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mich. Es ist kein Traum, es ist Wahrheit, diese Lippen berührten sie, dieser Arm umschlang sie. Ich fühlte das edelste Herz fest am meinigen schlagen; nun hat beide ein ewiges Bündniss vereinigt, und keine Macht der Erde soll sie aus meinen Armen reissen. O Gott, wenn ich mir den Engel denke, wie sie bebend an meine Brust sank, wie die reinsten Tränen der Liebe in ihren Augen glänzten, wie ich, trunken von Wonne, sie umarmt hielt. Du Teure, Innigstgeliebte! jeder meiner Blutstropfen wallt nur dir; jede Ader hüpft vor Entzücken. Ich fühle mich über mich selbst, über Welt und alles erhaben, in eine höhere Sphäre hinaufgerückt. O Geliebte, mein ganzes künftiges Leben sei nur ein Bestreben, dich glücklich, mich deiner wert zu machen! Und nun bitte ich dich, W i l h e l m , komm mir nicht mit kalter Moral, mit keinen Sentenzen, und verbittre mein Glück mir nicht. – – Karlsheim. Dreizehnter Brief Sophie an Marien Ich glaube wirklich, ich bin schwindlich von allem, was sich mit mir zugetragen hat. Ich muss nur einmal an meinen Kopf greifen, um zu sehen, ob er noch auf seiner rechten Stelle steht. Ja, er steht zwar noch, aber es sieht so konfus darinn aus, dass es mir schwer werden wird, Ihnen eine umständliche Erzählung von allem zu geben; doch ich will mich dazu zwingen, so schwer es mir auch werden wird. Voller Unruhe brachte ich die vorige Nacht hin. Sonst schloss der Schlaf meine Augen, sobald ich mich niederlegte; aber diese Nacht war schlaflos. Abgemattet vom Weinen, stand ich auf. Kaum war ich angekleidet, war nach dem Morgengruss von meinem Onkel wieder auf mein Zimmer geeilt, als K a r l s h e i m herein trat. Ich erschrack, und verfärbte mich. Er bemerkte es: "Verzeihen Sie, Mademoiselle, sagte er mit sehr ehrerbietiger Miene, dass ich es wage, Sie vielleicht zur Unzeit zu belästigen. Ich sah gestern Kummer in ihren Augen; und ob ich gleich kein Recht habe mich nach der Ursache zu erkundigen, so interessirt mich doch alles, was sie angeht, viel zu sehr, als dass ich unbekümmert dabei bleiben könnte. Auch glaubte ich, Zeichen des Unwillens gegen mich bei Ihnen zu sehen. Erlauben Sie mir, teuerste Mademoiselle, Sie zu fragen, wodurch ich das Unglück gehabt habe, Sie zu beleidigen?" Ich musste die äusserste Mühe anwenden, mich zu fassen, und mit gleichgültigem Ton zu sagen: "Sie haben sich in Ihren Vermutungen gewiss geirrt, Herr K a r l s h e i m . Ich wüsste gar nicht, wodurch Sie mich könnten beleidigt haben, und übrigens dächte ich, der Kummer jedes andern Frauenzimmers müsste dem Geliebten von L o u i s e D a l b e r g gleichgültig sein." "L o u i s e D a l b e r g , die ich kaum ein paar male gesprochen habe? Glauben Sie, Mademoiselle, es tut weh, sich so verspottet zu sehen." "Ich sehe nicht ein, warum Sie eine Verbindung läugnen wollen, von der man allentalben ganz laut spricht. Man hat sogar den Verlobungstag mir gesagt. Und L o u i s e ist wirklich ein Mädchen, das gewiss – das vortreffliche Eigenschaften besitzt. – –" "Und wenn sie deren noch mehr besässe, mir ist sie sehr gleichgültig, und ich müsse gleich hier vor ihren Augen vernichtet werden, wenn je ein Gedanke an sie in meine Seele kam. Aber ach! es giebt ein Frauenzimmer, die mit unumschränkter Macht in meinem Herzen herrscht, die ich aufs innigste verehre, die ich auch dann noch lieben werde, wenn schon meine brechenden Augen sich schliessen. Wenn meine Zunge schon stammelt, werde ich noch ihren teuren Namen nennen, den die Liebe mit der stärksten Macht in mein Herz grub. – O wenn ich es wagen dürfte, sie Ihnen zu nennen! – Teuerste, lässt mich dieses Erröten hoffen, dass ich Ihnen nicht ganz verhasst bin? O reden Sie ein Wort." "K a r l s h e i m – sagte ich mit einer Bewegung, über die ich nicht mehr Herr war – Sie mir verhasst? – Es gelang mir, mich wieder zu fassen – Ihr bisheriges Betragen zeigte wohl, dass Sie unser Haus mieden, und liess eben nicht vermuten – –" "Endigen Sie Ihre Rede nicht; ich weiss, was Sie sagen wollen. Ja, Teuerste, ich kämpfte mit meiner Leidenschaft, ich wollte die Gelegenheit fliehen, den brennenden Funken noch stärker anzufachen, aber vergebens; diese Neigung sass zu tief in meiner Seele, als dass irgend etwas auf der Welt fähig wäre, sie auszurotten. Ewig wird sie in meinem Herzen wohnen; auch dann noch, wenn Sie mit Ihrem Hass meine Verwägenheit strafen, auch dann noch wird der unglückliche, von Ihnen verbannte K a r l s h e i m Sie zeitlebens verehren." Er fasste meine Hand, ich war zu sehr gerührt, um sie wegzuziehen. Mit dem Ton der stärksten Leidenschaft sagte er: "S o p h i e !" "K a r l s h e i m !" "Gott! ist es möglich, bin ich der Seligkeit wert?" Und nun fühlte