highChunks/1788_Ehrmann_010_6354.txt -- topic 55 topicPct 0.39354839921

Deine Liebe kenne. – Urteile von der Heftigkeit meiner Empfindungen, und wenn nun diese Empfindungen alle Tage nur einen Hauch von meinem Leben abrizzen, so eile ich wohl in wenig Jahren meiner Auflösung zu, aber nicht ohne Dich, o nur dies nicht! – Wo wäre mehr auf dieser Welt ein Geschöpf, das Deine Seele ausfüllte? – Das so mit unaussprechlicher Güte an Dir hienge, Dich liebkoste, Dich verehrte, Dich schäzte. – O vergieb, holder Engel, vergieb meiner trüben Laune, kümmere Dich nicht, sie schadet meiner Gesundheit nichts, und wenn es auch wäre, Deine guterzige Sorgfalt würde mich ja noch am Rande des Grabes retten, und dann flehe ich ja täglich den Schöpfer um Gesundheit an, zum Troste meines Frizzen. – Abends. Guterzige Seele was magst Du wohl von meiner äussersten Schwärmerei denken? – – Ist sie bei Deiner gränzenlosen Liebe nicht sehr natürlich, da ich noch nie so geliebt worden bin? – – Und kann ich dafür, dass Schwermut mir Glückseligkeit ist, wenn ich aus Liebe leide? – – Kann ich dafür, wenn mich ausser Dir niemand kennen will? – Kann ich dafür, wenn meine Gefühle auf einen solchen Grad gestimmt sind? – – O mein Gatte, entweder habe ich Dir einstens völlige der Gram reibt mich auf, noch eh Du an meinem Busen liegst, wenn Du anders noch lange nicht kommen solltest. – Lass dies für keinen Vorwurf gelten, ich wäre ein Ungeheuer, wenn ich an Deiner Tätigkeit zweifelte, aber es liegt so schwer auf meinem Herzen, es ist mir immer als zwängst Du Dein Schiksal nicht. – Schon wieder rükt meine verwünschte Zagheit heran, o Friz, zanke mich armes, jammerndes Weibchen doch tüchtig; sei schärfer gegen meine Kleinmut, heile mein Fieber, das freilich in meinem Nerven-Bau liegt, aber Dich so barbarisch zusammenschlägt! – – – – Gott! – Wie wirst Du Dich wieder über meine Melankolie grämen! – Sei gelassen, Du kennst mich ja, meine Empfindsamkeit, Deine Trennung und dann meine äusserste Anlage zur Schwermut sind Gegenstände, die mich bei Dir entschuldigen müssen. Der Allgütige ist mein Zeuge, dass ich es nicht aushalten könnte, wenn ich Dir nicht vorweinen dürfte; trage gedultig mein Gatte, es kommen Entzükkungen, die Dich schadlos halten werden. – – O dann wirst Du die Freuden der Liebe auch ungestört geniessen, wenn ich einstens wieder in Deinen Armen bin! – Tages darnach in der Dämmerung. Guten Abend, mein inniggeliebter Gatte! – Guten einer Grabes-Stille, unter den melankolischen Schatten der herannahenden Nacht und denke an Dich, ob es Dir wohl auch so wehmutsvoll um's Herz ist, wie mir. – Ob Du auch so oft unsere Liebe in Gedanken durchläufst, die trüben Stunden zusammen rechnest, die wir schon mit einander durchlebt haben. Ja wohl Friz, waren es der trüben mehr als unsere Herzen verdienten. – Weist Du noch die schröklichen Auftritte wegen beiderseitiger Eifersucht? – – O sage mir, was Du willst, man kann eifersüchtig sein ohne Misstrauen; aber unmöglich kann man so heftig lieben, ohne dass sich nicht ein wenig Furcht einander zu verlieren einmischt. Weist Du noch, wie oft Du bei jedem gefälligen Worte, das in Gesellschaften an mich addressirt wurde, toll werden konntest? – Wie sehr Dich die Schmeichler ärgerten, wenn sie so um mich herum sumsten? – O Du lieber Grillenfänger! – Um ein ganzes Jahrhundert haben dergleichen Auftritte Deine Liebe noch mehr befestigt. – Du wolltest ja nur Deine Vorrechte behaupten, die ich Dir, HerzensMann, mit voller Liebe eingeräumt hatte. – – – O die abscheulichen Stuzzer, die bloss um mich herum krochen, weil mein Bischen Verstand Aufsehen machte und ihrer Eitelkeit schmeichelte, die Affen, die sich nichts weiter um mein Herz kümmerten und nur den blossen Ruf in mir genossen! Ich kann K... noch in Gedanken verachten; wenn ich denke, wenn ich mich erinnere, wie er sich denselbigen Abend Dir zum Troz so läppisch stellte. – Aber tüchtig spottete ich auch seiner, ich war gewiss grob genug gegen die stuzzerischen Maulaffen, hätte es doch nur der Wohlstand erlaubt, ich wollte ihnen gesagt haben: Seht ihr Toren, seht ihn dort sizzen, den biederen, teutschen Jüngling, für den mein Herz fühlt? Er lehrte mich euch verabscheuen, denn sein Herz ist rein, es ist weder vom Eigennuz, noch von der Sinnlichkeit geschwärzt. Er windbeutelt freilich nicht mit seinen Vorzügen wie ihr, er erhebt seine schöne Seele wie ein Heiliger in der Stille über euch Budenkrämer der politischen Laster. – Denke Friz, wie ich mich bei dergleichen Beobachtungen wieder aufs neue Deiner Liebe freuen musste, wie ich an Deiner Seite so stolz daher schlenderte. – – In Gesellschaften hatte ich oft um Deinetwillen drolligte Auftritte! – Einstens sagte ich einem elenden Geschöpfe ins Gesicht: Um diesen Jüngling zu kennen und zu schäzzen, muss man selbst ein reines, unbefangenes Herz im Busen tragen. – – Ich bin recht froh, dass in B... Deine Liebe meine Seligkeit ausmachte, ich hätte sonst mit Höllen-Hass eine Stadt verlassen, wo unter den Männern ausser Dir keiner nach meinem Herzen war. – O Gott! – Du bist doch ein guter Gott, dass Du mir meinen Friz schiktest! – Was wäre ich jezt ohne ihn? – Noch in dem Umgange eines Sträflichen,