt noch Pflanzen, welche Kranke heilen und erquicken, Tinians ewigen Frühling verschönern, und den Wuchs der schattenden Bäume vergrössern; auch ruht stets noch ein Teil des Segens der genesenen erheiterten Seeleute auf ihrer Asche, der reine, nie getrübte Himmel fliesst über sie, ihre Seelen sind bei ihrem Schöpfer und – hier fiel Wattines mit der liebreichen Anmerkung ein, ihr Andenken wird von dem edelsten Herzen, mir so vieler Teilnahme gefeiert, wobei er zärtlich nach mir blickte. – Unbedachtsam erwiederte ich diesen Blick mit dem Wunsche, ach, wenn unser Carmil auf Tinian erzogen würde! – plötzlich erschien nicht nur in Gesichtszügen und Augen, sondern in der ganzen Gestalt meines Carls ein Ausdruck von Ernst und Schmerz, der mich staunen machte. Erst waren seine Augen zur Erde geheftet, dann erhob er sie mit der Träne des innern Unmuts benetzt gegen mich, reichte mit der Hand über sein Buch nach mir, und sagte:
Bekenne teure Emilie! dass dieser Wunsch für Carmil nur ein kleiner Umweg für die erregten Wünsche deines eignen Herzens war. T i n i a n ist dir mehr als unsere Insel geworden. – Vergiss aber doch nicht, dass die Bewohner Tinians aus dem Schoosse des ewigen Frühlings verschwanden, und dass wir auf Oneida mit Carmil ruhig leben. –
Ich starrte ihn an, und da er bei der zuletzt ausgesprochenen Sylbe meine Hand nur einen Moment drückte, und die seine sogleich zurückzog, warf ich meine Arbeit weg, umarmte ihn und sagte an seinem Halse weinend:
O Gott sei Dank für den Entschluss des Wegziehens, denn die Einsamkeit dieser Insel wirkt trauriger auf meinen edlen Carl als auf mich, sein ofner, gütevoller Character wird misstrauisch, selbst auf seine Emilie, wird ungerecht gegen sich selbst. Sage Lieber! wie sollte ich mit einer Idee meines Kopfs, oder mit einem Gefühle meines Herzens