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gesteh' ichs, ich musste alle Gewalt anwenden, um Tränen zu verbergen, die hervorbrechen wollten; aber sie fielen bitter auf mein Herz. Wenn sein Blick mir begegnete, so schlug er errötend die Augen nieder, und einmal glaubte ich Tränen darinn zu sehen. Als wir nach Hause gehen wollten, bot er mir seine Begleitung an. Ich schlug sie unter einem Vorwande aus; er wurde hochrot und stutzte, entfernte sich aber gleich mit einer tiefen Verbeugung, und ich war sehwach genug, meine abschlägige Antwort zu bereuen. Doch ich Törinn! die Ursache seines Schmerzes war ja nur, weil Louise ihm fehlte. O so sei es auch verschworen, je wieder an dich zu denken, falscher K a r l s h e i m ! Uebermorgen komme ich zu Ihnen, M a r i e . Sophie. Zwölfter Brief Karlsheim an Wilhelm B. Ich bin verloren, Freund! Dieses Herz, das immer den Meister über mich spielt, wird auch diessmal siegen. Du solltest sie sehen, und du würdest mich entschuldigen. Ein Engel kann nicht reizender sein. Grazie in jeder ihrer Bewegungen, die liebenswürdigste Lebhaftigkeit des Geistes, mit dem gefühlvollsten Herzen, machen sie zur Liebenswürdigsten ihres Geschlechts. Nenne mich nicht schwach, W i l h e l m , ich habe gekämpft, gerungen; habe zehn Tage (die quaalvollsten meines Lebens!) sie nicht gesehen. Oft riss meine Empfindung mich zu ihr hin. Ich sah schon von ferne das Haus, die Wohnung meines angebeteten Engels, und doch siegte ich über mich, und kehrte um. Nun war mein Zimmer mir ein Ort der Quaal; ich selbst mir eine Last. Möchtet ihr niemals wiederkehren, schreckliche Stunden! – Ach! W i l h e l m , heute sah ich sie. Ich war zu Hofrat G. gebeten. Sie trat ins Zimmer. Eine lebhafte Röte überzog ihre Wangen, als sie mich sah. Mein Herz schlug unbändig, ich musste zu ihr hin. Aber, Gott, sie empfieng mich so kalt; ich glaubte Unwillen in ihren schönen Augen zu sehen, und so kalt und traurig blieb sie den ganzen Tag. Der lebhafteste Schmerz herrschte in ihrem Gesichte; tiefe, halb unterdrückte Seufzer schwellten ihre Brust empor. Einmal sah ich eine Träne in ihren Augen, die sie schnell verbarg. O, teure, kostbare Träne! wem warst du geweiht? Wärest du mir und der Liebe geflossen, willig wollte ich mein Leben hingeben. Hätte ich mich doch zu ihren Füssen hinwerfen können, um nach der Ursache ihres Kummers zu fragen! Hätte sie dann mich nur eines solchen Blicks gewürdigt, wie der war, den sie beim Aussteigen aus dem Wagen mir gab, als wir von M a y b e r g zurückkehrten! Glücklichster Tag meines Lebens, noch entzückt mich dein Andenken! Aber nein, ihre Blicke waren nur selten auf mich gerichtet, und dann oft kummervoll, oft auch unwillig. Beim Nachhausegehen schlug sie meine Begleitung ab. O Wilhelm, wie kränkte mich das im Innern! Kaum konnte ich von meinem Wirt Abschied nehmen. Sophie, teures geliebtes Mädchen, womit beleidigte ich dich, oder was ist dein Kummer? Ha, was fällt mir ein? Sollte ein Nebenbuhler – Entsetzlicher Gedanke! dass du in der tiefsten Hölle wärst! – Sophie, das Eigentum eines andern? Ich muss hin zu ihr, ich muss mein Schicksal erfahren. O wäre doch der Morgen erst da! – Den andern Morgen. Ich wollte schlafen, aber der Schlaf floh mich. S o p h i e stand immer vor meiner Einbildungskraft. Und dann dachte ich wieder an deinen Brief, an J u l i e n . – Aber was soll mir J u l i e ? Sinds nicht zwei J a h r e , dass ich nichts von ihr hörte? liess sie nicht zwei Briefe unbeantwortet? reiste ich nicht selbst nach D.? Erfuhr ich wohl etwas von ihr? Hätte sie mir nicht einmal schreiben müssen, wenn sie mich noch liebte? Gewiss ist sie längst das Eigentum eines andern, und ich Tor sollte um sie mein Glück, S o p h i e n , verscherzen? Nein, das wäre wahnsinnig gehandelt. Ich habe mehr getan, als sie hätte fordern können; ich habe genug gekämpft; ist es meine Schuld, dass eine innre Macht mich unwiderstehlich nach S o p h i e n zieht? Soll eine jugendliche Neigung mich auf ewig zum Märtyrer machen? Mich von dem herrlichsten Geschöpf zeitlebens trennen? Nein, W i l h e l m , das ist zu viel gefordert. Es ist wahr, ich liebte J u l i e n , aber sie ist selbst Schuld an unsrer Trennung. Liebte sie mich noch, und hätte sie mir nur einmal geschrieben, gewiss, Freund, dann würde ich ihr treu bleiben, wenn auch dieses Herz noch so sehr widerstrebte. Aber gewiss bin ich ihr gleichgültig. Ich muss hin zu S o p h i e n , mein ganzes Herz ihr entdekken, und Tod oder Leben von ihren Lippen empfangen. Fortsetzung. O W i l h e l m , kann ich die Fülle der Wonne tragen? erliege ich nicht bei dem schnellen Wechsel? Vom tiefsten Kummer so schnell auf der höchsten Stufe des Glücks zu stehen! Sie ist mein. – S o p h i e mein – – sie liebt