highChunks/1784_Liebeskind_067_12623.txt -- topic 75 topicPct 0.23469388485
. Er war weder leichtsinnig noch unedel. Sein Herz war nur grossen Empfindungen offen. Ich wiederhole es Ihnen noch einmal: nur ganz besondre Umstände konnten ihn zu dem Schritt bewegen, den er tat.
Warum musste A l b r e c h t zu meinem Gesellschafter in seiner Abwesenheit W i l d b e r g e n wählen? Ihn, dessen Schmeicheleien, dessen Aufdringen mir so verhasst ist! Doch, was fürchte ich von ihm? Ich werde mich so gegen ihn betragen, wie Pflicht und Klugheit es gebieten.
Wie gern brächte ich die Zeit meiner Wittwenschaft bei Ihnen zu, liebe Freundinn! Ich fürchte, die Einsamkeit wird die traurige Stimmung meines Herzens nähren. Sie wird den Bau wieder einreissen, den ich mit so vieler Mühe anfieng. O dass meine Vernunft so sehr Sklavinn der Empfindung ist! Wäre ich bei Ihnen, S o p h i e , so würde zwar ihr lebhafter Geist meine Seele aufheitern, aber ach! tausend Erinnerungen an das Vergangne würden auch in mir erwachen, wenn ich Sie und K a r l s h e i m sähe; die Ausbrüche Ihrer Zärtlichkeit würden meine Augen mit Tränen füllen; ich würde in ihm die sanfte Stimme meines ehmals so innig geliebten E d u a r d s wieder zu hören glauben; ich würde nur eine Störerinn ihrer Freude sein.
Das, was sie mir von K a r l s h e i m s Schwermut sagen, zusammen genommen damit, dass er im Anfang seine Liebe zu Ihnen bekämpfen wollte, macht mich unruhig. Versäumen Sie doch ja nicht, mit zärtlichem Ernst in ihn zu dringen, um die Ursache seines Kummers zu erfahren. Vielleicht kann sie noch gehoben werden.
Ihren Hochzeittag werde ich hier mit stiller Wehmut feiern. Meine Seele wird Sie umschweben, und meine innigsten Wünsche werden Sie bis zum Altar begleiten, wo Sie beide ein festes Band auf ewig zusammen knüpfen wird. Kein Wölkchen müsse an diesem schönen Tage den heitern Himmel trüben, und die ganze Natur sich mit Ihnen freuen. Und wenn Sie dann wonnetrunken an Ihres Jünglings Seite sitzen, so denken Sie an Ihre M a r i e , für die hienieden die Freuden der Liebe dahin sind, und wünschen Sie ihr, bald einer Welt entrückt zu werden, die ausser meinen Freunden nichts Anziehendes mehr für mich hat.
Marie.
Dreiunddreissigster Brief
Karlsheim an Wilhelm
Noch drei Tage, und ich bin auf ewig der Ihrige. O W i l h e l m , oft ist dieser Gedanke der Wonne Quaal des Todes für mich. Und doch kann ich nicht zurück. Ich bin mit festen Ketten gleichsam angeschmiedet. Meine Zunge ist wie gelähmt, wenn ich reden will. Und nun ists auch zum Reden zu spät. Oft, wenn ich an des besten Mädchens Seite sitze, entzückt von ihrem himmlischen Reiz, auch dann, selbst im Taumel der Liebe, erscheint mir J u l i e n s Bild. S o p h i e n s Kuss zaubert dann zwar den Schmerz von meiner Seele weg, aber in der Einsamkeit durchdringt er mich wieder.
Diese Nacht sah ich J u l i e n , in ein Leichentuch gehüllt, auf mich zu gehen. Sie winkte mir, ich folgte ihr nach; sie verschwand, und ich sank in eine tiefe Gruft. Ich erwachte, und Todesschweiss stand auf meiner Stirn. Und noch schwebt immer die schreckliche Leichengestalt vor mir.
W i l h e l m , wenn du noch mein Freund bist, so reise hin, schicke hin, erforsche ihren Aufentalt; damit ich erfahre, ob sie lebt, oder ob ihr schöner Geist schon entflohen ist. Eher ist doch keine Ruhe für mich möglich.
Karlsheim.
Vierunddreissigster Brief
Sophie an Marien
O M a r i e , hätte nicht dein sanfter Geist mich umschwebt, dein Edelmut im Leiden meine Seele gestärkt, gewiss, so hätte ichs nicht überstanden. Nun ist es geschehen, es ist vorbei, und nur das Gefühl, gut und pflichtmässig gehandelt zu haben, vermag mich aufzurichten.
Ich sass und nähte die letzten Stiche an den Bräutigamsmanschetten für K a r l s h e i m , als ein fremdes Frauenzimmer um die Erlaubniss bitten liess, ein paar Worte mit mir zu sprechen. Eine dunkle Ahndung durchschauerte mich.
Sie kam herein. Nie sah ich eine rührendere Gestalt. Ein Mädchen von mittler Grösse, blondes Haar, grosse blaue Augen, die einen sehr melancholischen Ausdruck hatten, der von tiefem Gram zeigte, das einnehmendste Gesicht, Wangen, auf denen sonst Rosen geblüht zu haben schienen, die aber jetzt die blasse Farbe des Kummers hatten. Ihre Blicke hatten einen Ausdruck, den ich nicht beschreiben kann, und waren dabei so anziehend, dass man gleich alles hingegeben hätte, um den Schmerz zu heben, der sie niederzudrücken schien.
"Verzeihen Sie – sagte sie mit einnehmender, aber bebender Stimme – dass eine Unbekannte es wagt, sich Ihnen zu nähern; nur meine traurige Lage, und die vortreffliche Schilderung, die man mir von Ihrem Charakter gemacht hat, konnte mich so dreist machen."
"So wenig auch meine eigne Ueberzeugung Ihre schmeichelhafte Meinung von mir rechtfertigt: so ist doch gewiss eine meiner Hauptneigungen die, jedem Kummer meines Nebenmenschen so viel beizustehen, als es in meinen Kräften ist, und wenn nun vollends das Unglück in einer so einnehmenden Gestalt erscheint, wie die Ihrige ist, wer würde da