highChunks/1788_Ehrmann_010_6320.txt -- topic 55 topicPct 0.404907971621
etwas lebhaft, und kümmerte mich um nichts. K.... sass an meiner Seite, wizzelte mit mir darauf los und machte alles aufmerksam. Als nun fast alle fort waren, so erkundigte sich die Hausfrau nach Dir; da ward ich dann wieder ganz Feuer und Leben! Ich erhöhte Deinen Wert mit wenig Worten, und bin versichert, dass man Dich izt noch mehr schäzt. Der Herr vom Hause lobte Dich ohnehin sehr, und seine Frau glaubt in Dir einen lebhaften Jungen entdekt zu haben. Ich sagte ihr, dass Deine Lebhaftigkeit von einem denkenden Kopf gemildert würde; dass Kopf, Wissenschaft, und gutes Herz Dir nicht fehlte. Siehst Du, Kind, so hatte ich heute Abend mein Vergnügen Dir Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, und meiner Liebe stolze Nahrung zu geben. Ist es nicht wahre Wollust, einen und einen offnen Kopf hat! – Und Du, Besster, warst bis izt so in dem engen Kreise der Familien-Sklaverei verborgen? Mit allen Deinen Talenten, mit all Deinen vortreflichen Grundsäzzen, mit all Deinem feinen Ehren-Gefühl! – Sag, war es nicht Schade? – Unter die Menschen, mit Dir wakrer Junge! Unter die Menschen! – Dort wirst Du den Unglücklichen ihre Tränen tröknen, und allen Guten Freude machen. Du musstest gerade mich finden, um so geliebt zu werden, wie Du es verdienst; wenn ich alle Deine Handlungen untersuche, so finde ich Tugend und Rechtschaffenheit, Liebe und Güte, Wohlwollen und Mitleiden, Sanftmut und Anstand darinnen, alles finde ich durch mein Nachdenken über Dein Betragen. So ein Geschöpf verdiente nicht eine dauerhafte Glückseligkeit? Du bist noch so jung, und doch so reif an Ueberlegung; so ganz ausgetreten aus den Schuhen der jugendlichen Torheiten; wahrlich wenn ich auch nicht das Glück hätte von Dir geliebt zu werden, ich müsste Dich mehr, als bloss schäzzen. Die welche Dich um Deines Karakters willen nicht liebte, die wäre gewiss eine Kokette, oder ein Gänschen; mache Dich kennbar, Lieber, in der Welt, man traut Deiner Jugend nicht alle die Verdienste zu, die Dir gebühren; so viel Gerechtigkeit man Dir auch immer wiederfahren lässt, so muss sie doch verdoppelt werden, so bald man Deine Verdienste ganz kennt. – O mein Friz, mein Zutrauen ist nun vom Himmel in mein Herz geschrieben. Ich weiss dass jeder Gedanke von Dir in mein Wohl, jede Sorge für meine Gesundheit, jede Bemühung für mein künftiges Schiksal Deine gränzenlose Beschäftigung ist. Du lebst durch mich in Dir selbst, Du bist redlich, weil diese Redlichkeit in Dir liegt, und die meinige sich fest an sie kettet, kämpfe tapfer, Besster, kämpfe tapfer und sei kalt bei jedem Anlass! Mutiger Widerstand vergrössert den Wert der Männer. So, Teurer, lass uns den Allmächtigen um seinen Beistand in unserm Schiksal bitten; bei dem heiligen Siegel dieses Kusses bitten! – Deine. Nina.
XI. Brief
Abends um zehn Uhr.
Lieber, trauter Friz! – Schlafen sollte ich gehen, ohne Dir eine gute Nacht zu wünschen? – Das wäre mir gerade zu unmöglich! Als Du mich heute so heiter, wie die Morgensonne verliessest, dann sezte ich mich munter an die Arbeit, und freute mich Deiner Liebe. Um acht Uhr kam Schark so ziemlich heiter. Ich kündete ihm den übermorgenden Spaziergang an, und er war es zufrieden. Nimm also Deine Maasregeln, Eine halbe Stunde darnach kam N.... Er ist noch immer der alte Dummkopf, und mag es meinetwegen noch lange bleiben, dann kam R.... und klagte, dass er mich gar nie zu Hause trafe. Mögen diese Herren immer murren; denn ausser Dir mag ich ohnehin keinen sehen, was machst Du izt, Besster? – Ein Pfeifchen rauchen, und dabei nachdenkend schwärmen. Denk Du immer fort, wenn man liebt, geht einem der Stoff nicht aus. – Du warst heute wieder recht munter. Gott erhalte Dich lange so fort zu meinem Trost; Du kannst aber auch munter sein, bist ja meiner Liebe so sicher als ob uns schon das engste Band geknüpft hätte. – Wie freut mich diese Liebe, da sie so rein, so feierlich ist! – Kein nagender Kummer trübt meine Seele, und so bin angefüllt. – Manchmal fährt mir freilich ein trauriger Gedanke durch den Kopf! Aber nicht aus Mistrauen gegen Dich, wohl aber gegen das Schiksal, dass mir meine ganze Lebens-Zeit nie günstig war! Doch Deine Sorgfalt sei mein Trost, und so will ich immer fort mit den feurigsten Küssen bleiben Deine
Nina.
Um zwei Uhr! Hörst Du? –
XII. Brief
Mein Besster! – In der Geschwindigkeit will ich Dir melden, dass mir wieder ganz wohl ist. – Sei doch ohne Sorgen, lieber Junge! Glaubst Du denn, dass ich ohne Dich sterben könnte. – Ich ging gestern mit Deinem Andenken ruhig zu Bette. – Mir war so leicht, Deine Liebe, das Bewusstsein eines reinen Gewissens, und eines Herzens voll Wohlwollen für Dich, machte mich ganz entzükt einschlafen. Du bist ein lieber, guter Junge! Dank Dir für Deine allseitige Sorgen. – Morgen komme, so bald Du es nicht mehr aushalten kannst. Hörst Du? Ich kann izt Deinen Freund nicht länger ohne Unterhaltung lassen. Doch will ich Dir heute Abend mehr schreiben. Bis dortin lebe wohl, besster, einziger Mann meines