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Ein junger Mann, der viel Uebereinstimmendes mit mir zu haben schien, stürmte vor meiner Abreise mit aller Macht einer entusiastischen Empfindsamkeit auf mein Herz los! – Die Kürze seiner Bekanntschaft entzog mir die Gelegenheit ihn näher kennen zu lernen; doch zog er meine Aufmerksamkeit auf sich, und wusste auch durch eine feurige, begeisterte Unterredung mein Mitleiden rege zu machen. – Mit einem äusserst warmen Gefühl, das mir unverfälscht schien, verfluchte er an meiner Seite die Untreue seiner vorigen Geliebten. – Das Feuer, womit er ihr in Stükke zerrissenes Bildnis in ein vorbeifliessendes Wasser warf, – die Träne, die ihm das erlittene Unrecht entlokte – schienen mir heilige Beweise seines zur Liebe geschaffenen Herzens zu sein. – Stoff genug für mein leeres Herz, um sich in die Zukunft Hofnungen zu schaffen, die mich vielleicht täuschen werden! – So sehr er mir auch durch seinen fleissigen Briefwechsel das Gegenteil beweist! – Lies innliegende Beilage von ihm, und dann urteile! –
Gott! – wenn es nur ein brausendes, vorübereilendes Feuer wäre! – Wenn sein Gefühl nicht anhielte, und ich dann mein Herz an ihn gekettet hätte, so fest gekettet hätte, dass es im Wegreissen eine blutige Wunde bekäme, so bald er keiner ächten Liebe fähig wäre! – Ich darf diesen Gedanken nicht nähren. – Mein Herz kann die abscheuliche Leere nicht länger ertragen; es ist wieder reif zur Liebe; – und doch zittere ich bei dieser Wahl, ohne zu wissen, warum? ––
Er scheint izt seine ganze Glückseligkeit bloss in mich zu sezzen! – Er schreibt mir mit einer Entzükkung, die jedem Frauenzimmer schmeicheln würde, wenn ihr Herz auch minder gefühlvoll als das meinige wäre! – Seine Liebe scheint uneigennüzzig, weil er sie auch entfernt von mir mit vieler Lebhaftigkeit unterhält! – Ob sie aber auch standhaft ist, diese Liebe? – Ob seine flüchtige Seele jener Grösse fähig ist, der ich bedarf? – Das mag die Zukunft entscheiden! – Ich muss mich wieder einmal an ein Wesen halten, das mein Herz ausfüllt! – Wie lange suchte ich schon ein solches Wesen, und fand es nicht? – Du bist glücklicher als ich, meine Freundin; Du besizzest ein geprüftes Herz, das deiner würdig ist! – Deine Stunden schleichen nicht wie die meinigen unter mürrischer Laune und Langerweile dahin. – Dein sanftes Gefühl wird durch keine stuzzerische Torheiten beunruhigt, wie das meinige. Mein Stand wird mir täglich mehr zur Last wegen den vielen Gekken, die sich mit der grössten Unverschämteit noch an jedem Orte an mich hindrängten. – O! die Elenden kränken durch ihre Sprache der Weichlichkeit mein Ehrengefühl aufs Aeusserste! – Oft, wenn ich in guter Laune bin, behandle ich sie mit Spott, aber auch oft macht mich ihre Zudringlichkeit tiefsinnig und schwermütig. Ich fühle dann die niedrigen Mishandlungen im Innersten, denen mich mein bitteres Schiksal aussezt. – Dieses Misvergnügen ist auch ein Beweggrund, dass ich die mir angebotene Bekanntschaft zu unterhalten suche. Vielleicht rettet mich dieser junge Mann aus Liebe, oder doch aus Freundschaft und Menschenfreundlichkeit! –
Geschäfte, meine Liebste, halten mich heute ab, weitläufiger zu sein; – ich muss also mit der alten unveränderlichen Freundschaft schliessen, mit der ich immer bin
Deine aufrichtigste Amalie.
Beilage.
Liebes Malchen! –
Du bist fort, und meine Seele ist Dir nach! – Das mag Dir der Anblik dieses Briefes beweisen, der vor Dir in U... eintreffen wird. – Holdes, vortrefliches Weibchen! – Wie ganz hast Du das Bild einer Ungetreuen aus meinem Herzen vertilgt! – Wie unendlich ersezzest Du mir einen Verlust, der mich ohne Dich vielleicht noch lange martern würde! – Heute besuchte ich jenes grüne Pläzchen auf dem bewussten Spaziergange, wo sich mein Herz Dir ganz aufschloss. Die Erinnerung riss mich von der seligsten Freude zur tiefsten Schwermut hin! – Ich bin nun so ganz glücklich, seitdem Du mir Hofnung machtest, einstens dein göttliches Herz ganz zu besizzen, dass ich mich vor Entzükken selbst nicht mehr kenn! – O! wenn mir doch mein Schiksal bald die Freude gönnte, Dich, gutes Weib, für deine ausgestandene Leiden schadlos zu halten! wie äusserst froh wollte ich dann sein! – Meine Lage ist noch etwas unvermögend, aber sie wird bald besser werden, um Dich, Teuerste, von
Dass ich Dich ohne sinnliche Absichten liebe, das hast Du an dem Morgen unseres Abschiedes gesehen. – Wusste ich mir nicht zu gebieten? – Sag, hab ich Dich auch nur mit einer Miene beleidigt? – Ehe Du ganz mein bist, will ich unser Band nicht enger knüpfen. – Aber hörst Du, ganz musst Du mein werden! – ganz! – denn das ist der eigentliche Verstand einer gutartigen Liebe. –
Wenn Dir etwas zustösst, oder was Dich immer für ein Schiksal treffen mag, so wende Dich an mich; ich bin ja dein einziger besster Freund! – Wie lange wirst Du wohl noch ausbleiben? Doch nicht über sechs Monate? – Schreibe mir ja recht bald, damit ich Dir wieder sagen kann, mit welcher inniger Zuneigung und gränzenloser Liebe ich bin
Dein Zärtlichster Freund
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N. S. Nicht wahr, Fanny! der weis ein fühlendes weibliches Herz in Gährung zu bringen? – Kann der wohl diesem Brief nach ein Heuchler sein? –
CXLV. Brief
An Amalie
Ich will heute deinen ersten Brief ganz übergehen, weil er mehr das Teater-Wesen als Dich