highChunks/1788_Ehrmann_010_6356.txt -- topic 55 topicPct 0.405144691467

Kampf, der Kampf, eh Du abkommen kannst, wird Dich noch vieles kosten! – Sei vorsichtig, lieber Friz, sonst bringst Du mich um, wenn ich erfahre, dass man Dich bei Deiner Abreise mit Gewalt zurükhalten will! – – Die Unmenschen würden auf unsere Liebe nicht achten, sie würden mich für eine Verführerinn ausschreien, Gott! verdiente dies wohl Deine Nina? – – Deine Nina, die so ganz von allen Nebenabsichten entfernt, nur Dich allein liebt. – Wie lange soll denn mein Herz noch miskannt werden? Sind denn meine Gefühle zu fein, um Andern begreiflich zu werden? – Und doch liessen mir einige von Denen die mich misshandelten, zuweilen Gerechtigkeit wiederfahren, lobten die Güte meines Herzens. – Löse mir doch dies Nätsel auf, von Denjenigen misshandelt werden, die bei kälterm Blute meine Denkungsart nicht misskannten. – Pfui, wie die Menschen so schwach sind, und immer nach ihren Leidenschaften auf das Wohl ihrer Nebenmenschen hin sündigen. Mich dünkt mein Herz ist zu gut für eine Welt, wo ausser Dir so viele Bosheit herrscht, zu gut für Menschen, die nicht wie Du ein gutes unverdorbenes Herz zu vergelten wissen. – Dachte ich doch immer, Guteit und Grossmut sei Adel der Seele, der jedem guterzogenen Frauenzimmer eigen sein müsse? – Aber warum verstehen denn diese Tugenden so Wenige? – Warum knikte man denn mein Herz nur um desto grässlicher zusammen, je mehr es seine Güte blikken liess? – O noch viele Warum könnte ich über diesen Punkt hersezzen! – Ich bin eitel genug, es Deiner Einsicht in meinen moralischen Karakter zuzutrauen, dass, wenn Du mich auch nicht lieben dürftest, Du dennoch mit entusiastischer Freundschaft für mein Wohl sorgen würdest. – Die übrigen Menschen sahen bei mir immer auf meine Aussenseite, die ihrer Eitelkeit Genüge leistete, und nie auf meinen innern Seelen-Wert, auf meine Begriffe von Liebe, von Grossmut, von edlem Stolz, von Uneigennüzigkeit; darnach fragte die Welt nicht. – – Das gebeugte Wesen, das mich bei allem Schein meines Leichtsinns doch oft genug überfiel, hielt man für Heuchelei und Affektazion; meine Schwermut vom Schiksal in's Herz gedrükt, für Ziererei; meine Guteit, für Unbesonnenheit; meine Sanftmut für Empfindelei; alles, was mir Pflicht schien, wurde mir für Torheit angerechnet; der blosse Schein für wirkliches Laster. – – Ich bekam eine Gemüts-Krankheit, und es gefiel mir nicht mehr in einer Welt, wo man mich so sehr misskannte, nur zuweilen überlies ich mich aus Verdruss einer Lebhaftigkeit, die mir den Schein einer Welt-Puppe gab, und doch ächzte mein Herz im Stillen nach Liebe, nach Tugend. – Hier hast Du wieder einen Teil von einem aufrichtigen Geständniss, dessen sich so viele Weiber mit ihren zur Reue unfähigen Herzen schämen würden. – Wenn der Allmächtige einst nur den bösen Willen des Menschen straft, dann wohl mir, ich darf mit allen meinen Schwachheiten vor ihm erscheinen! – – Nun muss ich Röschen entgegen eilen, um zu erfahren, ob sie mir keine Nachrichten, oder sonst etwas von Dir bringt? – – – – Nach Tisch. Ja wohl, Friz, ist Etwas von Dir angekommen! – Etwas dass meine ganze Seele zerreisst!!! – Ich will Dir demungeachtet, wenn es anders möglich ist, ohne Leidenschaft antworten. – Will nicht alle Stükke ahnden, mit denen Dein argwöhnischer Bruder mein Herz zerreisst; will nicht ahnden, dass er Dich für einen Dummkopf hält, der in drei Vierteljahren Umgang kein Herz zu studieren im Stande ist; will nicht ahnden, dass er selbst ein Teufel in der Verstellung sein muss, weil er Andere dafür hält! – Kurz, mit diesem weil er mich Deiner unwürdig hält. – – Traut er mir nicht, so traue ich ihm nicht. – – Dein Bruder muss eine Frazze sein, sonst würde er nicht Deine fünf Sinnen für närrisch halten, und meine Rechtschaffenheit aus blossen Vermutungen anfeinden. – Was will denn der elende für fernere Beweise von meiner Redlichkeit? – Heiratest Du oder Er mich? – – Gott gieb mir Mässigung, oder Tod! – Was kümmerte sich das alte Weib um meinen jezzigen Aufentalt? – Warum liess er mich auskundschaften? Hat er mich endlich in meiner Einöde ausspioniert? – Ha! – Wenn er .... Dann soll mich Dein Bruder kennen lernen!!! – – O meine Ahndung wegen Deinem gewissenlosen Bruder ist jezt erfüllt, erfüllt, um mich unglücklich zu machen! – Wie kann denn dieser von Dir so hoch gepriesene Bruder so feindselig von einem Weibe denken, die er nicht einmal kennt? – Sind das die menschenfreundlichen Pflichten eines Freimaurers? – – So schmeichlend er auch immer mit Dir zu Werke geht, so werde ich ihm doch nie trauen. Nimm Dich in Acht, Friz, er legt Dir süsse Fallstrikke, um Dich von mir zu reissen! – Sogar bis in meine Einöde dringt dieser Menschenfeind, wo ich aus Liebe und gewiss nicht aus Eigennuz wie eine Selbst-Mörderin meine Gesundheit abhärme! – Wenn er Dir wieder von meiner Heuchelei spricht, so frag ihn doch, aus welcher Ursache sollte sie denn heucheln? – Aus Eigennuz, aus Begierden, aus Hofnung künftiger Vorteile? – – O bei Gott nicht! – – Ich sage Dir, Friz, Du musst fort, sonst schmiedet man noch ein Paar Intriken wider mich zusammen und dann ist