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ich es, ich will Wallenheim den Schwur halten, den ich ihm heute schwören werde. – Täglich will ich ihn erneuern und in seiner Haltung die Kraft finden, im Guten standhaft zu bleiben. – Sie stand nun auf und fühlte sich gestärkt; sie kehrte zurück; ihre Schwester kam ihr entgegen, und umarmte sie. Ach, Elisa, heute werde ich ganz glücklich! Elisa's Augen füllten sich mit Tränen; sie suchte sie zu unterdrücken. Mögest Du es immer sein! sprach sie, und entriss sich ihr; sie eilte zu ihrer Henriette, welche, voller Besorgnisse für ihre Freundinn, diese Nacht schlaflos zugebracht hatte. E l i s a . Was ist Dir, Henriette, Du bist so blass? H e n r . Elisa, Dein Hochzeittag ist mir so traurig. E l i s a . Gutes, teilnehmendes Geschöpf! Aber, liebe Henriette, ich habe gebetet, ich habe es mir vorgenommen, meiner Pflicht getreu zu bleiben. – O, ich fühle es, ich werde standhaft sein! H e n r . Aber Du leidest, meine Freundinn! E l i s a . Meine Schwester begegnete mir, und sagte mir, sie würde heute ganz glücklich. Dieses soll mich stärken, mein Opfer zu vollenden; ich werde Freude in ihren Augen sehen, und, Henriette, nie bleibe ich gleichgültig bei Anderer Glück; ich werde das ihrige teilen, es wird mich mein trauriges Loos vergessen machen. H e n r . Ich danke dem Himmel für Deine Ruhe! O, meine süsse Elisa, ich zittere nicht länger für Dein Glück; eine Seele, wie die Deinige, muss es stets finden! E l i s a . Mein künftiges Loos soll mich länger nicht beschäftigen. Ich erwarte keine Freuden mehr; ich will nur Leiden tragen lernen, nur lernen, Andere glücklich machen. O, dass es mir vergönnt sein möge, Heiterkeit auf die Tage meines Gatten zu streuen, und oft von der Wange des Unglücklichen die Träne des Kummers abzutrocknen; dann will ich den meinigen vergessen, vergessen, dass ich dem Glücke entsagen musste, und nur mich freuen, dass mein Herz der Empfindungen der Menschenliebe und des Wohlwollens fähig ist! Elisa seufzte hier, und tränenvoll richtete sie ihren Blick gen Himmel. Sie fuhr fort nach einer Pause: Aber etwas ist noch, welches meinem Herzen wieder Freude geben könnte, und das wäre, Versicherung zu erhalten, dass Herrmann wieder glücklich ist. Nenne mir nie seinen Namen; aber wenn Du weisst, dass Freude wieder um ihn lächelt, dann sage es mir. Sie umarmte Henrietten, und eilte in ihr Zimmer. Da lag schon der hochzeitliche Schmuck, der heute sie zieren sollte; sie kleidete sich an, mit einem Herzen voller Wehmut; schon hörte sie auf dem Schlosshofe die Wagen rollen, die Gäste versammelten sich, auch der alte Wallenheim war zu diesem Tage gekommen, und noch immer zögerte sie, sich in das Gesellschaftszimmer zu begeben; endlich erschien sie, schön wie die Göttinn der Jugend, aber traurig und voll sanften Ernsts. Sie sprach es aus, das Ja, welches sie ewig mit dem Manne verband, gegen den sie, ungeachtet aller ihrer Bemühungen, nur Widerwillen empfand. Allein sie war standhaft, und keiner ihrer Züge entdeckte dem Zuschauer, was in ihrem Herzen vorging. Wallenheim bekleidete eine ansehnliche Stelle in B...; allein er besass auch noch ein Landgut, wo er oft im Sommer einige Wochen zu verweilen pflegte, und dortin wollte er für das erste seine Gemahlinn führen. Philipp, welcher bisher die Aufsicht auf den Gütern seines Oheims gehabt hatte, sollte nun mit Carolinen in Hohnauschloss wohnen bleiben, weil die Mutter sich nicht von der Tochter trennen wollte. Henriette wünschte ihre Freundinn begleiten zu können, und nicht minder wünschte Elisa, ihre teure Henriette zur Gesellschafterinn zu behalten. Sie hoffte es auch gewiss, dass ihre Mutter ihr diese Bitte nicht abschlagen würde, und sie entdeckte ihr ihr Verlangen am Tage vor ihrer Abreise von Hohnauschloss. Caroline war gegenwärtig, und antwortete sogleich: Ich bin an Henriettens Gesellschaft gewöhnt; auch hat Henriette bisher von der Gnade meiner Mutter gelebt, und nicht von der Deinigen, sie darf uns also nicht verlassen. E l i s a . Wenn meine Mutter befiehlt, dass Henriette in Hohnauschloss bleiben soll, so weiss ich, dass es meine Pflicht ist, nichts weiter dagegen zu sagen; Aber, teure Mutter, vergönnen Sie sie mir nur auf einige Zeit. Ich komme in eine ganz fremde Welt, mein Mann selbst ist mir fremd. – O, das geringste Geschöpf hat ja noch einen Freund, mit dem es vertraulich schwatzen kann, soll ich denn ganz verlassen sein? C a r o l . Es ist Dir gut, wenn Du nicht mit Henrietten so viel von Birkenstein plaudern kannst, dann wirst Du ihn vergessen. E l i s a . Caroline, sollte das Glück harterzig machen? B . v . H . Mir ist Henriettens Gegenwart oder Abwesenheit gleichgültig; allein Du, Elisa, kömmst nach B... und wirst dort mehr Gesellschafterinnen finden, als Carsline hier in einigen Jahren siehet. E l i s a . Aber keine Freundinn, meine Mutter. Und Caroline bleibt hier in der Gesellschaft einer geliebten Mutter, und eines Gatten, den sie liebt. C a r o l . (Spöttisch.)