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Deinem Blute schwimmen. – Röschen hatte wieder die halbe Nacht durch an mir zu trösten. – Schreibe Dir diese Ahndung fest in's Herz, wenn Dir etwa einmal Schark aufstossen sollte. – – Erinnere Dich meines Jammer-Geschreis bei so einem Auftritte, und schwöre mir beim heiligen Gott Deine Selbst-Erhaltung in jedem Falle! – Meine Furcht mag Dir jezt, da es noch Zeit ist, Bilder vormalen, sie mag Dir sagen, dass, wenn Du Dich je in einen Streit einliessest, ich dann, wie eine Rasende, meinen lezten Hauch mit dem Deinigen vereinigen würde! – –
Lebe wohl Teuerster! – Ich schreibe dieses Briefchen unter Furcht und Angst überfallen zu werden, bin aber demungeachtet ewig, ewig Dein trautes
Weib.
LXII. Brief
Friz kannst Du es verantworten, mich wieder so zu misshandeln? – Unschuldig so zu misshandeln? – Ich habe bei der gestrigen Mahlzeit weder geschäkkert, noch gelacht, und am allerwenigsten, wie Du sagst, geschwelgt, davon ist ja die ganze Gesellschaft Zeuge, die mich in Deiner Gegenwart über meine schwermütige Laune aufzog. – Ich hatte über den lüsternen Buben, der an meiner Seite sass, eben so wohl Galle, als Du, und bitter waren meine Antworten, die ich ihm gab, aber nicht leichtsinnig! –
Wenn Dich der elende Kerl durch seine Zudringlichkeit beleidigte, was kann ich dafür? – – Ging mir sein Betragen nicht durchs Herz? – – – – Ich bitte, ich beschwöre Dich, sei vernünftig, bedenke wohl, was Du tust. – Du bist mir Pflichten schuldig und darfst sie ohne Niederträchtigkeit nicht verlezzen, dann ich verlezze sie bei Gott auch nicht? – Dein Zweifel an meiner Liebe ist Höllenverbrechen, das Dir Satan eingegeben hat! – Willst Du mich mit Gewalt zur elenden Kreatur erniedrigen; dann wird diese lieblose Beschuldigung ein Werk vollenden, dass meine Lebenstage so geschwind als möglich abkürzen soll!!! –
Beruhige mich, wenn Du nicht ein undankbares Geschöpf bist, wenn ich Dir nicht einstens in der Todesstunde noch fluchen soll! – Wie kannst Du gegen Dein Weib so hart sein, die Dich ewig mit aller Deiner übeln Laune doch lieben wird? – Friz, habe ich dies wohl um Dich verdient? – Du machst mich elend, bei Gott äusserst elend, wenn Du mich nicht recht bald beruhigst! – Ich muss Dich heute sprechen, ich muss, sonst sollst Du das entschlossene Weib kennen lernen! – –
Nina.
LXIII. Brief
Guten Morgen, liebe Seele! – Wie ist Dir? – Um Gotteswillen, wie ist Dir! – Mir war gestern Abend gerade, als stieg ich in einer Todesangst vom Schaffot herunter. – Ich fühlte die Erstarrung meiner Glieder, und tiefen stummen Schmerz, der an Wahnsinn gränzte! – Mein Gehirn war durcheinander geworfen, meine Vernunft zerknikt und siedheiss mein Blut! – –
Du dauertest mich, Armer, und ich konnte Dir doch nicht helfen. – Sei ruhig, einziger Liebling meines Herzens, Nina hat gewis nie aufgehört Dich zu lieben. – Ich bin heute wie zusammengeschlagen, aber dabei so ziemlich ruhig, sei es doch auch Friz, sei es auch, meine Glückseligkeit fodert es von Dir. – –
Bei den heiligen Gattenpflichten fasse Dich, sonst wird meine Abreise noch immer mehr und mehr verschoben. –
Uebrigens kümmere Dich um nichts weiter, so kühn die Anschläge der Wollüstlinge auch immer scheinen, so wird es doch keiner wagen, sich mir zu nahen. – Die Lasterhaften können wohl ihre Zähne blökken, aber beissen dürfen sie nicht, sonst tritt man sie mit dem Fuss zurück. – Also ruhig und keine Sorge, wenn es aufs Aeusserste kömmt, so sollst Du Deinen Karakter nicht mit ihnen besudeln..... Dann reise ich in einigen Tagen fort, und hiemit Punktum! –
Deine liebe Gattin.
LXIV. Brief
Rosental, den 19ten Oktober.
Teuerster, besster Gatte! – – Untersuche den Kummer bei unserer Trennung in Deinem eignen Herzen, und Du wirst den Wiederhall des meinigen finden. – Sezze dann von meiner Seite noch weibliche Furcht, Zagheit und Schwäche meines Geschlechts hinzu, und mein Gram wird den Deinigen überwiegen. –
Nun bin ich entfernt von Dir, auf einmal entfernt von der Wärme eines Busens, an den ich mich jede Stunde des Tags vertraut anschmiegen konnte. – Noch ist mir alles Traum, noch bin ich zu wehmütig um an die Möglichkeit dieser Trennung denken zu dürfen. –
Wir kamen in unserer Einsidelei glücklich an, die Leute empfiengen uns gut, und Röschen suchte mir den Kummer vom Herzen wegzuschäkkern, aber für diesmal ist es ihr nicht gelungen. – Gestern Abend konnte ich nichts tun, als staunen und weinen über eine Trennung, die mir schröklich schwer fallen wird. – Zanke mich nicht Friz, ich musste weinen, wie ein Kind, und was ist denn auch meine Gesundheit gegen den süssen wollüstigen Leiden einer zärtlichen Sehnsucht? – Ich will ja gerne ruhig werden, aber gewiss nicht eher, als bis ich an Deiner Seite bin; ein jeder Sturm niederreissen kann? – Wie stehts um Deine Gesundheit? – Gott! – Du sahst so blass aus, als Du mir den lezten nassen Kuss aufdrüktest! Halte Dich gesund, denn, wenn Du sinkst, so bin ich unwiederbringlich verloren! – –
Die Liebe mag Dich jezt zur Tätigkeit anfeuern, wenn es Dir nicht vor meinem Grabe schaudern soll,