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Mistrauen in meine absichtslose Liebe zu sezzen, dann sei Dir auch Gott gnädig! – Bei allen Heiligen beschwöre ich Dich, jedem, der etwas von mir spricht, den Rükken zu kehren! Handle Deiner Klugheit gemäss, und lass übrigens Gott walten. – Ha! So haben denn die Verläumder mein Heiligstes angegriffen! Ich weine und dulde. Könnte ich mich nur geschwind in das Gewand einer Heiligen hüllen, und mit dieser Aussenseite meinen Feinden unter blutigen Tränen zurufen: Lasst mich ihr Boshaften, der blosse Schein war wider mich! Verdammt sei von dieser Stunde an meine Lebhaftigkeit, verwünscht jeder Augenblik, wo ich mich je wieder durch sie vergessen könnte! Ich bin an die grosse Welt gewöhnt, ich bin frei ohne Frechheit, man dringt mir zu, sie flattern um mich herum die Elenden, aber mein Wiz soll zu Gift und mein Verstand soll zu Wasser werden, wenn ich nicht von nun an, auch den kleinsten Schein zu Deiner Beruhigung verhüte! – Doch Du wirst sehen, es wird in dieser pöbelhaften Frau Basen-Stadt nichts nüzzen! Vielleicht glänze ich denn in deinen Augen desto heller! Aber deine Verwandten haben es einmal auf mich gefasst, und ruhen gewiss nicht eher, als bis mich mein Feuer zu einem tollen Streiche verleitet. Hier hast Du nun alle Geheimnisse meines Herzens, und bekömmt sie eine Seele ausser Dir zu sehen, dann .... ha, dann wären ewige grässliche Misshandlungen von Deinem groben Nebenbuhler mein Loos! – Doch mein Friz ist vorsichtig! – Friz überlegt, Friz kann sein armes Weibchen nicht kränken! Aus Barmherzigkeit sei überall vernünftig, nur keiner Seele getraut! Es schlägt zwölf Uhr, und ich springe wieder wütend aus dem Bette! Dauert es so fort, o dann weh mir! Wenn Du mich nicht aufrichten kannst, so bin ich, – so ist meine Gesundheit verloren. Das hiesige Bürgervorurteil erwürgt mich fast! Und doch kann ich meine Feinde nicht hassen. O wenn die Grausamen mich kennen wollten, sie würden mich gewiss lieben. Hängen doch Personen meines Geschlechts leidenschaftlich an mir, und es sollte unmöglich sein, Deinen eigensinnigen Bruder zu bereden? Ich bin arm, verlassen in die Welt hingeworfen, aber reich und stolz in meinem Herzen! Doch was kümmert mich das Nattergezücht; wenn Du mich kennst, und ruhig bist, dann mögen sie plaudern, die Knaben, die in Weiberrökken stekken, und die mich wegen einer blossen öffentlichen Unterhaltung verdammen wollen! Bedenken denn die Elenden nicht, dass es meine Ehre gilt, dass es die Ruhe eines Jünglings gilt, der seit so vielen Monaten Umgang von mir eines bessern überzeugt ist? Friz! – Ich will nicht mehr zürnen! – Aber ich kanns nicht tragen; meine Unschuld, mein Stolz empört sich, ich möchte laut weinen! Ich bin es meinem würdigen Erzieher schuldig, mich selbst zu ehren, und von heute an, will ich von nichts weiter mehr wissen, als was uns etwa trennen könnte! Das übrige sind kleinstädtische Schlangenbisse, die uns lebendig ins Grab reissen, wenn wir ihnen Gehör geben! – Also nichts mehr, Freund, als was uns trennen könnte, und dabei kömmt's doch, glaub ich, nicht auf den Willen Anderer an? Sei aber sanft gegen deine Aeltern, sonst könnte ich Dich verabscheuen. Diese schwachen Leute haben dies Kreuz eben so wenig als wir verdient, und sollte diesem Ungerechten die Entbehrung meines Umgangs Ruhe schaffen, so richte Du es ein, wie Du willst, wie Du kannst. Es wird Dich und mich schröklich viel kosten; aber was ist denn auch das für grosse denkende Seelen? Laure nach, es müssen Schurken unter der Verläumdung stekken, sonst könnte man nicht so in Dich dringen, mich zu verlassen; vielleicht gar ein Geweb von Eifersucht? Gleich viel; verteidige mich nicht weiter; Gott ist meine Hülfe, Er lässt mich gewiss nicht ganz unterdrükken! Nicht wahr Friz, izt sind meine Ahndungen erfüllt, die ich vor etwelchen Tagen hatte? Wie mich's da presste, wie Du alle Macht der Vernunft zu Hülfe rufen musstest, um mich zu trösten! – Forsche nach, ob nicht etwa in meinem Hause Spionen sind? Ich will eher das Bürgergeschmeiss meiden. Mache indessen bei den Deinigen den kalten Hofmann, wenn es Dir möglich ist, aber nur Schonung für mein Herz! Bei dem Allmächtigen Schonung für meine Empfindsamkeit, Du kennst meine Erziehung! – Gassengeschwäz ist mir unausstehlich! Denn ich fühle mich, Gott sei Dank, über den Weiberkram erhaben! Nina. Heisst das Wort halten? Bis eilf Uhr ohne Fehl Antwort. Später kann es nicht sein! – III. Brief Acht Uhr vorbei! – Und dennoch ist Ihre Antwort nicht da! Dafür wünsche ich Ihnen ein andermal eine ähnliche Folter, wenn Sie auf etwas passen! Sie kennen doch, dünkt mich, meine feurige Ungedult so ziemlich? Aber vielleicht hat man Sie am Schreiben gehindert? Wie ich alle Entschuldigungen hervorsuche, um mich zu beruhigen! In unserer Lage ist Furcht und Angst ganz natürlich, weil von allen Seiten Niederträchtige uns stören möchten! – Gestern passierte ich den halben Tag bei der Freundinn K.... – Gott! Was dort für herzige kleine Kinder sind! Nachher ging ich zu einer andern Freundinn, die hat mich wegen Ihnen in die Presse genommen, oder noch besser mit unzeitiger Moral gemartert! Sie weiss dem ohngeachtet nichts positives, nur