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Vorratskammer mit vier zweizinkigten eisernen Essgabeln; deren der gute Quaker ihnen 6 gekauft hatte, und die liebe Frau sagte zu Wattines: sie glaube, dass wenn er diese Gabeln in einem Stücke Holz befestigen könnte, so würde sie eine recht gute Art Hechel erhalten. Ich habe, meine Freunde, da die guten Menschen alles aufhoben, was ihnen auf ihrer geliebten Insel gedient hatte, diese zwei Notecheln gesehen, ja ich wünsche sehr, dass meine liebenswürdige Baase sich bei diesem Blatte in ihrem Hause und Keller umsehe, um sich dann einen Begriff von der Freude zu machen, welche die gute Emilie empfand, als sie nach einigen Versuchen so glücklich war, eine Art Honigwein und Honigessig zu kochen, wodurch sie einen gesunden Trank erhielten, und Fische teils in Essig zum Speisen abkochen, teils gebraten mit Essig besprengen und aufheben, und nach vielen Tagen, neben einer Schüssel gekochter Bohnen auftischen konnte. Im Winter aber, da sie mit unendlicher Mühe Sonnenblumenöhl erhalten hatten, assen sie auch, wie ihr grünes Gemüse verzehrt war, Bohnen als Sallat. Ihr Freund der Quaker hatte an vieles, aber nicht an alles gedacht. Sie trösteten sich indess auf das kommende Frühjahr, wo sie durch die wiederkommenden Fischer Nachrichten und neue Hülfsmittel zu erwarten hatten. Der gute alte Freund, welcher ihnen einen Knecht oder Magd mitzunehmen geraten hatte, hatte alles für drei Personen berechnet, womit sie nicht nur bis zu ihrer Erndte, sondern bis zu der neuen Fischzeit reichen würden. Da sie nun allein waren, und Emilie sehr sorgfältig wirtschaftete, kamen sie über dieses Ziel hinaus. Wattines fieng einige Biber und Fischottern, wovon seine Frau die zartesten Teile zum Essen bereitete, das Fett aber sorgsam auskochte, um davon bei Mangel des Mondscheins, in den langen Winternächten, welche sie fürchteten, eine Lampe zu unterhalten; Wattines aber die Felle, nach Anweisung der Encyclopädie, auf eine geschickte Art bewahren und weich zu machen lernte. Als sie Flachs hatten, musste er Spindeln schnitzen, so wie er auch eine recht artige, aber sehr einfache Haspel verfertigte, und am Ende selbst spinnen lernte; wobei er sich an die Geschichte des Herkules und der Omphale erinnerte, Emilie aber zu ihm sagte: Ach, die Aehnlichkeit ist sehr klein, da wir beide nur Sterbliche sind, ich keine Prinzessin und Wattines kein Halbgott ist; da wir, wo diese nur spielten, sehr ernstaft arbeiten müssen. Wir lächelten bei diesem Teile der Erzählung, und die holde Frau sagte: Sie sehen, dass wir auch Mittel fanden, manchmal mit unserm Kummer zu scherzen, und diess war sehr nötig, denn mein guter Wattines war nur zu oft ernstaft. Da sie mit diesem Worte aus dem Zimmer ging, sah er mit Blicken voll Liebe und Bewunderung ihr nach, dann aber stillschweigend auf mich, der ihn fragte: ist es wahr, dass sie oft zu ernstaft waren? Er antwortete nach einiger Ueberlegung: ja, ich wurde es in den allerglücklichsten Stunden meines Lebens, wenn ich an den hohen Wert des Engels dachte, der alles verlassen hatte, und ohne Klagen oder Murren, mir hieher gefolgt war. O Emilie weiss nicht, wie oft ich mit mir selbst kämpfte, wenn nun die Stunde kam, nach meiner Hütte zurück zu gehen, und ich manchmal die Ermüdung bei einer schweren Arbeit, auf einen Grad fühlte, dass mich der Gedanke von Möglichkeit meines Krankwerdens fasste. O, da lag ich vor Gott, flehte um Leben, um Barmherzigkeit und Unterstützung, nur um Emiliens willen. Denken Sie sich, was für eine Menge von Ideen und Empfindungen ich unterdrücken musste, um mit einer etwas heitern Miene in meine Hütte zu treten, und dem doppelt scharfen Blicke ihres Verstandes und ihrer Liebe zu entweichen, und ihre Aufmerksamkeit von mir abzulenken. Oft machte ich unvermutet eine Frage, welche sie mit dem liebenswürdigsten Geiste beantwortete, und hundertmal meine Seele zwischen Schmerz und Entzücken teilte. Wattines sah, dass ich eine dieser Scenen zu kennen wünschte, und erzählte mir, dass er einst zwei schöne Fische und eine wilde Endte in seinem Hute nach Hause brachte, seinen Fang aber auf grossen Blättern, und mit Waldblumen geziert zu Emiliens Füssen niederlegte, worüber sie viel Vergnügen bezeugte und munter sagte: Carl! ich bin froh, dass wir nicht mehr in der Zeit der Griechen oder unter einem amerikanischen Jägerstamme leben, weil ich auf die Vermutung geraten könnte, Diana selbst oder eine reizende Sqwa beschenkte dich so oft mit ausgewählter und geschmückter Beute. Da ich ihr nun die Geschichte der kleinen Jagd erzählte, und sie meine Geschicklichkeit mit so vieler Zärtlichkeit lobte, sagte ich wie sehr mich ihre Zufriedenheit mit meinen ländlichen Talenten freue, und setzte hinzu: Emilie! ich wünsche schon lange zu wissen, was in dem Innern deiner Seele für ein Bild von mir liegt? – sie blickte mich forschend an, sagte aber gleich mit fester Stimme: das von einem edlen, feuer- und gütevollen liebenswerten Manne. Ich war gerührt, umarmte sie dankbar, sagte aber mit einer Art Schmerz: ach Emilie! edel und gütevoll suchten meine Eltern mich zu bilden, aber das Feuer welches die Natur in mir legte, verzehrte und verwüstete vieles davon. Das holde liebe Weib küsste mich und sagte lächelnd: der See Oneida hat alles zu Feurige gedämpft. Hier erwiederte ich schnell, also fandest du mich auch zu feurig? In deiner Liebe nicht, aber deine zu lebhaften Empfindungen bei Gesprächen und