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Lattens Hand in meine, und sagte so innig: Rosalie! Ihre Hand soll mir den Mann meines Herzens geben. Latten kniete zu uns hin in der grössten Bewegung; aber er fasste sich, und sagte zu ihr: Caroline! ich habe zwei Engel geliebt, und dieses geweihte Herz ist nun Ihnen ganz eigen. Ich will mich bestreben, Sie so glücklich zu machen, als Sie liebenswürdig sind; und küsste ihre und meine Hand, indem er sich mit vielem Anstand erhob, und der nun ganz glücklich gewordenen Caroline, die mit Rosenröte übergossen war, auch Mut zusprach, und ihr die selige Aussicht zeigte, die aus der Vereinigung so vieler rechtschaffenen Menschen entstünde. Ich verliess das glückliche Paar, und sagte den übrigen, was vorgegangen sei, Alles freute sich herzlich. Frau Grafe sagte dann: O! ich will auch eine Heirat stiften, das weis ich. Ott, Cleberg, und der junge Stiegen entfernten sich, kamen aber bald wieder. Ott brachte Linken und seine Frau, Cleberg aber den Herrn Itten und sie, und Stiegen natürlicher Weise seine schöne Braut. Vater und Mutter konnten nicht reden, hielten sich bei der Hand, sahen um sich mit tränenden Augen, ihre Caroline suchend, welche noch mit Latten und der van Guden im Cabinet war. Frau Grafe ging mit Eile, die Ankunft der Eltern zu vermelden. Caroline kam mit dem schönen Latten bis an die Türe, wo sie umsank, und von ihrer Mutter und Liebhaber unterstützt, bei dem Segen des Vaters sich wieder erholte, nachdem auch den Jubel und die Wünsche ihrer Geschwister genoss, welche zu dem Verlöbnissfest gerufen wurden. Unsere edle van Guden war über den Anblick dieses Familienzirkels ganz entzückt, sie sagte mir: Ich glaube, dass dieser Abend für den Himmel selbst ein schöner Abend ist, denn das Band der Tugend, das uns vereinigt, ist auch der Grund unserer hoffenden Seligkeit mit den vollkommenen Wesen der andern Welt. Gute Eltern, gute Kinder, Ehegatten und Freunde um mich, liebe Rosalie! o wie süss ist das Teilnehmen an der Freude edler Menschen! Kurz darauf nahm sie Linke mit einer trüben Miene an der Hand, und bat sie, ihn auf einige Augenblicke anzuhören. Sie folgte ihm in das andre Zimmer, wo sie den braven jungen Mann mit Erstaunen in eine Art Jammer ausbrechen hörte, dass seine geliebte Frau mit ihm nicht so viel Ansehen und Glück erhalten habe, als ihre zwei jüngern Schwestern erreicht hätten. Er könne sein Hannchen nicht ansehen, ohne dass sein Herz durch diesen Gedanken gepresst würde. Van Guden lobte dieses feine Gefühl seiner Liebe; sagte ihm aber dabei, dass er doch den Karakter seiner Frau so gut kennen müsste, um sicher berechnen zu können, ob der mehrere Glanz in dem Schicksal ihrer Schwestern ihr einen Neid oder Kummer machen würde. Da kam seine Frau an die Türe, um zu fragen: ob ihrem Linken nicht wohl sei? denn er habe etwas geändert geschienen. Van Guden erzählte ihr seinen Jammer. Lieber Mann! sagte sie zärtlich und ernstaft, wie wenig kennest du deinen Wert und mein Herz, und wie traurig ist es mir, dass ich nun nichts zu sagen weis, womit ich dir diese unangenehmen Gedanken benehmen könnte. Stelle dir mein ganzes Wesen und alle meine Wünsche dar, es liegt gewiss nichts in mir, das nur im geringsten nach Glanz und Höhe trachtet. Ich wäre unglücklich, mein Bester, wenn dein Stand und Vermögen sich änderte. Dich haben, dich behalten so wie du warest, als ich dich kennen lernte, als du mir Liebe zeigtest; dies, mein Linke, dies ist mein Glück. Dein Haus, die nemliche Stube für meine Kinder, wo du, ihr geliebter Vater, auch als Kind warest, als guter Knabe aufwuchsest, als edler Jüngling an mich dachtest, und als rechtschaffener Mann mich so unaussprechlich glücklich machst. Linke! was soll ich mehr? Meine häuslichen Beschäftigungen, alles, alles ist mir lieb. Gott erhalte mir dieses; alles übrige drückte mein Herz nieder. Wenn du mir nicht glaubst, wenn mein vergangnes Leben und meine Gesinnungen dir nicht Bürge sind, o so machst du mich elend. Mögen meine geliebten Schwestern ihr Wohl fühlen und geniessen, wie ich das meinige; denn der Unterschied ist für sie, weil auch der Unterschied in unsern Gemütern ist. Glaube, mein Lieber! weder Rang noch Reichtum könnte mir geben, was ich durch dich und in dir habe. Lass mir deine Liebe und dich, glaube an die meinige, und sei dadurch eben so glücklich als ich. Nun hieng er an ihrem Hals, weinte mit ihr, und freute sich; van Guden umarmte beide, und schätzte sie als das glücklichste Paar Menschen; und Linke behauptet, er sei an diesem Abende noch viel glücklicher geworden, als an dem Tage, wo ihm Hannchen an dem Altar gegeben wurde. Wie oft lernen wir das Beste und Nötigste erst durch den Zufall kennen. Dieser Mann da ward von den herrlichen Gesinnungen seiner Frau erst an dem Verlöbnistag seiner Schwägerinnen überzeugt. Frau Grafe sagte aber, da ich ihr den Auftritt beschrieb: Es sei ihr Beweis von dem innern Ehr- und Geldgeiz des Hrn. Linke; denn wenn er nicht selbst so vielen Wert darauf legte, so würde er das grosse Aufheben über die Genügsamkeit seiner Frau nicht gemacht haben. Sie mag doch unrecht haben; denn wir beurteilen den Nächsten nicht