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Ha, könnte ich doch diesem Kummer Luft machen, der mich beinahe erstikt! – Montag ist wieder Punschpartie, und die Zudringenden zwangen mir mein Jawort dazu ab! – Der Wille dieser Freunde ist gut, aber mein Herz leidet unendlich dabei, weil ich Dich immer vermisse! – Politik habe ich ohnehin wenig, und wie könnte ich sie haben, wenn Liebe im Herzen herrscht? Du bist doch nicht böse, dass Du heute noch keine Zeilen von mir erhieltst? Gestern ging mir Schark spät nicht vom Halse, und heute wollte ich Deinen Bedienten nicht warten lassen, als er mir Dein Briefchen brachte, Gott! Wenn ich nur geschwind wüsste, ob du wohl bist, ob du mich noch liebst? – Ich bin unglücklich, das sage ich Dir, ich bin unglücklich! Denn ich kann kaum mehr die Trennung von einigen Stunden ertragen! Es bringt mich um, wenn es so fort dauert, so wahr als diese Tränen auf dies Papier rollen .... ich weiss nicht .... aber ich zittere für meinen Verstand. Wenn Du ein fühlend Herz im Busen trägst, so eile ohne Verzug morgen frühe zu mir! Dieser Brief mag Dir sagen, wie es um Deine Nina aussieht! VII. Brief Nachts um zwölf Uhr. Herzens-Junge! – Liebe gehört zu den anstekkenden Krankheiten! Sie greift um sich, aber ihr Kummer macht uns zur Beschäftigung tätig! Was das unter zwei Liebenden ein gegenseitiger, gränzenloser, guter Wille ist, wenn man jeden Wink benuzt, um sich einander Freude zu machen. Wie man geizig jede Gelegenheit ergreift, um mit seinem Liebchen zu plaudern; wie man keine einzige Minute im Tage vorbeistreichen lässt, ohne sie zum Vergnügen seines Geliebten zu nüzzen; wie da alles im Kopf arbeitet, wie das Herz voll gutem Willen hoch aufschlägt, wie die Einbildung sich zur Seligkeit spannt, oder der reizende Tiefsinn wollüstig an den kranken Nerven nagt! – Wie Kummer, Furcht, Freude, Verlangen, Angst, und noch mehrere solche Leidenschaften, angenehm traurig im Kopf herumkreuzen! Wie das gränzenlose Wünschen unersättlich ist! Wie man zusammen tändelt, lacht, sich herzt, küsst, und auch zuweilen ein Bischen zankt! – Wie die Stunden dahin eilen, an der Seite eines denkenden Mannes; wie Liebe von dieser Art so selten gefühlt und vergolten wird, – O das ist traurig für die Menschheit! Nicht wahr Friz! Ich Gottes Erdboden, die just, weil sie wahr liebt, so wenig verstanden wird. – Immer geriet ich an Niederträchtige, an Dummköpfe, oder an Undankbare. Oft rissen sie mein Herz in Stükken, zerfleischten meine Gesundheit durch Leichtsinn, oder gemeine Grundsäzze. Du bist noch der Einzige unter dem Himmel, der sich meinen Ideen nähert; der Einzige, bei dem mein Kopf Nahrung und mein Herz Zufriedenheit findet. – Du bist so ganz mein Wiederhall, sanft, ehrlich, guterzig und edel. Sag mir lieber Sohn der Natur, sag, wer hat Dich so äusserst fein lieben gelehrt? – Schuf Dich der Himmel nur darum, um mich mit Deinem Nattergeschlecht zu versöhnen? – Glück zu Friz! Mein Zutrauen wächst! – Aber Mord wäre auch mein Loos wenn Du es ..... doch weg abscheulicher Verdacht! Komm Junge, dafür drükke ich Dich izt desto vester an meinen Busen! Nicht wahr, so viel Schwung meiner hizzigen Einbildungskraft hattest Du in jenem kalten Monate unserer blossen Freundschaft nicht vermutet? Ja, siehst Du, es kömmt nur darauf an, dass man seinen Mann findet. Es ist freilich toll von mir, so zu schwärmen; – aber ich trage doch keine lasterhafte Liebe im Herzen, und darum schäme ich mich ihrer auch nicht. – Es ist izt bald ein Uhr; mein Herz schlägt um vieles leichter, als gestern Nachts. – War ich nicht eine Närrinn, meine Gesundheit so gewalttätig zu tödten? Aber wer kann denn auch dafür, wenn's im Busen so schröklich ängstet? – Ich bin Dir doch ein grämliches Ding, ein Ding, das bloss mein Friz ertragen kann. Ich plage Dich ja täglich um Briefe, um Deinen Besuch; aber Du bist denn doch auch nicht viel besser in diesem Stük, als ich. Siehst Du, wie es mir geriet, in Dir ein neues Gefühl der Liebe aufzuwekken, weil ich Dich geizen lehrte nach der kleinsten Gefälligkeit von Deinem Liebchen. – Schark war heute Abend sehr mürrisch. Ich musste alle Kräften zusammen suchen, um mich nicht durch Brausen zu verraten. Mein Mädchen trat in's Zimmer, und hier glitschten seine wollüstigen Augen auf ihren Busen. Zu einer andern Zeit hätte ich beide über die Treppe hinuntergeworfen; aber izt tat es mir bloss weh, und weiter nichts. – Bin ich nicht eine glückliche Prinzessin? – Hab ich es nicht weit gebracht in der Welt, dass die Mannsleute bloss an meiner Seele hangen? Ich bin aber auch ein recht gutes Geschöpf, versteht sich, wenn ich Dich an meiner Seite habe. Aber nun schlafe sanft, holder Lieber! Gott möge bei Dir wachen! Das wünscht von Herzen Deine rein liebende Nina. VIII. Brief Guten Tag Friz! Nimm einstweilen diesen Kuss, bis nach Tische. – Lebe wohl Liebchen! – Ich würde Dir jezt mehrers schreiben; aber ich kann ohnmöglich. – Du kennst meine unglückliche Lage! Kennst aber auch mein Herz. – Werde nicht böse