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mit Gleichgültigkeit, und Felsing und Wallenheim bezeugten ihr Ehrerbietung. Auch Caroline war Mutter, sie hatte eine Tochter. Allein Elisa bemerkte, dass die Liebe zwischen Wallenheim und seiner Gattinn erkaltet war; Caroline liess auch ihn die Heftigkeit ihres Charakters empfinden; fast täglich war ein Streit zwischen ihnen, und selten war bei ihnen Uebereinstimmung. Elisa bestrebte sich, ihre gewöhnliche Ruhe und Heiterkeit wieder anzunehmen; sie ging nicht allein spatzieren, und vermied die Spatziergänge, wo sie Herrmann am häufigsten gesehen hatte. Einst fragte die Baroninn von Hohnau sie: Bist Du glücklich? E l i s a . Ja, meine Mutter. B . v . H . Dem Himmel sei gedankt! Deine Schwester lebt fast in beständiger Uneinigkeit mit ihrem Manne, und schon warf ich es mir vor, Deine Neigung gezwungen zu haben, da doch Caroline dadurch nicht glücklich geworden ist. E l i s a . (Gerührt.) Dieser Gedanke beunruhige Sie nie, meine Mutter! Ich besitze die Achtung meines Gatten, und bestrebe mich, sie zu verdienen, und finde mein Glück in den Bemühungen, meine Pflichten zu erfüllen. B . v . H . (Mit einem Seufzer, umarmt Elisa'n.) Elisa, ich verkannte Dich! Sie verliess hierauf das Zimmer. Elisa sahe, dass ihre Mutter ihre vorige Härte gegen sie bereuete, sie wollte sie darüber keinen Schmerz empfinden lassen. Heiterer als zuvor wurde nun ihre Miene; sie scherzte froh mit den Uebrigen, und durch das Bestreben, ihre Mutter von ihrer Zufriedenheit zu überzeugen, vergass sie, dass in Hohnauschloss sie einst zerstört wurde. Henriette war nun seit zwei Tagen Felsings Gattinn, und der vierte Tag nach ihrer Hochzeit war zu ihrer und Elisa's Abreise festgesetzt. Elisa konnte aber Hohnauschloss nicht verlassen, ohne noch einmahl die Frau von Birkenstein zu sehen. Sie ging mit Henrietten am Tage vor ihrer Abreise nach Birkenstein, und Carl musste mit seiner Wärterinn sie begleiten. Die beiden Freundinnen sprachen auf dem ganzen Wege kein Wort; Elisa war im tiefen Nachdenken verloren, und nur zuweilen drängte sich ein Seufzer aus ihrer Brust. Stärker schlug ihr Herz, als sie sich dem Wohnhause der Frau von Birkenstein näherten. – Nun war sie bei der Linde, unter welcher sie Herrmann zuerst gesehen hatte; allein ihre Blicke weilten nicht auf dieser Stelle, sie nahm Carln auf den Arm, und eilte schnell in das Haus. Frau von Birkenstein kam ihr entgegen, Elisa warf sich in ihre Arme; sie blieb lange in dieser Stellung. Endlich fühlte sie sich von den Tränen der Frau von Birkenstein benetzt, und sie selbst weinte, ohne es zu wissen. Sie richtete sich nun auf, ergriff die Hand der Frau von Birkenstein: So lieben Sie mich denn noch? F r . v . B . (Sie noch einmal in ihre Arme drükkend.) Elisa, wer einmal meine Liebe erhielt, verliert sie nie. Sie gingen nun in ein Zimmer; ruhiger Ernst verbreitete sich allmählig wieder auf Elisa's Gesicht. F r . v . B . (Nachdem sie einige Zeit von gleichgültigen Dingen gesprochen haben.) Liebenswürdige Elisa, Sie haben einen meiner heissesten Wünsche erfüllt! O, so oft regte sich das Verlangen in mir, Sie noch einmal zu sehen! E l i s a . Beste Frau, wie hätte ich können in Hohnauschloss sein, und nicht nach Birkenstein kommen? Nein, das Andenken an Ihre Güte, Ihre Liebe wird nie in meinem Herzen erlöschen! F r . v . B . O, meine teure Freundinn, ich freue mich, dass ich in Ihrem Herzen fortleben werde! Die liebenswürdige Henriette verlässt nun auch Hohnauschloss – nun kann ich der Freundschaft, der Liebe Aller, die mir teuer sind, nur noch in Ihrem Andenken geniessen. E l i s a . (Eine Träne im Auge, drückt der Frau von Birkenstein die Hand, nach einer Pause.) Erlauben Sie mir eine Frage, aber ihre Beantwortung kann mich ruhiger machen. – Ist Herrmann wieder glücklich? F r . v . B . (Mit einem Seufzer.) Er ist Geheimderat in D **, und beschäftiget sich, seine Mitmenschen glücklich zu machen, und dem Staate nützlich zu sein. Diese Arbeit bleibt nicht unbelohnt; sein Glück ist das Glück des Rechtschaffnen; allein sein Herz ist noch das eines Jünglings. E l i s a . Männertugend wird es mit männlicher Kraft erfüllen, und ihn über des Jünglings Empfindungen siegen lassen, und glücklich dann durch sich selbst, glücklich durch den Sieg über Leidenschaft, wird sein Glück erhaben, wie seine Tugend sein! Ja, diese Hoffnung erfüllt mich mit Freude! Ihr Sohn ist wieder ruhig, dreifach bin ich es nun! F r . v . B . Dank sei der Vorsicht, welche mir noch die Erfüllung meines Wunsches gewährte! Ich lese auch auf Ihrer Stirne Ruhe und Heiterkeit, selbst Ihre Tränen verwischten diese Züge nicht, sie scheinen mit Ihrem Wesen eingewebt zu sein. – Sie sind also glücklich, meine Elisa! Und Zufriedenheit des Weisen wird vielleicht bald meines Sohnes Eigentum! Und dieses für Sie Beide zu erlangen, hätte ich gerne die Ruhe meines Alters aufgeopfert, und neue Beschwerden, neue Trübsale unternommen! E l i s a . (Umarmt sie mit Lebhaftigkeit.) O, noch einmal wieder meine Mutter! Durch Ihre Liebe meine Mutter! – Ja, Sie sehen mich glücklich