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der Freude im Auge der Frau von Birkenstein. Ich habe schon viel der Freuden gekannt, sprach sie; aber die grösste, gütigste Vorsicht, bereitest du mir noch! Das Glück meines Sohnes, meines Lieblings, kann ich noch sehen! – O, Elisa! wenn Sie werden Mutter sein, werden Sie diese Empfindung begreifen!
Elisa errötete, und lebhafter drückte Herrmann ihre Hand.
F r . v . B . Gefühlvolles Mädchen, viele Freuden warten Ihrer noch! Aber alle werden sie aus der Hand der Tugend gegeben. Wäre Ihre Seele nicht der Abdruck der Tugend und der Unschuld, Ihre Liebe würde Sie nicht so glücklich machen! Wie oft entweihet man den Namen Liebe! Nur der Tugendhafte kennt sie, und alle ihre seligen Empfindungen! Unordentliche Begierden, eine Verbindung, welche nur Genuss zum Zwecke hat, verdienen diesen Namen nicht; sie haben in ihrem Gefolge Unmut, und die Ruhe flieht vor ihnen. – Wohl Euch, meine Kinder, dass Ihr die wahren Freuden des Lebens kennen lerntet, und dass kein falscher Schimmer derselben Euch irre leitete!
H e r r m . Ihnen verdanke ich dieses, meine Mutter!
E l i s a . (Eine Träne im Auge.) Und ich Dir, heiliger Schatten meines unvergesslichen Vaters! Du leitetest mein Herz zu jedem Guten! Deine letzten Worte waren Lehren der Tugend! Du warest es, der durch sie mir meinen Herrmann gab!
Mit Entzücken drückte sie dann Herrmann an seine Brust, und Frau von Birkenstein freuete sich ihres Glücks.
Die Baroninn von Hohnau kam zurück; mit ihr zwei Herren von Wallenheim, welche sie bei ihrer Schwester gesehen hatte. Sie waren Vettern; der Eine war der einzige Sohn eines reichen Vaters; der Andere der Neffe des alten von Wallenheim, ohne Vermögen, und ganz abhängig von dem Willen seines Onkels. Sie erregten Elisa's Aufmerksamkeit nicht; nur mit Herrmann beschäftiget, bemerkte sie andere Männer kaum. Von ihm unterhielt sie sich am andern Morgen mit ihrer Henriette, als ihre Mutter sie zu sich rufen liess.
B . v . H . (Nach dem ersten Morgengrusse.) Wie gefällt Dir Karl von Wallenheim? (Es war der Sohn des noch lebenden Wallenheim.)
E l i s a . Er scheint sehr finster, sehr in sich verschlossen zu sein.
B . v . H . Er soll Dein Gemahl werden.
E l i s a . (Stutzt. Nach einer Pause.) Meine Mutter, ich muss den Mann erst kennen, dem ich meine Hand gebe.
B . v . H . Du wirst ihn kennen lernen. Allein Dein Urteil über ihn sei, welches es wolle, so erwarte ich Gehorsam.
E l i s a . Und ich kann hoffen, dass meine Mutter mich nicht wird unglücklich machen wollen.
B . v . H . Kein Romanengeschwätz! Wenn Du Deine Pflichten erfüllst, wirst Du nicht unglücklich werden.
E l i s a . Ich würde es, wenn ich Ihrem Willen gehorchen müsste. Denn – teure Mutter, verzeihen Sie mir mein Geständniss: Ich liebe....
B . v . H . (Spöttisch.) Der Gegenstand Deiner Liebe wird wohl so edel sein, als es Deine Denkungsart ist.
E l i s a . Er ist edel durch sein Herz, durch seine Gesinnungen, aber auch durch seine Geburt. Ich liebe Herrmann von Birkenstein!
B . v . H . Nie hätte ich in eine Verbindung mit ihm gewilliget, wenn ich auch nicht wichtige Ursachen hätte, Dich mit dem Herrn von Wallenheim zu verheiraten.
E l i s a . (Mit Tränen im Auge.) O, meine Mutter! Können Sie so mit kaltem Blute das ganze Glück meines Lebens aufopfern?
B . v . H . Willst Du mir das Meinige rauben? Wisse, Caroline liebt Philipp von Wallenheim mit einer Heftigkeit, welche mich für sie fürchten lässt, und sein Oheim, aufgebracht, dass sein Neffe, und nicht sein Sohn, das reiche Mädchen heiraten sollte, verbot ihm, Carolinen wieder zu sehen; Caroline wurde krank; ich fuhr selbst zum alten Wallenheim; nichts konnte ihn bewegen, bis dass er endlich hörte, dass ich noch eine Tochter hätte; da versprach er, seine Einwilligung in seines Neffen Verbindung mit Carolinen zu geben, doch unter der Bedingung, dass sein Sohn Dich heiraten würde. Ich fürchte, meine Caroline zu verlieren, wenn ihr Wunsch nicht erfüllt wird, und Du würdest es sein, welche meinem Herzen diese Wunde schlüge!
E l i s a . Das soll nicht geschehen, meine Mutter! Schreiben Sie Herrn von Wallenheim, ich entsage meinem ganzen Vermögen; sein Sohn soll der Besitzer desselben werden, dann wird er in Carolinens Verbindung willigen. Und ich? – O, meine Mutter! werde an Birkensteins Seite meine Tage verleben können! Er wird bald eine Stelle bekommen; die Einkünfte davon, und das geringe Vermögen, welches er besitzt, werden hinlänglich sein, mich glücklich zu machen.
B . v . H . Nie soll Birkenstein mein Sohn werden! Dein Vorschlag kann nicht angenommen werden; Du musst Wallenheim Deine Hand geben.
E l i s a . Meine Mutter, lassen Sie mich an Herrn von Wallenheim schreiben. Vielleicht wird er gerührt durch die Schilderung meines Kummers. Vielleicht schreckt ihn der Gedanke, zwei schuldlose Geschöpfe unglücklich zu machen. –
B . v .