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hin, der mir gefällt, und wenn sie dort sind – diese Wünsche, und ich mit ihnen, dann ist es mir wohl. – Du glaubst es nicht, Besste, das ist ein so namenloser Hang, den ich nicht Laster, aber auch nicht Tugend nennen kann. Jezt wieder auf das Abschiednehmen! – Ich stehe mit einem Jungen in Bekanntschaft, ich möchte mich gerne bereden, dass er mir gut wäre, aber gegen meine Zärtlichkeit, gegen meine Wärme ist es ausgemacht, ist er ein wahrer Hakstok. Ich versuche alles, um ihn recht oft zu sehen; aber so zornig bin ich, wenn ich mich an den verzweifelten Kontrast seiner Kaltblütigkeit erinnere. Warum fühlt er nicht auch meine Unruhe? Warum ist er nicht auch eifersüchtig, wenn andere Herrchen mich reizend finden? Seine Seele ist so gedankenlos, so einbildungsleer, wenn ich so im Taumel von Zufriedenheit recht unschuldig und doch wie Glut an seiner Seite sizze. Ich sollte also fortfahren ihn zu lieben? Mich quält es ja doch, und ich finde kein wahres Mitleid. – Halt, Amalie, wirst Du denken, Du fiengst deinen Brief mit Abschiednehmen an, und nun ist Liebe dein Tema! Vielleicht hast du Recht! aber wer plaudert denn nicht gerne von Liebe, besonders wem sie noch so fremd ist? – Alle, Alle müssen opfern, nur ist diese Einbildung ohne Ende so verschieden. Gestern um diese Stunde sah ich ihn das leztemal, ich weinte, eins, zwei, drei Tränchen, und er – er zupfte indessen an seinen Manschetten. Pfui, pfui! dacht ich, meine Zärtlichkeit ist übel angerannt. – Adieu Monsieur, und husch zur Tür hinaus. Ich schreibe Dir bald wieder. Lebe wohl! –
Amalie.
VIII. Brief
An Amalie
Nicht wahr, liebes Mädchen, wie sich meine Laune Troz meinem Flegma nach der deinigen stimmt, da ich sonst jeden deiner Briefe nicht so geschwind beantwortete? Aber nun siehst Du, dass ich Dir schon zum zweiten Male keine Antwort schuldig bleibe. Freilich ist das Abschiednehmen eine unnüzze Sache und ein Zeremoniel, wider welches alle empfindsame Herzen protestiren sollten. Doch zu was Wichtigerm! Gott helfe Dir! Du dauerst mich, denn Liebe ist für ein Herz, wie das deinige, eine gefährliche Sache. Ich erschrak, als ich die Ausdrükke, die Dir deine erhizte Einbildungskraft eingab, überlas. Mädchen, Du hast viele Anlagen zu einer unglücklichen Schwärmerin. Wenn ich Dir raten darf, so schränke deine Einbildungskraft mehr ein, wenn sie Dir so feurig von Liebe vorschmeichelt; und tust Du das nicht, so glaube mir, Du wirst gewis noch elend. Sei nicht böse über meine Einwendung; ich kenne Dich, und nie würde ich Dir so nahereden, wenn ich nicht wüsste, dass dein zukünftiges Loos aus Träumen bestehen könnte. Wahr ist es, jezt lachest, jezt tändelst Du noch; deine Seele ist nur obenhin berührt, Leichtsinn und Unerfahrenheit lassen Dir und deinem Kopfe nicht so vielen Raum übrig, um Dich unzufrieden und taub zu machen. Findest Du aber einmal Den, der sich in dein Herz schleicht, Den, worauf sich dein Eigensinn steif angeheftet hat, dann magst Du Acht haben, was aus Dir werden wird! Du bist keine gemeine Seele, die ohne Kopf lieben wird; deine Eigenliebe wird sich stark ins Spiel mischen, Du wirst Gegenliebe fodern, und vielleicht von einem Menschen, den der Zufall zu ungeschikt geschaffen hat, um deine Eitelkeit zu nähren. Das wird Dich aufbringen, und doch! wenn Du vielleicht schon zu stark hingerissen bist, so wirst Du leiden, und dennoch mit Dem nicht brechen, der Dich von der Weiber Lieblingsseite zu küzzeln weis. Nun wird sich noch Eifersucht, Furcht, Wünsche, und was weis ich alles, dazu gesellen; dann merk auf, wie Dirs um das Herz sein wird? – Du wirst Dir Ideale in deinem Liebling schaffen, und findest Du Dich in etwas getäuscht, so wirst Du murren und üble Laune bekommen. Dein Stolz wird sich empören, Du wirst keinen Anbeter nach deinen Schimären stimmen wollen; widerspricht er Dir, so wirst Du toll werden; dann wird es Zank absezzen, und nach diesem Maulhenkerei, und nach diesem Tränen, Schwermut, und so kann es sich leicht fügen, dass Du Dich schlaflose Nächte hindurch mit deiner Todfeindin, mit der Liebe, herumbalgest. Morgen sag ich Dir noch mehr, magst sauer oder süss drein sehen, musst es doch wissen. Lebe wohl!
Fanny.
IX. Brief
An Fanny
Teure Fanny! Wir kamen in W** glücklich an. Der Graf empfieng uns sehr gut. Mein Vater ist jezt heiterer als jemals. Die Reise und das Lossein von seinem Bruder machten ihn munter. Meine Hausgeschäfte sind häufig, alles liegt mir jezt auf dem Halse. Doch Kleinigkeiten für ein williges Mädchen! Mein Schwesterchen wächst recht artig heran, sie ist der Liebling meines Vaters, und da er mir nebst dem auch noch ziemlich wohl will, so kann ich die häufigen Liebkosungen an sie leicht ertragen. – Nun für Dich ein Reisehistörchen: Wir kamen in F*** Abends in einer ehrbaren, saubern Schenke an; ein halbreifer Junge empfieng uns an der Treppe. Mein Vater hatte Louisen an der Hand und ging der Stube zu, ich hintendrein, und das an der Seite besagten Kerlchens. Seine emsige Bedienung, sein: Mademoiselle schaffen sie nicht? machten mich lachen. Mein Vater