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bewegender Geschöpfe, dass wir weniger allein sind, und da ich nun einige Namen von ihnen weiss, so ist mir, als ob freundliche edle Wesen auf uns blicken. Ich war dabei etwas bewegt, und legte meinen Kopf an Wattines Brust. Er küsste meine Stirne und sagte lächelnd: Du hast recht, meine Emilie! diese Sterne als liebreiche Nachbarn anzusehen, welche nach Untergang der Sonne, bei sanftem Lichte eine stille Wache für uns halten. Die Luft war so ruhig, dass wir den Wiederschein der Gestirne auf der glatten Oberfläche des Wassers sahen. Wattines machte mich darauf aufmerksam, indem er sagte: Teure Emilie! sind wir nicht in diesem Moment zwischen zwei Himmel? und mit einem Arme mich umfassend, mit dem andern auf den See und die Sterne deutend, setzte er hinzu: hier bei dem nahen Ebenbilde des Himmels über uns, bist du mein Engel, der sanfte Tugend und Vorschmack der Seligkeit in meine Seele giesst. Ich dankte ihm zärtlich, da ich aber dabei einen Seufzer unterdrückte, vielleicht auch etwas traurig um mich blickte, wollte er die Ursache wissen, und ich antwortete: dass ich uns eher als zwei, aus beiden Himmeln, an die Gränze verbannte Unglückliche betrachtete. – Ich fühlte an seinem mich umfasst haltenden Arme, dass er schauderte; er seufzte, schwieg lange, endlich umarmte er mich lebhaft, und sagte wie in Begeisterung: Nein Emilie! der Anblick dieser zahllosen Welten über uns, und das Gefühl unserer moralischen Verbindung mit ihrem und unserm Schöpfer, erhebt meine Seele über alles Wohl und Weh unserer Erde. Diese Gestirne und Gott über uns, d u , deine Liebe für mich und unsere auf dieser Insel ausübende Tugend, erfüllen alle meine Gedanken. – Nach einigem Stillschweigen von uns beiden, sagte ich: – mein Carl erinnert sich wohl an den schönen Ausspruch eines grossen Alten: Dass die Gotteit kein angenehmer Schauspiel kennt, als den rechtschafnen Mann mit dem Unglücke k ä m p f e n z u s e h e n ; – ist dieses nicht die Lage meines Carls? Wattines staunte über diesen Gedanken seiner Frau, umarmte sie äusserst gerührt, und sagte dann männlich ernst: Diesen Anblick soll der Himmel in mir geniessen. Sie waren bei dieser Stimmung des Geistes sehr vergnügt, und gingen, wie Emilie sagte, durch diese Betrachtungen zu jeder edlen Tat, und zu der Kraft allein zu sein gestärkt, zufrieden in ihre Hütte zurück, wo der zum Sprechen sehr aufgemunterte Wattines noch sagte: Alleinsein und stillschweigen, wurde immer als die härteste Strafe für uns junge Franzosen angesehen, und diess war der Grund, warum so grässliche Bilder von dem Gefängniss der Bastille gemacht wurden, weil unsere Minister vornehme Bösewichter dort einsperrten; dennoch ruhte neben diesem Zuge unsers National-Characters, ganz genau der Beweis entgegengesetzter Ideen; denn Frankreich hatte mehr Klöster von dem so streng, einsam und schweigenden Orden de la Trappe, als das ganze übrige Europa: Emilie hörte gern und aufmerksam ihm zu. Er fasste sie bei der Hand und sagte mit daurender Lebhaftigkeit: Ja, teure Emilie! verkehrte Begriffe von Gott, von seiner Güte und den Pflichten gegen ihn, auch zu weit getriebener Hass gegen die Fehler der Menschen, führten ehemals Einsiedler in Wüsteneien, und in neuern Zeiten viele unserer besten Landsleute in diesen harten Orden; wie mich der Abscheu vor den Mördern unserer Verwandten hierher brachte: denn, ach Emilie! gerade in der vollen Blüte aller Kräfte bestimmt der junge Mann sein Schicksal, der e d l e g u t e will mit warmen Eifer alles bessern, der s t o l z e , h e r s c h s ü c h t i g e alles ändern. Geht es nicht, wie die ersten wünschen, so reissen sie sich von allem los, gehen mit dem Geiste der Religion in Klöster, und mit dem meinigen an den See Oneida: die zweiten vereinigen sich, wie es in Frankreich geschah, zerstören das Alte, morden was sich widersetzt. Entusiasmus der Frömmigkeit hielt die Einsiedler fest, und die Mönche in ihren Zellen. Ich sahe einst eines dieser Klöster nahe bei Lyon, einer unserer grössten und volkreichsten Städte, das Gelübde verbot ihnen irgend jemand zu sehen und zu sprechen: wir meine Emilie! sind durch das Schicksal einsam, sehen, sprechen und lieben uns. Sollte der Entusiasmus unserer Tugend sich nicht erhalten und uns hier glücklich machen? Diese Unterredung freuete die sanfte Emilie, denn sie stützte ihren Mut; doch, sagte sie, war ich froh, dass Wattines für seinen und meinen Unterhalt arbeiten musste, weil ich gelesen hatte, dass jedes nur durch überspannte Ideen entzündete Feuer der Gesinnungen auslösche, und nicht nur Kälte, sondern Erstarren aller Kräfte und Missmut des Geistes zurück bleibe, wo man nichts mehr wünsche noch liebe. Dieser Zustand der Seele war das grösste Uebel, das Emilie sich für ihren so feuervollen Wattines denken konnte. Er fällte nun, wie er es von den Fischern gelernt hatte, einige Bäume, um einen Vorrat Winterholz zu sammeln; machte eine Tragbare, damit Emilie nach ihrem Verlangen, ihm Stücke Holz und Büschel nach der Hütte bringen helfen konnte. Es war Pflicht meinem Mann die Arbeit zu erleichtern, sagte sie, und diente ja uns beiden. Es erinnerte mich wie oft ich diese Arbeit von den armen Bauersleuten in dem Dorfe meines Vaters sah, und nun Gott dankte, dass ich niemals sie belachte