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jetzt schon verehren, werden Sie sie lieben, wenn Sie sie näher kennen werden! – (Sie umarmt sie.) Leben Sie wohl! Meine besten Wünsche werden Sie begleiten. –
Elisa verliess nun das Zimmer. Wallenheim ergriff Rosaliens Hand, drückte sie an seine Lippen, und rief; Leben Sie wohl, Rosalie! Nach meiner Gattinn werden Sie mir stets unter allen Weibern das Liebste sein! Rosalie sprach nicht, sie vergoss Tränen, Tränen des Danks, der Bewunderung, der Reue und der Demütigung. – Wallenheim folgte seiner Gattinn sprachlos sass er an ihrer Seite, Vorwürfe waren in ihm erwacht, er trauerte, dass er der Nachsicht seiner Gattinn bedurfte, und dieses Gefühl demütigte ihn, und machte ihn niedergeschlagen. Elisa las es in seiner Seele, sie wollte jeden Schmerz von ihm entfernen, sie wollte ihn wieder mit sich selbst aussöhnen. Sie suchte seine Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände zu richten, sie bewies ihm so viel Liebe, so viel Achtung; in ihrem ganzen Wesen war eine ungezwungene Heiterkeit, sie bestrebte sich, ihm zu zeigen, dass sie glücklich sei. Er fühlte das Edle ihres Betragens, er war gerührt. So langten sie in ihrer Wohnung an. Wallenheim begleitete seine Gattinn in ihr Zimmer; hier drückte er sie in seine Arme, und in seinem Auge glänzte eine Träne. Die sanfte, gefühlvolle Elisa weinte Tränen des süssesten Gefühls. O Wallenheim, sagte sie, indem sie ihren Kopf auf seine Schulter lehnte, wie glücklich werde ich nun sein! Wallenheim vermochte nicht zu sprechen, er drückte nur ihre Hand, und sagte zu sich selbst: wie konnte ich doch das Weib nicht lieben? Nun kamen Henriette und Herrmann herein, und in diesem Augenblicke machte ihr Anblick Wallenheim seine Gattinn noch teurer. –
W a l l e n h . (Zu seiner Gattinn, nachdem die Kinder wieder hinausgegangen sind.) Elisa, ich bedarf Ihre Nachsicht noch weit mehr! meine Vermögensumstände sind in der grössten Zerrüttung, ich habe Schulden, ich habe Spekulationen gemacht, bei welchen ich ansehnliche Summen verlohren habe, ich fürchte, mir bleibt nichts mehr übrig.
E l i s a . Ich besitze ja noch mein ganzes Vermögen, teurer Wallenheim. Lassen Sie uns morgen Ihre Angelegenheiten untersuchen, ich werde Ihre Schulden bezahlen, und bleibt uns nicht viel übrig, so wollen wir nach Wallental ziehen; unser Aufentalt dort wird weniger kostbar sein, als in B...
W a l l e n h . Elisa! Weib! Ich raubte Dir die Freuden Deiner Jugend. Ich streuete Gram auf den Pfad Deines Lebens; und nun soll ich Dich auch noch Deines Eigentums berauben? Nun sollst Du in die Einsamkeit fliehen, mit dem Manne, den Da nicht lieben kannst? Nun sollst Du büssen für meine Schuld? –
E l i s a . Nicht doch, lieber Wallenheim! Das Vergangene ist nicht mehr. Ich hatte auch Freuden an Ihrer Seite. Wie oft waren wir froh, wenn unsere Kinder um uns spielten! – Da unser Erstgebohrner zum Erstenmahle in meinem Schoosse ruhete, o, da umarmten Sie mich mit der innigen Zärtlichkeit des Gattin und des Vaters! – Seitdem wuchs meine Liebe zu Ihnen, und ich darf sagen Ihre Achtung zu mir – und ich war glücklich. – Ich war glücklich, wenn ich Ihren Beifall, glücklich, wenn ich Sie zufrieden sahe, glücklich, wenn Sie mit Liebe auf mich und meine Kinder blickten; und dieses dankte ich Ihnen! Der trüben Stunden wollen wir vergessen, sie zogen ja bald vorüber. – Sollte ich denn nun mein Interesse von dem Ihrigen trennen? – Sie und ich können es nicht, Wallenheim; es ist zu genau verbunden. Lassen Sie uns also gemeinschaftlich an der Wiederherstellung unsers Vermögens arbeiten! Ich gebe Ihnen ja nichts, wenn Sie mit meinem Gelde Ihre Schulden bezahlen, es ist ja Ihr Eigentum, ich genoss ja des Ihrigen. – Und können Sie glauben, dass ich unglücklich in Wallental sein werde? Ich liebe das Land, Sie und meine Kinder begleiten mich, und mit ihnen meine süssesten Freuden. Nur eine Besorgniss würde ich kennen, das wäre, Sie unglücklich zu sehen. – Doch nein, auch Sie, mein Wallenheim, werden das Süsse der häuslichen Freuden empfinden, wenn Sie sie kennen werden. Sie sind mit den rauschenden Vergnügungen bekannt, o, lassen Sie mich Sie mit dem stillen Vergnügen des häuslichen Glücks bekannt machen! Es soll in Wallental das Unsrige werden. Es wird es sein, wenn inniger vereiniget wir unser gemeinschaftliches Bestes zu erreichen streben, und gegenseitig jeden Verdruss von einander entfernen, und dann an jedem Abend mit der innern Ueberzeugung, unsere Pflichten erfüllt zu haben, uns in der Mitte unserer Kinder befinden, welche wir zu nützlichen Menschen erziehen, und deren Anblick die süsseste Freude in uns erwekken wird; wenn wir fortfahren, unsern unglücklichen Mitbrüdern beizustehen: wenn wir, obgleich nicht mehr reich, doch nicht aufhören, die Greise zu unterstützen, und die Kinder des Elendes zu erziehen. O, dann wird jede Gabe, welche wir den Unglücklichen reichen, zehnfache Wonne auf uns strömen; denn bisher gaben wir nur von unserm Ueberfluss, jetzt opfern wir vielleicht einige unserer Bequemlichkeiten, allein edle Selbstzufriedenheit wird uns lohnen, und der Seegen der Unglücklichen uns Freudentränen erpressen! Manche Stunden schenken wir dann auch der Freundschaft. Ihr Felsing und meine Henriette, werden uns unsere Einsamkeit noch süsser