highChunks/1795_Tieck_095_7877.txt -- topic 49 topicPct 0.239892184734

es nicht verstehen würdest. Den Namen Gottes denen nennen, Die ihn nicht mit dem Herzen kennen, Ist Missetat. Es hängen um mich Geisterchöre, Und sprechen laut, dass ich es höre; – Sie halten Rat. "Lass Mensch jetzt deine Zunge schweigen, Bis sich die runden Jahre neigen", So tönt's herab; "Was willst du vor der Zeit entüllen? Den Durst nach dieser Weisheit stillen Ja Tod und Grab!" Und so will ich denn lieber enden, um mir kein Missfallen zuzuziehn. Lebe wohl, William, so schreibe ich hier in meinen Bergen. – Die Stauden winken mir, zu ihnen zu kommen, und ein Wort mit ihnen zu sprechen, denn sie halten alle viel von mir; meinen Rosen muss ich noch Wasser zu trinken geben, und dann muss ich die kranke Pappel besuchen, die der Wind eingeknickt hat. Es ist ganz mein freier Wille, aber ich habe es mir selbst zum Gesetze gemacht; ich helfe ihnen in vielen Sachen, und die Blumen und Bäume hier würden sich sehr grämen, wenn ich einmal fortzöge. Die Lämmer wundern sich weil ich schreibe, was sie von mir noch nicht gesehn haben. Die unschuldigen Tiere können nur auf ihre Art sprechen, und es ist auch eben so gut. Lebe recht wohl, ich will das Blatt einem fremden Manne geben. 15 William Lovell an Rosa Rom. Wohin soll ich mich mit meinen Gedanken und Empfindungen wenden? Überall bin ich mir fremd, und überall find ich mit meinen Ideen einen wundervollen Zusammenhang. Der höchste Klang des Schmerzes und der Qual fliesst wieder in den sanften Wohllaut der Freude ein, das Verächtliche steht erhaben und die Erhabenheit fällt zu Boden, wie im Abgrunde der See Geschmeide und Kostbarkeiten unter Schlamm und neben verweseten Gerippen glänzen. Es funkelt Gold in wilden Trümmern, Tief im verborgenen Gestein, Ich sehe ferne Schätze schimmern, Mich lockt der rätselhafte Schein. Und hinter mir fällt es zusammen, Ha! um mich her ein enges Grab, Die Welt, der Tag entflieht, die Flammen Der Kerzen sinken, sterben ab. Der unterirdsche Wandrer schaut Nach Licht und Rettung, ohne Ende Das Dunkel! – Ihn erquickt kein Laut. Er hämmert in den Felsgemächern Mit einer dumpfen Lebensgier, Gefangen von den dunkeln Rächern, Zur Strafe seiner Wissbegier. Da äugelt aus der fernsten Ritze Ein blaues Lichtchen nach mir hin, Ich krieche zu der schroffen Spitze, Und taste mit entzücktem Sinn. Und ach, es ist das Goldgestein, Das mich zuerst hieher versucht, Nun labt mich nicht der Flimmerschein, Der boshaft mich zuerst versucht. Es sehnt der Geist sich nach dem Bande, Das ihn mit zarter Fessel hielt, Als er sich wie im Vaterlande In seiner stillen Brust gefühlt. Fern liegt das heimische Gestade, Am wilden Taurien verirrt, Kniet er umsonst und flehet Gnade, Das blutge Opfermesser klirrt! Doch Blumen blühn in diesem Schrecken, Die hell mit rotem Purpur glühn, Die Todesschatten, die ihn decken, Sie lassen prächtge Funken sprühn. Liegt alles nur im Sinnenglücke? Vereint sich jeder Ton zum Chor? Für tausend Ströme eine Brücke? Gehn alle Pilger durch dies Tor? So öffnet mir die dunkeln Reiche, Dass ich ein Wandrer drinnen geh, Dass ich nur einst das Ziel erreiche Und jedes Wunder schnell versteh. Eröffnet mir die finstern Pforten, An denen schwarze Wächter stehn, Lasst alle grässlichen Kohorten, Mit mir durch jene Pfade gehn! Je wildre Schrecken mich ergreifen, Je höher mich der Wahnsinn hebt, So lauter alle Stürme pfeifen, Je ängstlicher mein Busen bebt, So inniger heiss ich willkommen, Was grässlich sich mir näher schleift, Dem irdschen Leben abgenommen, Zum Geisterumgang nun gereift. Alles Wilde, was ich je gedacht, Alle Schrecken, die ich je empfunden, Rückerinnrung aus der trübsten Nacht, Grauen meiner schwärzsten Stunden, O vereinigt euch mit meinen Freuden, Stürmet alle um mich her, Schlinget euch an alle meine Leiden, Flutet um mich gleich dem wilden Meer, Dass das Morgenrot sich in dem Abgrund spiegle, Graun und Schrecken meine Heimat sei, Dass der Wahnsinn immer rascher mich beflügle, Und zum dunkeln Tor der Hölle zügle, Nur Erinnyen! gebt mich von den Zweifeln frei! Lesen Sie doch aufmerksam Balders wunderbaren Brief, der wie der Gesang eines fremden, verirrten Vogels zu uns herübertönt. 16 Willy an seinen Bruder Tomas Kensea. Lieber Bruder! Ich habe Dich also doch nun wirklich endlich gesehen, und ich bin nun wieder umgekehrt, und sitze und denke hier in Kensea wieder an Dich, wo ich nach dem Willen meines lieben verstorbenen Herrn als ein Verwalter bleiben soll, bis mein Herr William aus Italien zurückkömmt. Wie ist die Zeit und das menschliche Leben doch so gar flüchtig! Es ist nicht anders, als wenn wir nur solche Bilder wären, die auf den Schiessplätzen den Schützen oft vorbeigezogen werden, man sieht sie kaum, so sind sie auch schon wieder weg. Hier leb ich nun recht ruhig und von der ganzen Welt abgesondert. Ich denke oft an den guten alten Herrn Lovell, der nun auch gestorben ist, und an alles, was ich so zeit meines Lebens erfahren habe. Ich bin innerlich recht zur Ruhe gekommen und es ist mir, als wenn ich mich immerfort im stillen grämte. Das ist nun hier dasselbe Haus, in das ich als ein junger Bursche so munter und flink eintrat und mir alles in