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von hier aufhielte, und dass er die Absicht hätte, diesen sowohl, als seinen Bruder, W i l h e l m i n e n s Vater, holen zu lassen, und dann wolle er Vermittler der Aussöhnung mit ihren Kindern sein. Er wünsche aber, dass die jungen Leute noch nichts erführen, damit die Ueberraschung von beiden Teilen grösser wäre. Er bat mich, ihm hierinn behülflich zu sein, ohne dass K a r o l i n e etwas erführe, weil er fürchtete, dass diese gegen ihre Freundinn nicht verschwiegen genug sein würde. Es wurden also sogleich Boten an beide Väter abgeschickt. Als diese Veranstaltungen kaum getroffen waren, kam K a r o l i n e herein und führte W i l h e l m i n e n ins Zimmer, die, als Mädchen gekleidet, reizend schön aussah. F e r d i n a n d schien von ihrem Anblick bezaubert zu sein, und betrachtete sie mit Entzücken. Die Zeit verstrich uns so angenehm, dass es mir äusserst schwer ward, mich loszureissen, um Dir zu schreiben. Ich muss Dir auch gestehen, dass ich schon oft in Versuchung gewesen bin, die Feder aus der Hand zu legen, und mich zu der Gesellschaft zu verfügen. Also nur noch ein paar Worte, welche die Freundschaft mir einflösst: M a r i e ist für Dich verloren, liebster E d u a r d . Du siehst deutlich, dass sie Dir nicht bestimmt war. K a r o l i n e liebt Dich noch. Ihr stilles Trauern, ihre Bewegung, wenn etwas vorkömmt, das sie an Dich erinnert, zeigt dieses deutlich. Sie ist das liebenswürdigste Mädchen, und übertrifft jedes Ideal, das die entzückende Phantasie des Dichters je zu entwerfen vermochte. Komm zu uns hieher, und bemühe Dich, bei ihr alle Erinnerungen an M a r i e n , die ja doch nur äusserst schmerzhaft bei Dir sein können, zu vergessen. Ich nehme es über mich, den Alten auf Deine Seite zu bringen. Er denkt zu schön, als dass der letzte Vorfall mit Dir seine Achtung für Dich sollte geschwächt haben. Höre auf meine Bitte, lieber Freund, und gieb K a r o l i n e n die Ruhe wieder, die sie um Dich verlor. Ihr Besitz wird Dich zum glücklichsten, beneidungswertesten Manne machen! In der sichern Hoffnung, Dich bald zu umarmen, bleibe ich Dein zärtlichster Freund Bartold. Dreiundachtzigster Brief Eduard an Bartold Deine edelmütige Freundschaft rührt mich, und erweckt die dankbarsten Empfindungen gegen Dich in meinem Herzen, aber mehr kann sie nicht bei mir hervorbringen. Ich werde M a r i e n hier nicht besitzen. Sie selbst hat diese Hoffnung auf immer vernichtet, und kein Wunsch nach ihrem Besitze bleibt mir mehr erlaubt. Aber dem ohngeachtet bin ich noch ganz der Ihrige. Ich liebe sie nicht mehr wie eine Sterbliche, ich verehre, ich bete sie an! Sie scheint mir nicht mehr ein menschliches Geschöpf voll Mängel und Schwachheit zu sein, sondern eine Verklärte des Himmels. Ihr himmlischer, sanfter Geist ist auch über mich gekommen. Mein wütender Schmerz ist gedämpft, und stille Wehmut ist an seine Stelle getreten. Oft zwar überfällt er mich aufs neue, aber ein Gedanke an den Engel, ein Blick auf ihren trefflichen Brief, den Abdruck ihrer schönen Seele, – und meine Wut schmelzt in sanfte Tränen. O du Engel des Himmels! warum musstest du hier ein so trauriges Schicksal erdulden? Gewiss liess es die weise Vorsehung zu, um durch dich ein Beispiel des Heldenmuts im Leiden deinen Brüdern zur Stärkung zu geben! Teuerste Geliebte! ich will deinem grossen Vorbilde folgen, will mich demütig dem Willen des Himmels unterwerfen, und mit dir auf jene Welt mich freuen, die ewig uns vereinigen soll! Und nun noch eine Bitte an Dich, lieber B a r t h o l d ! Dringe nicht mehr K a r o l i n e n s wegen in mich. Ich schätze ihre Verdienste, aber mein Herz kann ich ihr nie geben. Es soll ein reiner Tempel bleiben, in welchem meine M a r i e wohnt, und alle seine Wünsche und Begierden sollen nur ihr gewidmet sein. Ich fühle, dass mit ihrem Leben auch das meinige zerreissen wird. Ihr himmlischer Geist wird bald in eine Welt übergehen, die ihrer würdiger ist als diese, und dann werden meine Gebete zu Gott dringen, dass er auch mich von der Bürde des Körpers befreien, und meinen Geist mit dem ihrigen zugleich hinnehmen möge! Da, Freund! Ich habe Dir ihren Brief abgeschrieben. Diese Abschrift sei das letzte Denkmal, das ich Dir hinterlasse. Das Original soll mit mir in die Gruft gelegt werden, und mit meinem Herzen zugleich vermodern. Wehe Dir, wenn Du diese teuren Züge liesest, ohne der Dulderinn eine Träne zu weihen, und wenn Du dann noch fähig bist, mir eine Zeile von einer andern Geliebten zu schreiben! Eduard. Vierundachtzigster Brief Bartold an Eduard Nein, Freund! ich werde nicht mehr in Dich dringen. Ich fühle mit Ueberzeugung, dass Du nach M a r i e n keine andre mehr lieben kannst. Ihr Brief hat mich durchdrungen. Ich sass in stummen Tiefsinn versenkt und von Bewundrung erfüllt. Indem trat K a r o l i n e herein. "Was macht Sie denn so tiefsinnig? Sie scheinen