highChunks/1798_La_Roche_066_21025.txt -- topic 82 topicPct 0.363888889551
Gott mir um dieses Mitleids willen das Ganze in meinem Gedächtnisse bewahrte, damit ich einst auf einer öden Insel Brod hätte wie die Schotten auf ihren Bergen.
Sind Sie nicht, meine Freunde! hier eben so gerührt wie ich? Hätten Sie nicht mit mir gesagt:
Holdes, verehrungswertes Weib! – Vandek fiel ein, gewiss ist sie beides, setzen Sie hinzu, dass Emilie damals kaum 20 Jahre zählte, und Wattines 24, als er hier von seinem Drat enge viereckigte Gitter über die zwei Backgruben machte. Meine Freundin vergiebt mir, dass ich hier der jungen edlen Französin zu Ehren wünsche, dass unsere teutschen Frauenzimmer, welche so gerne lesen, sich auch solche Züge der Geschichte der Menschheit zu eigen machen möchten. Ich betrachtete diese Gruben mit mehr Achtung und Empfindungen, als ich die Werkzeuge des vornehmsten Pasteten-Beckers ansehen würde, und freuete mich herzlich, dass die liebe Frau und ihre Kinder jetzo ordentliches Brod zu essen haben. – Mein letzter Blick auf diese Hütte war mit dem Gedanken verbunden:
Vier Jahre hier, von der ganzen Welt getrennt, ein junger französischer Edelmann und sein blühendes Weib. Beide für die glänzendsten Zirkel ihres Vaterlandes gebildet! Mit Schauer setzte ich hinzu, o Schicksal! – Vandek führte mich weiter, und bei jedem Schritte vermehrte sich mein Staunen; denn Wattines hatte Wunder des anhaltenden Fleisses und der Geschicklichkeit getan. Zugleich liegt in allem der Beweiss, dass guter Geschmack uns eben so natürlich werden kann, als Atem holen, und Zierlichkeit ein beinahe eben so grosses Bedürfniss für unser Auge wird, als die Lichtstralen selbst. Urteilen Sie, lieben Freunde, ob ich dieses nicht denken, nicht sagen musste, als ich die grossen, von Wattines Hand noch jetzo aus Dankbarkeit ganz allein und äusserst nett angebauten Felder, hier und da mit Blumenbüschen besetzt sah. Alles sieht vortrefflich, und Vandek ist mit Wattines völlig überzeugt, dass der gute Abbee Rozier Recht hatte, als er behauptete, dass ein mit dem Spaten umgegrabenes Stück Erdreich immer gegen die mit dem Pfluge bearbeiteten von doppeltem Ertrage sein würde. Zwanzig Schritte näher gegen Mittag, von den Feldern ab, stehen schlanke Pappeln, an welchen Wattines von den in Neu-Jersei so gut fortkommenden Fuchstrauben anpflanzte, welche wirklich schon von einem Baumstamme zu dem andern, in lieblichen, wie Tomson vom Geissblatte sagt, phantastichen Gewinden zusammen hängen, unter welchen einige abgesägte Baumstumpen Statt Stühlen umher stehen. Unweit dieser Stelle endigt sich der von Wattines angebaute Teil der Insel, und man kommt zu einem schönen Wäldchen, dessen Eingang Wattines ziemlich erweiterte, und den Boden mit Waldgras unterhalten hat. Aber dieser Gang wird gegen das Dickigt des Waldes schmäler und etwas gewunden. Vandek führte mich unter beständigem Sprechen und Erzählen, bald stille stehend, bald rückwärts blickend, zu einer noch viel unerwartetern Ansicht, als alle Vorhergehenden; denn eine Art sich unter düster verwachsene Eichen und Trauer-Birken hinziehender Waldplatz, zeigt auf einmal zwei grosse weisse Aschen-Krüge, wovon der eine in schwarzen Buchstaben die Aufschrift trägt:
Dem Andenken der Väter und
Mütter von Carl und Emilie von
Wattines geweiht.
Der andere:
Dem Oheim und den Brüdern.
Der Uebergang von der Holzhütte zu den Feldern, der Moosbank und den Blumen durch einen ganz einsamen Teil des Waldes, und dann auf einmal diese Vasen von der schönsten Form zu treffen, war sehr überraschend. Ich stand wie träumend, und blickte staunend auf die Urnen. Nun fasste mich Vandek bei der Hand und sagte:
Treten Sie näher! Dieses ist Emiliens Arbeit in Zeit von zwei Jahren. – Was fand ich, Vasen und Fussgestell aus Ton, mit lauter Muscheln besteckt, und in das schattigte Dickigt gestellt, damit sie nicht von der Sonne ausgetrocknet, in Stücken springen möchten. Ich war sehr gerührt, und auch noch nicht ganz von der Ueberraschung erholt, als mein Begleiter mir lächelnd sagte: Freund! hatten Wattines und seine Frau Unrecht, den Geschmack an Ordnung und Zierlichkeit, mit in ihre Hütte und in ihre Einsamkeit zu bringen? Sie sehen, das Feld wurde nicht vernachlässigt: nun erlauben Sie mir zu wünschen, dass unsere Stadt bald stehe, und das nach dem Riss der Ihnen missfällt, weil er so hübsch ist. Glauben Sie, teurer Freund, der Geschmack an Ordnung, Blumen und Symmetrie, verdirbt die Menschen nicht, sonst würde Holland nicht in dem Wohlstande sein. Begierden nach Ueberfluss und Leidenschaften, die verderben alles.
Ich war über den Eifer betreten, mit welchem er mir meine Sorgen verwiess, dass seine Colonisten zu früh schöne Häuser und Gärten haben würden, und da er auf einen andern Weg eingelenkt hatte, folgte ich ihm schweigend nach, und kam an einem, dieses Jahr zum erstenmal angesäeten Kleestücke vorbei, in einem lichten Teile des Waldes, welchen Vandek den Hayn der Liebe nannte; weil Wattines durch seiner Emilie Muschelarbeit gereitzt, auf einem, mit Magnolia bewachsenen Platze, einen nach alter Form dreieckigten Altar errichtete, ihn auch mit Muscheln bedeckte, und auf die drei Seiten den Namen, E m i l i a , setzte. Sie können nicht glauben, meine Freunde! wie alles dieses auf mich wirkte, und was dieses Denkmal edler Liebe unter den schönen, in voller Blüte stehenden Bäumen, für einen Eindruck auf mich machte. Von da kamen wir an das Ufer des See's, wo der gute Wattines einen Platz zum Fisch- und Otterfang eingerichtet hatte. Eine Strecke