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Mann, sei Gatte, sei Freund und erbarme Dich meiner Angst!! – Komm so geschwind, als möglich zu mir, sonst tödtet mich Kummer und Ungewissheit! – O sei milde gegen Deine – –
Nina.
XLIV. Brief
Hast Du Wort gehalten, Liebchen? – Hast Du Dich nun so gut, als möglich beruhigt, über eine Sache, die nicht länger verdient, dass Du Deine und meine Gesundheit daran wagest? – – Sei immer empfindlich für Ehre, aber gegen ehrliche Leute und nicht gegen Schufte, die Dich nicht beleidigen können. – Gott! Was Du gestern so krank warst, was Du mich dauertest, und was mir bange wurde bei Deiner schröklichen Verstimmung! –
Gewiss, lieber Friz, es braucht bloss meine Liebe, meine Empfindsamkeit, meine Herzensgüte, um nicht vor mehrern dergleichen Launen zu zittern, die Dich und mich peinigen könnten, wenn sie zur Gewohnheit würden. – Doch keine Vorwürfe, Dein Herz war nicht dabei, und Nina will mit Dir alles tragen. – Sei ruhig, ich beschwöre Dich; sei ruhig! – Du bist von meiner Liebe versichert, troz allen teuflischen Kunstgriffen, die sie zu stören suchen. Was willst Du denn mehr? – Das übrige sind Nebendinge, denen Du nicht nachhängen musst, wenn Du eine Gattinn schonen willst, die es nicht zu tragen vermag. Sei ruhig, bei dem biedern Namen Deines liebenden Weibes, sei ruhig! – Fasse Dich bei jedem Anlass, wo der elende Spötter Dir wieder aufstösst. – Doch Du versprachst es mir ja, o Du wirst gewiss Wort halten, Du kannst eine gute Seele nicht quälen.
Nicht wahr Friz, Du willst wieder sanft werden? – Du willst nie wieder so beharrlich einer übeln Laune nachhängen? – O die Männer sind doch viel wilder als wir! – Man muss sich auch ein Bischen Gewalt antun, wenn es Liebe und Gesundheit gilt. – Du kennst Dich ja selbst hinlänglich, um solche Launen nicht zu stark einwurzeln zu lassen. Doch wozu Moral für einen Friz, der mich und andere darinnen übertrift. –
Liebe! – Liebe, will ich Dir aus der Fülle meines Herzens zurufen, und Du wirst ihre Stimme nicht zurükstossen. – Wenn Du willst, so komm heute noch einmal zu mir, ich will schon sehen, dass wir uns allein sprechen können. – Nimm hin diesen Kuss der feurigsten Liebe! – –
Nina.
XLV. Brief
Teurer Liebling! – Warum sah ich Dich heute nicht über die Brükke gehen? – – Diese Kleinigkeit machte mir Kummer, denn ich wusste nicht samt meinem Fernglas, was aus Dir geworden wäre. –
Wenn Du nur wohl bist, wenn Du nur keinen Verdruss hast, o dann will ich ja gerne zufrieden sein. Friz! – Gatte! – Besster, Einziger, ich leide wieder Angst, der leichtsinnige Schark kam heute vom Wohlleben halb taumelnd nach Hause und sagte mir, er hätte sich mit Holbaur gar trefflich unterhalten, besonders hätten sie wieder vieles von mir geschwärmt. – Sein spöttischer Ton, womit er dies alles aussprach, liess mich vermuten, das Verräterei vorhanden sei, und gleich fiel mir Holbaurs schändlicher Karakter ein. – Schark hatte Lust weiter zu sprechen, aber zum Glückke wurden wir von einigen freundschaftlichen Besuchen unterbrochen, und er verliess mich ohne weitere Erklährung. – Hat der Bube Holbaur geplaudert, dann soll ihm Gott gnädig sein! – Wenn er es anders wieder wagt mein Zimmer zu betreten! O dass Du Besster noch nicht öffentlich auftreten darfst, dass Du noch in der Stille mit mir die Schikanen des Lasters dulden musst, das tut mir weh, weh bis zu Tränen. –
Deine Gedult werde ich Dir auch einstens hinlänglich vergelten, wenn es einem armen zerknirschten Geschöpf anders möglich ist, Dir Freuden des Lebens zu verschaffen. – Sei zufrieden, Du Liebling, an meinem guten Willen soll es nicht fehlen, macht uns das Schiksal auch Kummer, so soll es doch nicht über uns Meister werden, denn wenn auch alle Hofnungen niedergedonnert werden, so bleibt uns doch das Glück der Liebe!
Was machst Du wohl izt? – Quälen Dich etwa Deine Eltern wieder? – Herr Jesus, Friz, was das mir fremd ist, nicht von den Seinigen geliebt zu werden! – Da ich doch die ganze Zeit meines Lebens auch von den unbedeutendsten Geschöpfen geliebt worden bin. – Friz, nenne es nicht Eitelkeit, es ist vielmehr Hang zum Frieden, den ich mit jedermann stiften möchte, und mit Deinen Eltern vollends, die mir um Deinetwillen so grossen Wert haben. Was kann ich dafür, dass meine Familie nicht reich, nicht von stiftsmässigem Adel ist? – Was kann ich dafür, dass meine Eltern mich so frühe zur Waise machten, und einem schröklichen Schiksal Preiss gaben? – – Es war der Vorsicht Werk, und die dürfen Christen nicht tadeln. – Glaube mir, besässe ich Hochmut, so würde ich diesen Wunsch der Versöhnung mit Deinen Eltern unterdrükken, aber ich kann es nicht lassen, ich muss es Dir sagen, es ist mir fast unerträglich, dass sie Vorurteil wider mich haben, schon viele Tränen hat es mich gekostet. –
Wenn Du sie von meinem Herzen, von meiner Liebe, von meiner Rechtschaffenheit nicht zu überzeugen vermagst, so sage mir lieber gar nichts mehr von ihnen, denn es geht mir immer ein Stich durch's Herz, wenn ich den Namen derjenigen höre, die