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Emilien stand, einige Tropfen Wasser, welches unnötig war, denn meine und seiner Mutter Tränen netzten seine Stirne und Kopf. Ich wollte ihm nur den geliebten Namen Emil beilegen, aber ich musste den meinen dazu nehmen, und ihn Carl Emil nennen, wodurch in der Abkürzung am Ende das heutige C a r m i l entstand. Als die Weiber erwachten, kochten sie Mais, gaben ihren Kindern und mir davon, stellten Emilien einen Teil mit einer Muschel hin, und wollten nach ihrer Arbeit auf das Feld. Ich fasste die Hand von Alha, deutete auf Emilie und mein Kind, sagte in zärtlichen Tönen meinen Dank, und gab ihr den Ring, so wie Emilie den ihrigen zu gleicher Zeit der andern Frau. Beide schienen vergnügt, belehrten Emilien noch mit ihrer Pantomime und abgebrochenen Tönen, wie sie ihr Kind behandeln solle, und gingen ihrer Arbeit nach. Ich blieb bei Emilien: ihr Wohlsein dünkte mich wundervolle Güte Gottes: ich ergoss mich in Dank- und Freudentränen; und da wir uns erinnerten, dass die Indier es gerne haben, wenn man ihre Namen annimmt, so beschlossen wir Abends, wenn der Jäger nach Hause kommen würde, unsern Sohn in seiner Gegenwart Nesquehiounah zu nennen. Ich hob also, da er zu der Hütte kam und mich fragte, ob ich noch froh sei? meinen Sohn unter der Tür gegen Morgen empor, wobei ich den Namen Nesquehiounah ausrief, worüber mein Indier und seine Schwester sehr viele Zufriedenheit bezeigten. Was mich dabei rührte, war, dass der Mann eine Hand meines Kindes fasste und sagte: Kitchy manitou soll dich leben lassen und stark machen, ich will dich jagen und fischen lehren; dann auf einmal seinen Hund rufend und ihn streichelnd, sagte er mir: wenn du einmal deinen Sohn im Walde verlierst, wie Derik, der Holländer verloren wurde, so rufe mich und meinen Hund, da finden wir dein Kind, wie Tewenissa und sein Hund Oniah, den Sohn Derik gefunden haben.
Ich dankte ihm, und bat ihn, mir die Geschichte zu erzählen, welche ich nachher besser hörte. Ein Colonisie an dem Fusse der blauen Berge, verlor einen Knaben von vier Jahren; die Eltern und ihre Freunde waren voll Angst, suchten und ruften das Kind, erhielten keinen Laut. Der Gedanke, wilde Tiere hätten es zerrissen, durchbohrte ihr Herz. Ein Indier, der mit Pelzwerk handelte, will den Colonisten besuchen, und erfährt die traurige Nachricht. Ruf deinen Herrn, sagt er einer alten Sclavin, ich will ihm Gutes sagen. Die Frau stösst ins Horn, welches gewöhnlich geschieht, wenn der Herr auf dem Felde ist, und jemand zu ihm kommt und ihn sprechen will. Der Mann kommt. Der Indier sagt: gieb mir Schuhe und Strümpfe deines Sohnes, die er kurz zuvor getragen hat, nun lässt er seinen Hund daran riechen, und zieht mit der Hand einen Cirkel in die Luft. Der Hund läuft fort, bald giebt er einen Laut, welches anzeigte, dass er auf der Spur sei. Der Indier geht seinem Hunde nach, konnte auch, wie alle seine Landsleute, geschwinder laufen, als die Europäer, und bald trifft er das Kind unter einem Baume halb verschmachtet, weil es beinahe in 24 Stunden nichts genossen, und die Nacht da gelegen hatte. Der Colonist gab seinem Sohne auch den Namen Tewenissa, aus Dankbarkeit für den Mann, welcher sein Leben rettete. War es nicht schön, dass mein Indier, mir und meinem Sohne den nehmlichen Dienst gelobte, und ist es nicht, setzte Wattines hinzu, ein schöner obwohl sehr dünner Faden der Verbindung des Denkens und der Gesinnung der Europäer und Indier, dass der wechselseitige Namentausch, ihre wehre Freundschaft bestätigt? Ich ging diesen zweiten Abend glücklicher unter meine Bärenhaut, schlief wohl, und genoss gleich bei Sonnen-Aufgang den süssesten Anblick für das Auge eines treuen jungen Vaters, meinen Sohn an der Brust seiner Mutter. – O gewiss, in keinem Momente ist eine schöne Frau schöner, als mit einem Säugling an der reinen Brust! – Wie soll ich Worte finden, Ihnen das Gefühl zu beschreiben, welches meine Seele durchdrang, als eine innere Stimme mir sagte: hier saugt dein Kind Leben und Tugend ein; aber urteilen Sie, von dem Eindruck welchen ein Gedanke meiner Emilie auf mich machte. Sie wissen wie sehr sie über den Verlust der Ziegen gejammert hatte, weil sie, die ihr ganzes Leben so gerne Milch ass, nun keine hoffen konnte, mich nun, da ihr Kind von ihren reinsten Lebens-Säften Milch erhielt, bei der Hand fasste und sagte: O wie glücklich bin ich, mein Carl! durch die Anordnung der Natur: das Schicksal beraubte mich des angenehmen Genusses der Milch, und die Natur giebt mir Milch für unser Kind. O ich freue mich, das ich es nun glücklicher sehe als ich bin.
War ich nicht in diesem Augenblick der allerglücklichste Gatte und Vater auf der ganzen Erde? Wir waren wieder den ganzen Tag allein, ausgenommen ein hübsches Mädchen von acht Jahren, welches sich vor unsere Hütte setzte, und von Maisblättern recht artige Körbchen flocht. Dieses freute meiner Emilie ungemein; sie wünschte mit dem guten Geschöpfe sprechen zu können, und dieses Flechten von ihr zu lernen, um auch Körbe zu unserm Gebrauche auf der Insel zu machen; aber besonders eine Art Fussdecken zu verfertigen, auf welchen unser Carl Emil in unserer Hütte sitzen,